Mi., 24.03.2010

Gievenbeck Eine Buche ragt heraus

Von Marion Fenner

Münster-Gievenbeck - Bäume faszinieren Wolfgang Schürmann . Vor allem alte Bäume, die eine Geschichte erzählen könnten. So einen hat der Roxeler Naturfreund und Fotograf jetzt auf dem Weg zum Haus Spital unweit des Soldatenfriedhofes entdeckt. An einer Allee stehen mehrere rund 80 Jahre alte Buchen . Doch eine fällt auf. Sie steht über der Erde auf ihren Wurzeln. Rund einen Meter höher als bei den unmittelbaren Nachbarn beginnt ihr Stamm. Ein sehr ungewöhnlicher Anblick. Schürmann hat sich dafür interessiert, warum bei diesem Baum die Wurzeln so weit sichtbar sind.

„Er hat in früheren Zeiten auf einem Wall gestanden“, ist sich Schürmann sicher. Einige Mauerreste sind neben der Buche freigelegt. Ein Wall quer durch die Allee? In diesem Bereich sei während des Ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager gewesen, daher stamme auch der Friedhof. Als die Gefangenen fort waren, sei das Gelände als Militärübungsplatz genutzt worden und zum Schutz vor herumfliegender Munition ein Wall gebaut worden. Und dieser Baum stand auf dem Wall.

Als der Schutz nicht mehr benötigt wurde, sei der Wall eingeebnet und damit der Buche auch ein Teil ihres „Fußbodens“ genommen worden. Dem Baum bescheinigt Schürmann einen enormen Überlebenswillen. Denn eigentlich hätten Buchen es nicht gerne, wenn ihre Wurzeln frei liegen. Doch diese habe sich mit ihrer Situation gut arrangiert. Sie sei sogar dicker als ihre Nachbarn.

„Der Baum hat allerdings mit seinem Standort auch zu kämpfen“, erklärte Schürmann. Er bilde im Frühjahr erst viel später sein Laub aus, als die anderen Buchen in der Allee. Schürmann würde diesen Baum gerne als Naturdenkmal unter Schutz stellen lassen. Einen entsprechenden Antrag hat er bereits gestellt, der nun von den politischen Gremien beraten werden muss.

Auch der Eigentümer des Grundstücks muss diesem Vorhaben zustimmen. Schürmann möchte außerdem eine Eiche in Coerde im Wäldchen neben dem Waldstadion als Naturdenkmal anerkennen lassen. Dieser Baum habe im unteren Stammbereich Wülste und auffällige Rindenveränderungen. „Diese stammen aus dem Jahr 1955 von einer Bergungsaktion eines im Morast steckengebliebenen Panzers“, berichtet Schürmann.

Das Militärfahrzeug drohte im Schlamm zu versinken, es seien Ketten um den damals schon 150-jährigen Baum geworfen worden. „Die Bergung des Kettenfahrzeuges war der Grund für den Rückzug der britischen Besatzungstruppen aus dem Truppenübungsgelände in Münsters Norden“, weiß Schürmann aus Gesprächen mit dem früheren Bezirksbürgermeister in Münsters Norden, Martin Holland. Damit sei das Gebiet frei geworden für eine großflächige Bebauung des Stadtteils Coerde.

Weitere Geschichten über Baumveteranen und deren Magie erzählt Schürmann bei einem Bildervortrag am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im münsterischen Umwelthaus, Zumsandestraße 15. Der Eintritt kostet drei Euro, für Mitglieder des Naturschutzbundes ist er kostenlos.

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