Kein Happy End für Handorf
Schließungen: Deutscher Vater und Haus Münsterland

Münster-Handorf -

Noch vor einem halben Jahr hat niemand mit einer solchen Entwicklung gerechnet: Mit dem Ende der ersten Jahreshälfte hat Handorf zwei wichtige gastronomische Institutionen und Versammlungsorte verloren - das Haus Münsterland und das Hotel Eynck.

Dienstag, 04.07.2017, 08:07 Uhr

Der Betrieb ruht: Knapp sieben Jahre nach seiner Eröffnung als integrativer Betrieb hat Haus Münsterland am 30. Juni schließen müssen. Damit fehlt in Handorf erneut ein großer öffentlicher Veranstaltungssaal.
Der Betrieb ruht: Knapp sieben Jahre nach seiner Eröffnung als integrativer Betrieb hat Haus Münsterland am 30. Juni schließen müssen. Damit fehlt in Handorf erneut ein großer öffentlicher Veranstaltungssaal. Foto: spe

Wie berichtet, musste Haus Münsterland am 30. Juni seinen Betrieb einstellen, weil bis dahin kein neuer Investor bereit war, den Betrieb zu übernehmen. Den Mitarbeitern war zu diesem Zeitpunkt bereits gekündigt worden.

Am selben Tag übergaben auch die Wirtsleute Gudrun und Ulrich Eynck ihr ausgeräumtes Hotel-Restaurant an den neuen Eigentümer. „Die letzten Gäste haben am 18. Juni ausgecheckt“, berichtet Gudrun Eynck. In den letzten zwei Juniwochen sei man vollauf mit dem Auszug beschäftigt gewesen; nach wie vor ist Familie Eynck auf der Suche nach einer angemessenen Wohnung.

"Deutscher Vater": Abriss und Neubau

Wie berichtet, will der Investor das Gebäude des ehemaligen „Deutschen Vaters“ abreißen und durch einen Neubau mit mehreren Wohnungen ersetzen. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes ist auch Raum für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Der Investor würde sich eine gastronomische Nutzung wünschen: In den Entwürfen, die in den politischen Gremien diskutiert wurden, war sogar Außengastronomie eingezeichnet. Allerdings ist die gewerbliche Fläche beschränkt – einen Veranstaltungssaal wird es in dem Neubau sicher nicht geben.

Haus Münsterland technisch veraltet

Haus Münsterland ist nach Einschätzung des Insolvenzverwalters letztlich am Zustand des sanierungsbedürftigen Gebäudes gescheitert. Das ehemalige Soldatenheim stammt aus den 60er-Jahren und ist technisch veraltet. Hinter den Kulissen wird diskutiert, ob das Gebäude nicht zumindest als Veranstaltungsort erhalten bleiben könnte; allerdings ist offenbar nichts spruchreif.

Der Gastronomiebetrieb hingegen hat nach Angaben des Insolvenzverwalters im ersten Halbjahr die Erwartungen durchaus erfüllt – auch nachdem die Insolvenz der Betreibergesellschaft Infa im März bekannt geworden war. Die Kündigungen der acht Mitarbeiter waren auch deshalb zum 30. Juni ausgesprochen worden, weil der Hochsommer traditionell die schwächste Zeit im Haus Münsterland war und deshalb finanzielle Einbußen befürchtet wurden.

Kommentar zu Schließungen in Handorf: Bizarre Entwicklung

Für Handorf war es ein rabenschwarzes Wochenende: Mit dem früheren „Deutschen Vater“ ist ein gutes Stück Ortsgeschichte unwiederbringlich verloren gegangen. Und mit Haus Münsterland wurden der größte öffentliche Versammlungsort im Stadtbezirk geschlossen und eines der vielversprechendsten integrativen Projekte der Stadt abgewickelt. Das ist ein Jammer, denn der Betrieb lief ja keineswegs schlecht: Die Handorfer haben ihrem Haus Münsterland gerade in schwierigen Zeiten die Treue gehalten.

Wo sollen künftig Chorproben, Vereinssitzungen, Karnevalsbälle, Informationsveranstaltungen, Theateraufführungen oder Heimatabende stattfinden? Alles im Wersehof? Das öffentliche Leben in Handorf wäre jedenfalls gefährdet, würden künftig nur noch Pfarr-Säle oder Schul-Aulen als Versammlungsorte zur Verfügung stehen; dann würde die Innenstadt noch mehr Aufmerksamkeit an sich binden. Eine bizarre Entwicklung in einem Stadtteil, der in absehbarer Zeit durch ein neues Wohngebiet noch erheblich wachsen dürfte. Handorf als Schlafstadt – das kann niemand wünschen. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens für das Gebäude von Haus Münsterland eine pragmatische Lösung gefunden wird. -  Lukas Speckmann

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