Rieselfeld-Bilanz 2017
Sorgen macht der Kiebitz

Münster-Coerde -

Das Europareservat hat seine exponierte Stellung als Naturschutzgebiet auch in diesem Jahr bewiesen. Es gibt in Nordrhein-Westfalen Arten, die ausschließlich in den Rieselfeldern brüten.

Mittwoch, 27.12.2017, 18:12 Uhr

Die Kanadagänse weichen den Graugänsen, hat Dr. Michael Harengerd, Leiter der Biologischen Station, beobachtet.
Die Kanadagänse weichen den Graugänsen, hat Dr. Michael Harengerd, Leiter der Biologischen Station, beobachtet. Foto: ohw

Das Europareservat Rieselfelder hat seine exponierte Stellung als Naturschutzgebiet auch in diesem Jahr bewiesen.

Wenn Dr. Michael Harengerd , Leiter der Biologischen Station Rieselfelder, zurückschaut, fallen ihm mehrere Arten ein, die in Nordrhein-Westfalen ausschließlich in den Rieselfeldern brüten. Dazu zähle zum Beispiel die Kolbenente, die sonst nur viel weiter im Süden anzutreffen sei.

Im Schilf brüten Drosselrohrsänger, Schilfrohrsänger und der Rohrschwirl sowie die Bartmeise. „Das sind in Nordrhein-Westfalen extrem selten vorkommende Arten“. Auch die größte, in Mitteleuropa vorkommenden Eule, „den Uhu haben wir als Brutvogel gehabt“, fügt Harengerd hinzu.

Extrem selten geworden ist die Große Rohrdommel. Harengerd erinnert sich gut, ihre Rufe in den 70er-Jahren noch am Dümmer gehört zu haben. 2016 tauchte sie erstmals in den Rieselfeldern auf. „Wir haben sie aber nicht gehört, wohl weil sie hier keine Konkurrenz hat, sondern das erst durch die Jungvögel mitbekommen“, erzählt der Leiter der Biologischen Station. „Dieses Jahr haben wir sie nicht nachweisen können.“ Wie es weitergehe, bleibe abzuwarten.

Geduld haben die Naturfreunde schon beim Storch bewiesen. 1979 wurde der erste Horst aufgestellt, aber das Nistplatz-Angebot blieb zwei Jahrzehnte unbeachtet. Erst 2001 brütete das erste Weißstorchenpaar. Inzwischen sind es jedes Jahr vier bis sechs Brutpaare.

Auch die attraktiven Blaukehlchen fühlen sich in den Rieselfeldern sehr wohl: Über 50 Prozent des nordrhein-westfälischen Gesamtbestands leben dort.

Momentan sind bis zu 2000 sibirische Blessgänse zu beobachten, „wenig im Vergleich zum Niederrhein“, so Harengerd. Seltene Gäste seien Singschwäne. Sie überwinterten nicht regelmäßig im Reservat, sondern vornehmlich in der Weseraue bei Minden oder am Unteren Niederrhein. Sie seien eigentlich eher im hohen Norden – Finnland, Island, Schweden, Baltikum und Russland – angesiedelt.

Häufiger als die Stockente gibt es in den Rieselfeldern die Schnatterente: als Brutvogel, Durchzügler und Wintergast. Anzutreffen ist inzwischen auch die Löffelente: Im Oktober, November gab es 600 bis 800 als Durchzügler.

Zu beobachten sei ein Rückgang der Kanadagänse zugunsten der Graugänse: „Sie sind etwas durchsetzungsfähiger“, erklärt Harengerd. Von den unüberhörbaren Nilgänsen gibt es nur wenige Brutpaare.

„Sorgen macht der Kiebitz“, sagt Michael Harengerd. Vor Jahrzehnten habe es 180 Brutpaare gegeben, „jetzt sind wir froh, wenn zur Brutzeit einige wenige da sind.“ Bundesweit sei der Bestand des Kiebitzes um 75 bis 80 Prozent zurückgegangen. Seit 2015 steht der rasante Flugkünstler auf der Roten Liste. Die Feldlerche gebe es seit vielen Jahren nicht mehr.

Wie viele Zehntausende Frösche es in den Rieselfeldern gebe, wisse er nicht, sagt Harengerd schmunzelnd. Zu den besonderen Gästen in den Rieselfeldern zählte in diesem Jahr etwa der Baumfalke, der sich von Libellen ernährt. Auf Durchzug sei im April, Mai der Fischadler gewesenen.

Der Bestand der Ringelnattern wächst. Wie viele es sind, steht indes noch nicht fest. Viele von ihnen genießen es ebenso wie die Blindschleichen, unter den schwarzen gewellten Schlangenbrettern zu liegen.

Das Jahr klang für die Mitarbeiter der Biologische Station mit Arbeiten an den Stauteichen aus: Sie befreiten elf Inseln von Aufwuchs, damit sie wieder als geschützte Brutbereiche zur Verfügung stehen. Auch eine Brutwand für Uferschwalben wurde hergerichtet.

Nutrias gibt es dank der vergangenen milden Winter etliche. „Wenn sie mal einen Schaden verursachen, beheben wir ihn – und fertig“, sagt Michael Harengerd. „Solange wir keine Wildschweine haben, geht es uns gut“, betont der Leiter der Biologischen Station.

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