Interview mit Pfarrer Jörg Hagemann
„Für Gott gibt es keinen Fremden“

Münster-Südost -

Schokoladenhasen und bunte Eier in den Geschäften künden schon lange davon: In wenigen Tagen ist Ostern. Welche Botschaft steckt hinter diesem christlichen Fest, und wie kann man es zeitgemäß feiern? Unsere Redakteurin Iris Sauer-Waltermann sprach darüber mit dem leitenden Pfarrer der Gemeinde St. Nikolaus Münster, Jörg Hagemann.

Dienstag, 27.03.2018, 00:03 Uhr

Interview mit Pfarrer Jörg Hagemann: „Für Gott gibt es keinen Fremden“
Foto: isa

Kennen die Menschen noch den Hintergrund des Osterfestes?

Pfarrer Jörg Hagemann: Immer passend zu den Feiertagen, gibt es Statistiken über die Menschen, die den Inhalt der Feste nicht mehr kennen. Gerade daher ist es wichtig, dass wir möglichst viele Menschen mit der wunderbaren Botschaft der Auferstehung Jesu begeistern und sie mit ganz unterschiedlichen Gottesdienste und Begegnungen erreichen.

Wie könnte man die christliche Osterbotschaft in die heutige Zeit übersetzen?

Hagemann: Für unseren Gott ist jeder Mensch – egal was er kann oder ist, egal ob er alt oder jung ist, egal ob erfolgreich oder erfolglos – so wichtig, dass er für jeden Menschen unendliches Leben will. Und das wird darin deutlich, dass dieser Schöpfergott sein Nächstes, seinen Sohn, durch den Tod in die Auferstehung und zum Leben gibt. Gottes Liebe durchbricht damit eine Mauer des Todes hin zum Leben. Und genau das feiern wir in den Gottesdiensten der Kar- und Ostertage.

Kann es österliche Hoffnung im Angesicht von Kriegen, Korruption und Umweltproblemen noch geben?

Hagemann: Ich bin fest davon überzeugt, dass die tiefen Aussagen der vor uns liegenden Feiertage eine Hoffnung in all den schrecklichen Wirklichkeiten unserer Zeit sein wollen. Gott macht deutlich, dass sich das Leiden, der Tod, der Verrat zum Leben hin durchbrechen lassen. Und er tut dies durch Liebe. Zwei Dimensionen werden hier deutlich: Die christliche Botschaft verschweigt das Leiden und die menschliche Not nicht. Jesus geht durch diese Wirklichkeit hin zur Auferstehung. Leben geschieht nicht durch Krieg, Korruption und Missachtung der Schöpfung, sondern durch Liebe, das heißt durch Frieden, durch das aufeinander Zugehen und die absolute Wertschätzung des Anderen.

Wie können die Christen diese Hoffnung im Alltag weitergeben?

Hagemann: Dies geschieht wohl nur durch einen ganz tief-österlichen Haltungswechsel eines jeden Christen. Wer wirklich glaubt, dass Gott alle Menschen liebt, muss sich seinem Nächsten gegenüber anders verhalten. Für Gott gibt es keinen Fremden. Das bedeutet für uns Christen auch eine wertschätzende Offenheit dem Anderen, dem Nächsten, jedem Nächsten gegenüber.

Wie kann Kirche auf dem Grad zwischen Kitsch und zeitgerechter Umsetzung von Ostern balancieren?

Hagemann: Ich bin ganz froh, dass wir da gar nicht balancieren müssen. Unsere Pfarrei versucht verschiedene Menschen zu ganz unterschiedlichen Feierformen einzuladen: Kreuzwegandacht, Osternacht, Familienangebote. Diese Feiern versuchen das Geheimnis von Ostern zu erschließen ohne das Leiden und den Tod zu verschweigen. Daher kann ich alle Menschen nur dazu ermutigen, nicht nur Ostern, sondern auch die Kartage zu feiern. Denn eigentlich sind die Festtage Gründonnerstag, Karfreitag und das Osterfest ein einziges großes Fest an verschiedenen Tagen.

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