Do., 14.04.2016

Vogelzählung in den Rieselfeldern Mit Klickzähler und Spektiv

Im Einsatz  für die Umwelt: Andrea Klein hat die Vögel der Rieselfelder fest im Blick. Dazu nutzt sie ein so genanntes Spektiv.

Im Einsatz  für die Umwelt: Andrea Klein hat die Vögel der Rieselfelder fest im Blick. Dazu nutzt sie ein so genanntes Spektiv. Foto: Hans-Uwe Schütz/ Biologische Station

Münster-Coerde - 

Wer fliegt wann das Vogelschutzgebiet an? Wer bleibt dort wie lange? Um diese Fragen zu klären, werden die gefiederten Gäste regelmäßig gezählt.

Von Karen Schütz, ­Jana Nitsch

Drei- bis viermal in der Woche steht Andrea Klein mit dem Spektiv, einem großen Beobachtungsfernrohr, auf den Wiesen der Rieselfelder und blickt in den Himmel.

Wie viele Graugänse ziehen über das Naturschutzgebiet? Sind die Löffelenten schon auf ihrem täglichen Weg vom Südteil der Felder nach Osten? Auch am Donnerstag hatte die Ornithologin die Wasserflächen durch über 120 künstlich angelegte „Sichtschneisen“ wieder gut im Blick. Und trotz der täglichen Arbeit mit den Vögeln löst eine Kornweihe, die plötzlich über dem Schilf auftaucht und ihre greifvogeltypischen Kreise zieht, Begeisterung bei Klein aus.

Die Vögel in den Rieselfeldern werden jeden Tag gezählt, mindestens fünfmal in der Woche findet eine Komplettzählung statt. „Im letztem Jahr haben wir bestimmt 2850 Stunden im Gebiet gezählt“, so Klein, die den Job ehrenamtlich ausübt, „Dazu kommen immer noch über 400 Stunden für Datenauswertung am Schreibtisch.“

Nur bei Sturm oder zu starkem Regen gehen die engagierten Vogelzähler nicht raus ins Feld. „Dann verstecken sich etwa die Bläßrallen tiefer im Schilf und wir würden nicht alle erwischen“, erklärt Klein. Sollen alle Vögel und die Brutvögel, die sich in den 38 Abschnitten der Rieselfelder verbergen, kartiert werden, dauert das gut zehn Stunden. Kurz vor Sonnenaufgang wird im Zweierteam gestartet, immer mit einem Klickzähler in der Hand. Während der Zählungen werden auch die Zifferncodes der Fußberingungen abgelesen. Dadurch sind die Vogelzähler schon wahren Langstreckenfliegern auf die Spuren gekommen. „Der Kampfläufer hält unseren Rekord für die östlichste Entfernung“, begeistert sich Klein. Während seines Fluges vom Senegal nach Ostsibirien macht er Halt in den Rieselfeldern.

Die 37-jährige Chemnitzerin kam durch ein Schulpraktikum in die Rieselfelder. „Ich hatte erst keine Ahnung, was die Rieselfelder sind“, sagt sie. Hinterher war sie so begeistert, dass sie auch in ihren Schulferien wiederkam. „Ich war hier die erste FÖJ-lerin, die Stelle wurde extra für mich geschaffen“, erzählt Klein über ihr Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ). Auch während ihres anschließenden Biologiestudiums in Münster verbrachte sie jede freie Minute in den Rieselfeldern. „Meine Eltern sind auch ,Beringer´“, erklärt Klein ihr Interesse an der Ornithologie. Bei deren vogelkundlicher Arbeit konnte sie schon früh mithelfen: „Die Vögel halten zu dürfen, war schon sehr toll.“

Aber nicht nur für Klein sind die Rieselfelder ein wichtiger Ort. Das Naturschutzgebiet bietet für seltenste Vogelarten, wie Zwergdommel und Tüpfelsumpfhuhn deutschlandweit den einzigen Brutplatz. „Die hohen Schilfbestände sind einmalig“, so die Vogelkundlerin.

Die Vogelzählungen helfen dabei, das Schutzgebiet zu erhalten. „Ohne die Zählungen wären die Rieselfelder damals platt gemacht worden, heute sind sie die besterfassten Gebiete Deutschlands“, freut sich die Fachfrau.

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