Interview: Karin Park-Luikenga geht in den Ruhestand
Vom Schuldienst in die Politik

Münster-Gievenbeck -

Fast 40 Jahre im Schuldienst. 20 Jahre in verantwortlichen Positionen. Und durch ihre fast 16-jährige Amtszeit als Leiterin des Stein-Gymnasiums maßgeblich an dessen Entwicklung am neuen Standort im Gievenbecker Auenviertel verantwortlich.

Freitag, 26.01.2018, 18:01 Uhr

Sie geht in den Ruhestand: Karin Park-Luikenga wird am 2. Februar um 11 Uhr in der Aula des Stein-Gymnasiums offiziell verabschiedet. Das Loslassen wird ihr schwer fallen, wie sie sagt.
Sie geht in den Ruhestand: Karin Park-Luikenga wird am 2. Februar um 11 Uhr in der Aula des Stein-Gymnasiums offiziell verabschiedet. Das Loslassen wird ihr schwer fallen, wie sie sagt. Foto: Stein

Nun geht die Oberstudiendirektorin Karin Park-Luikenga am 31. Januar in den Ruhestand. Darüber und über die vergangenen 40 Jahre sprach die erfahrene Pädagogin mit unserem Redakteur Kay Böckling.

Frau Park-Luikenga, rückblickend auf die vergangenen 40 Jahre: Würden Sie den Weg, den Sie gegangen sind, wieder – und vor allem auch so – erneut gehen?

Park-Luikenga: Auf jeden Fall würde ich erneut den Lehrerberuf ausüben. Ich wollte keinen eintönigen Arbeitsplatz, sondern gemeinsam mit jungen Menschen arbeiten. Das war für mich eine Berufung. Man muss ein Herz für Kinder haben. Man muss sich mit ihnen identifizieren und sie als Persönlichkeiten wahrnehmen. Wenn man später sieht, was aus den jungen Menschen geworden ist, dann ist das schon ein tolles Gefühl.

Aber irgendwann erfolgte der Wechsel vom Operativen ins Administrative . . .

Park-Luikenga: Das ist richtig. Ich habe in meiner Zeit am Schlaun-Gymnasium (1985 bis 2000, Anm. der Red.) angefangen, Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, zunächst als Jahrgangsstufenleiterin und später auch als Verantwortliche für die Oberstufenkoordination. Durch diese Tätigkeiten habe ich als junge Lehrerin die Administration in der Oberstufe kennengelernt. Es machte mir sehr viel Spaß, an dieser Stelle zu gestalten.

Der Standortwechsel vom früheren Hindenburgplatz – heute Schlossplatz – ins Auenviertel war nicht nur ein Meilenstein in der Schulhistorie, sondern auch eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Park-Luikenga: Der Umzug ging ja zurück auf einen Verlagerungsbeschluss des Rates im Jahr 2000. Gievenbeck sollte ein größerer Stadtteil werden, und ein Gymnasium sollte in diesen Stadtteil verlagert werden. Wir sind es schließlich geworden.

Bei der Entscheidung waren Sie aber noch keine Schulleiterin . . .

Park-Luikenga: Das ist richtig. Ich bin 2002 Schulleiterin des Steins geworden. Und ich muss sagen: zum Glück.

Warum zum Glück?

Park-Luikenga: Als ich 2000 als stellvertretende Schulleiterin zum Schiller-Gymnasium ging, gab es ja schon den Umzugsbeschluss für das Stein. In den zwei Schuljahren am Schiller habe ich in „zweiter Reihe“ gelernt, was es heißt, die Gesamtverantwortung für eine Schule zu haben. Dennoch war es eine große Herausforderung, mich 2002 auf den vakanten Schulleiterposten zu bewerben.

Was machte den besonderen Reiz aus?

Park-Luikenga: Wenn man an entscheidender Stelle Schulentwicklung betreiben und auch noch einen Neubau mitgestalten darf, dann sind es interessante Aufgaben, die einzigartig sind. Eine größere Gestaltungsaufgabe kann man im Berufsleben doch überhaupt nicht bekommen. Mit Unterstützung meiner Kollegen im Bauausschuss und Schulentwicklungsausschuss haben wir ein zukunftsorientiertes Schulprogramm erarbeitet und die schulischen Interessen in die architektonische Struktur unserer Schule einbringen können. Die Phase des Abschieds vom Schlossplatz und des Neuanfangs in Gievenbeck werde ich nie vergessen.

Im Lauf der Jahre ist die Schule enorm gewachsen.

Park-Luikenga: Richtig: 2006 sind wir vom Schlossplatz weggezogen, 2012 hatten wir die bislang höchste Schülerzahl mit 1150 – und das bedeutete fast die doppelte Zahl gegenüber dem ehemaligen Standort.

Wie viele Schüler sind es heute – und wie viele Lehrer unterrichten derzeit am Stein?

Park-Luikenga: Im Augenblick haben wir 970 Schüler. Mit Vertretungslehrern und Referendaren sind wir 99 Lehrkräfte, wir haben 74 Stammlehrer.

Wie geht es mit Ihnen persönlich nach Ihrem letzten Schultag weiter?

Park-Luikenga: Wenn ich aus dem Dienst ausscheide, möchte ich mich politisch engagieren. Momentan bin ich zwar parteilos, doch ich werde mich einer Partei anschließen und mich im Bereich Bildungspolitik engagieren – was bei mir ja eigentlich auch vor dem Hintergrund meiner Studienfächer Geschichte und Sozialwissenschaften naheliegend ist.

Dann bleibt aber doch noch Zeit für andere Dinge . . .

Park-Luikenga: Was mein Mann und ich nie vernachlässigt haben, für was wir uns aber nun ganz andere Termine setzen können: Reisen. Wir unternehmen gerne Fernreisen, etwa nach Südostasien oder Südamerika. Das wird auch meine Geburtstagsreise betreffen. Natürlich möchte ich auch mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.

Wer Sie kennt, weiß um Ihr Engagement. Wie schwer wird Ihnen das Loslassen fallen?

Park-Luikenga: Darüber denke ich selbst schon die ganze Zeit nach. Es wird mir sicher nicht leichtfallen. Ich fühle mich als ein Teil des Stein-Gymnasiums. Ich bin stolz darauf, in der 167-jährigen Geschichte fast 16 Jahre diese Schule mitgestaltet zu haben. Wobei der Begriff „mitgestalten“ ganz wichtig ist. Gestalten kann man nie allein, dazu bedarf es vieler Helfer. Was aus dieser Schule geworden ist – von einem dreizügigen Gymnasium am Schlossplatz zu einem vier- bis fünfzügigen im Auenviertel – kann sich als Leistung des Kollegiums und der Eltern- und Schülerschaft sehen lassen. Also aus beruflicher Perspektive hatte ich sicherlich ein sehr erfülltes Arbeitsleben und werde immer gerne mit meinem Stein verbunden bleiben.

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