Di., 17.11.2015

Handorfer Heide als Konzentrationszone Windräder statt Gefängnis?

Bereits im Frühjahr präsentierten Mattias Bartman (l.) und Tobias Krause-Kämereit vom Stadtplanungsamt diese Visualisierung: So würde es aussehen, wenn an der Kötterstraße eine 150-Meter-Windenergieanlage entstünde.

Bereits im Frühjahr präsentierten Mattias Bartman (l.) und Tobias Krause-Kämereit vom Stadtplanungsamt diese Visualisierung: So würde es aussehen, wenn an der Kötterstraße eine 150-Meter-Windenergieanlage entstünde. Foto: reg

Münster-handorf - 

Die Handorfer Heide: Das war die Fläche, an der die Stadt am liebsten eine neue JVA gebaut hätte, obwohl Naturschützer schon immer strikt dagegen waren – denn das Gebiet gilt als besonders wertvoller Naturraum. Nun möchte das Stadtplanungsamt ausgerechnet hier künftig Windräder zulassen.

Von Lukas Speckmann

Ein Jahr nach dem vorläufigen Ende der Diskussion um einen Gefängnis-Neubau in Han­dorf steht das weiträumige Gebiet an der östlichen Stadtgrenze erneut im Fokus der Planer: Wie berichtet, soll nach Auffassung des Stadtplanungsamts die „Handorfer Heide“ nun doch als für den Bau 150 Meter hoher Windenergieanlagen geeignet ausgewiesen werden. Zugleich werden die benachbarten Flächen „Haskenau“ und „Laer“ aus der weiteren Planung ausgeklammert.

Noch im Frühjahr hatten die Planer selbst vorgeschlagen, aus Gründen des Landschaftsschutzes auch die „Handorfer Heide“ unberücksichtigt zu lassen. Damals pflichtete die Bezirksvertretung Münster-Ost mit den Stimmen von CDU, FDP und UWG dieser Auffassung bei, während sich SPD und Grüne dafür aussprachen, Windräder auch in Handorf zu ermöglichen. Es geht um vier Flächen von insgesamt elf Hektar in der Nähe der Kötterstraße: die westlichste zwischen Hobbelt- und Lützowstraße, die drei anderen östlich der Lützowstraße bis zur Stadtgrenze – ungefähr da, wo nach dem Willen des Landes ein neues Gefängnis hätte entstehen sollen.

Auf genau diesen Umstand verweist das Stadtplanungsamt ausdrücklich: Aus planerischer Sicht müsse nach wie vor davon ausgegangen werden, „dass die Fläche auch als Standort für eine JVA in Frage kommt“, heißt es in der schriftlichen Begründung der Entscheidung. Dass die Bundeswehr seinerzeit gar keine Flächen abgeben wollte, beeinflusse den Planungsprozess nicht.

Die Nachricht wurde bei der Infoveranstaltung des Stadtplanungsamtes im Haus Münsterland teilweise sehr kritisch aufgenommen. „Man könnte die Handorfer Heide fachlich ausschließen, wenn man das wollte. Wir sind doch alle froh, dass die JVA da nicht hingekommen ist!“, sagte ein aufgebrachter Zuhörer. Gerd Franke vom Stadtplanungsamt räumte ein, dass es sich um einen Standort mit schützenswertem Landschaftsbild handele – doch diese Argumente seien nach genauer Prüfung nicht durchschlagend: „Die Fläche ist umsetzbar.“

Der Naturschutzbund ist anderer Ansicht. Dr. Carsten Trappmann vom Nabu-Vorstand bekräftigte auf Anfrage unserer Zeitung die schon aus der JVA-Debatte bekannte Position, wonach es sich um einen der schützenswertesten Naturräume des Stadtgebiets handele. Große Windräder seien vor allem für Greifvögel, Singvögel und Fledermäuse eine tödliche Gefahr – und diese Tiere seien rund um die Handorfer Heide und den Waldfriedhof Lauheide ganz besonders zahl- und artenreich: „Das ist, als würde man den Straßenverkehr in die Luft tragen.“

Aus Sicht der Naturschützer müsse die umfangreiche „Artenschutzprüfung II“ bereits in diesem frühen Zustand der Planung durchgeführt werden, betont Trappmann. Erst dann könne man sicher sagen, welche Standorte prinzipiell geeigneter wären. Gerd Franke stellt hingegen fest, dass diese detaillierte Artenschutzprüfung erst dann erfolge, wenn es um die Genehmigung eines konkreten Bauvorhabens gehe: „Das ist zulässig. Das hat auch was mit Aufwand zu tun.“ 

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Wir sind doch alle froh, dass die JVA da nicht hingekommen ist!

Ein Zuhörer im Haus Münsterland

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