Do., 01.12.2016

Alphabetisierungs-Kursus: Interview Auch ein bisschen Sozialarbeit

Nach 13 Jahren gibt Sabine Flora (vorn, 3.v.l.) die Leitung der Alphabetisierungs-Kurse ab. Sie möchte sich einer anderen Aufgabe widmen.

Nach 13 Jahren gibt Sabine Flora (vorn, 3.v.l.) die Leitung der Alphabetisierungs-Kurse ab. Sie möchte sich einer anderen Aufgabe widmen. Foto: kbö

Gievenbeck - 

Sie leistete Pionierarbeit im Stadtteil: Vor 13 Jahren startete Sabine Flora im Auftrag vom Haus der Familie in Gievenbeck mit einem Alphabetisierungs-Kursus. Nun will sie sich einer anderen Aufgabe widmen. Aus diesem Grund gibt sie die Leitung der Kurse ab. Mit Redakteur Kay Böckling sprach sie über die Anfänge der Kurse, deren Inhalte und darüber, dass die Angebote mehr als nur das Vermitteln von Sprache und Rechtschreibung sind.

Frau Flora, was versteckt sich hinter dem Begriff Alphabetisierungs-Kursus?

Flora: Das bedeutet, dass wir Teilnehmer haben, die nie zur Schule gegangen sind. Oder die schon eine Sprache erlernt haben – also schreiben können – aber eben nicht die lateinischen Buchstaben beherrschen und somit eine Zweitschrift erlernen müssen.

Und was ist der Inhalt eines solchen Kurses?

Flora: Wir lehren lesen und schreiben und vermitteln zusätzlich Kenntnisse der deutschen Sprache.

Bedeutet das, dass sich diese Kurse ausschließlich an Menschen mit Migrationshintergrund richten?

Flora: Das ist richtig.

Erinnern Sie sich an die Anfänge der Kurse im La Vie?

Flora: Natürlich, wir sind seit September 2002 im La Vie. Die Anfänge waren sehr spannend, da es diese Kurse vor dem neuen Integrationsgesetz 2005 eigentlich noch nicht gab. Damit meine ich Kurse in den Vororten, die den Frauen besonders die Möglichkeit gaben, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen – besonders auch in der familiären Situation mit kleinen Kindern. Damit haben wir hier begonnen.

Wie?

Flora: Wir haben beispielsweise die ganze Heinrich-Ebel-Straße Haus für Haus „erobert“.

Mit welchem Ziel?

Flora: Die Weiterführung der Teilnehmer zu einem Integrationskursus, damit sie dann auch die Möglichkeit hatten, die entsprechenden Sprachniveaus zu entwickeln und Prüfungen abzulegen, um sich dann beispielsweise im Berufsfeld integrieren zu können.

Wie werden die Menschen auf ein solches Angebot aufmerksam?

Flora: Sehr wichtig ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Ein Teilnehmer bringt den nächsten mit.

Wie viele Teilnehmer haben in all den Jahren die Kurse besucht?

Flora: Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Aber es waren schon einige.

Wie lange dauert ein solcher Kurs?

Flora: Also, sie müssen davon ausgehen, dass Kinder – deutschsprachige Kinder, die sechs Jahre alt sind – in die Schule kommen und ein Jahr benötigen, um die Grundlagen des Lesens und Schreibens zu lernen. Wir haben es hier hauptsächlich mit Erwachsenen zu tun. Wir bemühen uns, nach einem Jahr ein einfaches Niveau in Wort und Schrift zu erreichen. Haben wir aber Teilnehmer, die zum Beispiel die arabische Sprache beherrschen in Schrift und Wort, dann ist es viel einfacher. Die Voraussetzungen für Wort- oder Silbenverbindungen sind vorhanden.

Hier gibt es die unterschiedlichsten Nationalitäten. Wie verständigt man sich?

Flora: Das kriegen wir gut hin. Hände und Füße beispielsweise. Wir finden immer einen Weg.

Es blieb nicht allein bei der Vermittlung der deutschen Sprache...

Flora: Das ist richtig. Ich glaube, dass wir auch sehr viel Sozialarbeit geleistet haben. Wenn beispielsweise ein Familienmitglied eines Teilnehmers verstarb, haben wir diesen Teilnehmer besucht und Hilfe angeboten. Zudem bemühen wir uns, auch integrative Arbeit zu leisten.

Wie sieht es mit ihrer Nachfolge aus?

Flora: Ein nahtloses Weiterführen der Kurse ist sichergestellt.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4471739?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F