Oxford-Quartier
Es hagelt Kritik an der Verwaltung

Münster-Gievenbeck -

Die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker der Bezirksvertretung Münster-West reiben sich am Exposé zum Oxford-Quartier. Ihnen ist das Papier zu lang und unverständlich.

Freitag, 19.01.2018, 17:01 Uhr

Um die künftige Nutzung der ehemaligen Oxford-Kaserne ging es auch in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Münster-West. Die Vorschläge der Stadt wurden kritisiert wegen ihrer Unverständlichkeit und Länge.
Um die künftige Nutzung der ehemaligen Oxford-Kaserne ging es auch in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Münster-West. Die Vorschläge der Stadt wurden kritisiert wegen ihrer Unverständlichkeit und Länge. Foto: kbö

Alles andere als amüsiert reagierten die Mitglieder der Bezirksvertretung Münster-West auf einen Bericht der Verwaltung – und hier explizit des städtischen Planungsamts. Die Vorlage hatte die erneute öffentliche Auslegung des Bebauungsplans für das Oxford-Quartier zum Inhalt. Konkret rieben sich die Kommunalpolitiker am mit rund 80 Seiten enormen Umfang und der Unverständlichkeit des Schreibens.

Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine meinte: „Eine sportliche Aufgabe für einen ehrenamtlich arbeitenden Politiker. Und die Formulierungen – die müssen wohl so sein.“ Auch die Fraktionsvorsitzende der SPD, Beate Kretzschmar, befand: „Diese Vorlage ist für jemanden, der das ehrenamtlich macht, eine Zumutung.“

Aber es ging auch um Inhalte. Nach einer 45-minütugen Diskussion ergriff Stephan Brinktrine das Wort und wurde so deutlich, wie bislang selten: „Das ist schlicht nicht mehr in Worte zu fassen, was ich hier denke“, wetterte der Bezirksbürgermeister mit Blick auf einen Passus im Verwaltungsvorschlag. Auf Seite 26 der insgesamt 62 Seiten umfassenden Begründung zum geänderten Entwurf heißt es da zum Thema Sportplatz: „Ein entsprechendes Sportflächennutzungskonzept soll erstellt werden.“

Das trieb Brinktrine die Zornesröte ins Gesicht: „So eine Aussage möchte ich künftig in einer Vorlage zur Oxford-Kaserne nicht mehr lesen und ich werde sie auch nicht mehr zur Abstimmung freigeben. Das ist schlicht und ergreifend nicht mehr nachzuvollziehen.“

Der Ärger des Bezirksbürgermeisters begründete sich darin, dass die Verwaltung seitens der Bezirksvertretung Münster-West den Auftrag erhalten hatte, ein Sportflächennutzungskonzept für das Oxford-Areal zu entwickeln. Und dieser Auftrag ist laut Brinktrine vor einem Jahr erteilt worden. Er kündigte energisch an, zeitnah beim Sportamt anzurufen und das Konzept für die Februar-Sitzung einzufordern: „Und sollte das nicht möglich sein, fordere ich eine schriftliche Stellungnahme dazu, warum ein solches Konzept nach einem Jahr immer noch nicht vorliegt.“

CDU-Vertreter Thomas Lilge meinte, es sei klar, dass die Flächen für den Freizeitsport vorgesehen seien. Das Konzept sei also durchaus bekannt. Eine Aussage, die auf Ratlosigkeit bei den Sozialdemokraten stieß. „Woher nehmen Sie diese Kenntnis“, wollte Beate Kretzschmar wissen. Lilge verwies in diesem Zusammenhang auf Telefonate.

Kommentar: Formulierungen wecken die Unlust

Diesen Satz – in herrlichstem Verwaltungsdeutsch formuliert – muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „Angesichts der zeitlichen Parallelität von Bebauungsplanverfahren und Ausbauplanung und der

damit grundsätzlich einhergehenden Beschleunigung

des gesamten Entwicklungsprozesses ergibt sich nun die Möglichkeit, die aus dem Abstimmungsprozess zwischen Bebauungs-

und Ausbauplanung resultierenden Anpassungsbedarfe im Rahmen des zurzeit laufenden Verfahrens

in den Bebauungsplanentwurf zu integrieren und auf diese Weise eine Deckungsgleichheit zwischen den Planungen herzustellen.“ Noch Fragen? Ist doch alles klar, oder? Kein Wunder, dass die Bezirksvertreter sauer sind, nachdem sie sich durch satte 80 Seiten solcher Formulierungen gewurschtelt haben.

Wer einem aber noch sehr viel mehr leid tun kann, das sind die zwei Mitglieder des Jugendrats, die erstmals die Sitzung der Bezirksvertretung besuchten. Angesichts der ihnen präsentierten „Literatur“, die auch sie in Si­sy­phus­ar­beit durchackern durften, wäre es nicht verwunderlich, wenn ihnen schon jetzt die Lust an derartigen Veranstaltungen genommen wurde.

Kay Böckling

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