Sozialarbeit am Stein: Nur noch halbe Stelle
Sorge um den offenen Ganztag

Münster-Gievenbeck -

Diese Nachricht traf die Verantwortlichen des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums wie aus heiterem Himmel: Die Stadt Münster wird aller Voraussicht nach eine halbe Sozialarbeiterstelle an der Schule streichen.

Dienstag, 03.07.2018, 18:32 Uhr

Wird das Büro des Sozialarbeiters künftig geschlossen bleiben? Fest steht laut Jürgen Sarpe, kommissarischer Schulleiter des Stein-Gymnasiums, dass es nach der Streichung einer halben Stelle zu Veränderungen kommen wird.
Wird das Büro des Sozialarbeiters künftig geschlossen bleiben? Fest steht laut Jürgen Sarpe, kommissarischer Schulleiter des Stein-Gymnasiums, dass es nach der Streichung einer halben Stelle zu Veränderungen kommen wird. Foto: kbö

Das klingt zunächst nach nicht viel. Doch wenn dem so kommt, könnte es sein, dass das offene Ganztagsangebot gefährdet ist. „Abstriche wird es auf jeden Fall geben“, sagt Jürgen Sarpe, derzeit noch kommissarischer Schulleiter. Voraussetzung für die Streichung: ein entsprechender politischer Beschluss des Rats in seiner heutigen Sitzung.

Das ist der Status quo: Mit Felix Seppendorf verfügt das Stein mit seinen knapp 1000 Schülern über eine volle Sozialarbeiterstelle. „Sein Schwerpunkt lag bislang in der Schul-Sozialarbeit“, klärt Jürgen Sarpe auf. Zusätzlich habe er den offenen Ganztag betreut, nach Auskunft des kommissarischen Leiters stadtweit der einzige seiner Art im gymnasialen Bereich: „Hier steht es den Schülern frei, die Angebote zu nutzen.“ Zudem habe Seppendorf auch im Inklusionsbereich mitgearbeitet.

Die Sozialarbeiterstelle sei seinerzeit eigens wegen des Ganztags-Angebots eingerichtet worden. Neben der Sozialarbeit führe Seppendorf auch Schüler-Einzelberatungen oder Klassenberatungen durch. In seinen Aufgabenbereich falle auch die Betreuung des offenen Ganztags: „Nicht im Sinne von Aufsicht, sondern vor allem in der Präsenz.“

Und was bedeutet die Herabsetzung von einer ganzen auf eine halbe Stelle? Sarpe: „Dass wir demnächst im offenen Ganztag nicht mehr immer jemanden als dauernden Ansprechpartner haben, sondern möglicherweise Aushilfskräfte oder Studenten, die natürlich nicht so im Thema und entsprechend ausgebildet – ego auch keine Fachkräfte sind.“ Es fehle der feste Ansprechpartner, der stets für die Schüler da ist.

Befremdlich findet Jürgen Sarpe die Tatsache, dass er von der im Gespräch befindlichen Streichung nicht persönlich vom Schulamt in Kenntnis gesetzt wurde. Vielmehr sei er vom Sozialarbeiter selbst informiert worden.

Auch Claudia Karst, Schulpflegschaftsvorsitzende am Stein, kritisiert die drohende Entscheidung: „Durch die Nähe zum Sozialarbeiter wird eine Beziehung aufgebaut, die selbstverständlich immer hilfreich ist, wenn während der Schullaufbahn Probleme auftauchen“, so ihr Argument gegenüber der Politik.

Das Konzept des offenen Ganztags habe sich in den letzten 30 Jahren bewährt, „viele andere Schulen haben uns kontaktiert und sich zu unserem offenen Ganztag beraten lassen“. Der offene Ganztag gehöre zu den Aushängeschildern des Gymnasiums.

Auf die Reduzierung angesprochen verwies Schulamtsleiter Klaus Ehling auf einen politischen Beschluss, der vorsehe, die Sozialarbeiterstellen komplett neu zu verteilen: „Das geschieht anhand eines sogenannten Sozial-Index, der sich an einem gewissen Punktesystem orientiert.“ Und dieses Punktesystem sehe die Reduzierung am Stein um eine halbe Stelle vor.

Offensichtlich findet sich der offene Ganztag am Stein nicht in dieser Punktebewertung wieder. Das kritisieren Jürgen Sarpe und Claudia Karst unisono. „Mit der Neuordnung der Schulsozialarbeit ist dieses Schulkonzept plötzlich nichts mehr wert?“, fragt die Schulpflegschaftsvorsitzende.

Berücksichtigung müsse ihrer Ansicht nach auch die Inklusion finden: „Wir sind eins von drei münsterischen Gymnasien, die noch inklusiv – zieldifferent – arbeiten.“ Im nächsten Schuljahr sei zudem ein weiterer Jahrgang inklusiv zu betreuen. Die vorgesehene Kürzug sei unzumutbar.

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