Sa., 12.08.2017

Verwahrloste Wohnung am Borkenfeld Nachbarn entsetzt über Schimmel

Nachbarn der Schimmel-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus am Borkenfeld wehren sich seit geraumer Zeit gegen die enorme Geruchsbelästigung.

Nachbarn der Schimmel-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus am Borkenfeld wehren sich seit geraumer Zeit gegen die enorme Geruchsbelästigung. Foto: kbö

Münster-Gievenbeck - 

Die Nachbarn haben weiterhin Angst um ihre Gesundheit. Das sagen Therese Wood, Tilo Drawert und Jasmine McKenzie sowie weitere Anwohner. Konkret geht es um eine Wohnung in einem Gebäudekomplex an der Straße Borkenfeld, in der es – wie berichtet – zu einem so erheblichen Schimmelbefall kam, dass dringender Handlungsbedarf bestand.

Von Kay Böckling

Auch jetzt, fast zwei Wochen nach einem Einsatz des Ordnungsamts, fühlen sich die Bewohner im Stich gelassen. „Von Besserung keine Spur“, sagt Therese Wood verzweifelt. Sie fordert zusammen mit den anderen Mietern die sofortige Räumung der betreffenden Wohnung. Doch stattdessen fand sie nun ihre eigene Kündigung im Briefkasten.

Zum Hintergrund: Eine Wohnung soll laut Angaben von Nachbarn derart mit Schimmelbefall belastet gewesen sein, dass man seitens des Ordnungsamts von einer Gesundheitsgefährdung ausging. Das Amt fand die Angaben bestätigt.

Entrümpelung bezweifelt

Auf Weisung des Fachamts sollte eine Spezialfirma Abhilfe schaffen: entrümpeln und desinfizieren. „Doch es stinkt immer noch erbärmlich nach Schimmel und von einer Entrümpelung kann überhaupt nicht die Rede sein“, sagt auch Tilo Dawert. Er zeigt ein Handy-Foto, auf dem anlässlich der vorgesehenen Räumung ein riesiger Container zu sehen ist. Darin befinden sich allerdings lediglich eine Matratze und maximal sechs Müllbeutel. „Ein Witz bei dem Gerümpel und dem Dreck, der sich da in der Wohnung befindet.“

In der Tat riecht es schon seltsam, wenn man dieser Tage den Flur betritt. Auffällig: Alle Fenster im Treppenhaus sind sperrangelweit geöffnet. Doch das verbessert den Geruch nur marginal. „Vielleicht ist das eine subjektive Wahrnehmung, die aber nicht zu leugnen ist“, meint Dr. Michael Lürwer vom Gesundheitsamt. Nach seinen Informationen sei ein Unternehmen damit beauftragt worden, die Wohnung komplett zu reinigen und zu desinfizieren. Und: „Sie hat Vollzug gemeldet.“ Bislang habe es keine weiteren Beschwerden gegeben.

„Das ist das Schimmelhaus“

In diesem Zusammenhang macht der Mitarbeiter des Gesundheitsamts noch einmal deutlich, dass Schimmelpilz nicht zwingend zu einer Akut-Gefährdung führen müsse: „Der Geruch ist durchaus glaubhaft, aber nicht jeder Geruch muss sofort gesundheitsgefährdend sein.“ Das gelte auch für die noch sichtbaren Schimmelspuren an der Wohnungstür. Dennoch nehme auch das Ordnungsamt den Hinweis der Redaktion noch einmal zum Anlass, die Gegebenheiten vor Ort erneut zu prüfen, wie dessen Mitarbeiter Marc Büdding versicherte.

Die Klagen der Nachbarschaft über den Schimmelgestank sind übrigens nicht neu. Bereits am 21. April haben Mieter des Hauses die Vermieterin (eine Verwaltungsgesellschaft mit Sitz in Münster) auf den modrigen Geruch hingewiesen. Das geht aus einem Schreiben einer Rechtsanwältin hervor, das der Redaktion vorliegt.

Offensichtlich ist die Verwaltungsgesellschaft darum bemüht, das betreffende Haus und andere Immobilen zu veräußern. Ein Verkaufsgespräch verfolgte Therese Wood am Montag. Sie gibt zu, auf den Balkon getreten zu sein und unter anderem gesagt zu haben: „Das ist das Schimmelhaus.“ Damit wollte sie den Mitarbeiter der Gesellschaft erneut auf die Missstände aufmerksam machen.

Zwangsräumung wird angestrebt

Am nächsten Tag hatte die Gievenbeckerin ihre fristlose Kündigung im Briefkasten. Auch diese liegt der Redaktion vor. Dort heißt es unter anderem, dass Woods Aussage „eine bewusste Verleumdung“, „eine Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht zumutbar“ syei.

Ein Sprecher der Wohnungsgesellschaft bestätigte im Gespräch mit dieser Zeitung die Missstände. Eine Räumungsklage – allerdings wegen anderer Gründe – sei anhängig und am 31. Januar dieses Jahres eingereicht worden. Die angestrebte Zwangsräumung („Der Mieter will nicht ausziehen.“) könne allerdings nicht ohne eine entsprechende Entscheidung des Gerichts vollzogen werden.

Der Unternehmenssprecher zeigte „großes Verständnis“ für die Sorgen der Nachbarn. Zugleich machte er aber auch deutlich, „dass uns die Hände gebunden sind, da wir nicht so einfach die Wohnung betreten dürfen“. Eine schnellere Räumung der Wohnung wäre dann möglich, wenn Gefahr im Verzug sei. Und diese Umstände will das Ordnungsamt dieser Tage prüfen. 

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