Mo., 21.08.2017

Konflikt zwischen Bundeswehr und Erholungssuchenden Truppenübungsplätze: Münsters begehrteste Freiflächen

Der Naturschutzbund Nabu hält die Truppenübungsplätze für Münsters wertvollsten Naturraum – was hier bei einer Führung durch Handorf-Ost (Archivbild) demonstriert wird.

Der Naturschutzbund Nabu hält die Truppenübungsplätze für Münsters wertvollsten Naturraum – was hier bei einer Führung durch Handorf-Ost (Archivbild) demonstriert wird. Foto: spe

Münster-Ost - 

Die Bundeswehr betont ihr Hausrecht: Auf dem Truppenübungsplatz Dorbaum soll sich niemand aufhalten, in Handorf-Ost nur zu besonderen Zeiten. Tatsache ist: Beide Flächen werden von Erholungssuchenden genutzt. Wie lässt sich der Konflikt lösen?

Von Lukas Speckmann

Die Spaziergänger kommen direkt aus dem Wald. Dabei weist rings um das Marienbild am äußersten Ende der Dorbaumstraße ein halbes Dutzend Schilder darauf hin, dass das Betreten des Geländes verboten und gefährlich sei. „Das steht da aus Sicherheitsgründen“, meint einer der beiden Spaziergänger, „wenn was passiert, ist die Bundeswehr nicht verantwortlich.“ Und was könnte passieren? „Ich weiß nicht. Man sieht und hört hier eigentlich selten etwas.“

Der Eingang zum Truppenübungsplatz Dorbaum

Der Eingang zum Truppenübungsplatz Dorbaum Foto: spe

Ortswechsel, vom Übungsplatz Dorbaum zum Übungsplatz Handorf-Ost. Dieses Gelände darf nachts und am Wochenende auf den Wegen betreten werden. Aber auch hier sind unter der Woche mehrere Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs. „Halblegal“ sei das, meint ein Hundehalter, „aber der einzige, den man hier sieht, ist der Schäfer.“ Die halböffentliche Nutzung des Platzes sei seit Jahrzehnten kein großes Problem – aber seit Kurzem poche die Bundeswehr energischer als früher auf ihr Hausrecht.

Das ist nicht zu übersehen. Entlang der Lützowstraße und parallel zur Kötterstraße wurden auf einer Länge von mehreren Hundert Metern Holzzäune aufgestellt und die Eingänge mit Baumstrünken so zugestellt, dass Reiter praktisch gar nicht mehr, Radfahrer nur noch mühsam hindurchpassen. „Niemand soll einfach auf den Platz kommen“, meinte dazu Thomas Goldschmidt, der Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Offensichtlich gibt es einen Zielkonflikt: zwischen der Bundeswehr einerseits, die den Zutritt zum Übungsplatz Dorbaum unterbinden und zum Übungsplatz Handorf-Ost strikt begrenzen möchte, und der Öffentlichkeit andererseits, die am liebsten beide Flächen für Freizeit und Erholung nutzen möchte. Dass die Bundeswehr an beiden Standorten nur wenig zu üben scheint, ist ein Eindruck, den die befragten Spaziergänger rundweg bestätigen. Öffentlich äußern mochte sich allerdings niemand.

Daniela Kaminski vom Förderverein Münster-Ost wohnt unmittelbar am Übungsplatz. Ihr Eindruck: „Ich meine, dass die Bundeswehr das Gelände mehr nutzt als noch vor fünf Jahren.“ Dabei gehe es nicht nur um den Konflikt zwischen Militär und Erholungssuchenden, sondern auch um Naturschutz. Die Fläche sei deshalb so wertvoll, weil sie nicht rund um die Uhr beansprucht wird und seit Jahrzehnten weitgehend brach liegt.

„Aber ich glaube, dass man den Konflikt lösen kann“, betont Kaminski. „Allerdings müssten sich alle an die Spielregeln halten.“ Ihr Vorschlag: Beide Übungsplätze könnten, zumindest auf den Wegen, grundsätzlich freigegeben werden. An den Eingängen könnte per Aushang oder Lichtanlagen signalisiert werden, ob das Betreten möglich ist – so gesehen an einem Truppenübungsplatz in Dänemark.

Mehr zum Thema

Interview mit der Bezirksbürgermeisterin: Martina Klimek: „Ich kann nur warnen“

Kommentar: Truppenübungsplätze und Öffentlichkeit: Im Gespräch bleiben

Rund um Handorf-Ost gibt es mehrere Reiterhöfe und ein dichtes Netz von Reit-Wanderwegen. Das Übungsgelände – für Reiter grundsätzlich gesperrt – wirkt wie ein großer Riegel, der den Reittourismus in Münster-Ost blockiert. Angelika Uekötter vom Pferdehof Vertherland würde sich deshalb wünschen, dass zumindest außerhalb der Übungszeiten hier auch Reiter zugelassen wären: „Wenn man nur die Wege benutzt, geht es doch.“

Willy Schäfers, der die Geschichte des Handorfer Flugplatzes erforscht, erinnert daran, dass zumindest der Rundweg am Rand des Geländes früher als direkter Weg nach Telgte zugänglich war. Diesen Weg wieder freizugeben – „das könnte die Situation entspannen“.

Dazu freilich müsste die Bundeswehr ihre neuen Holzzäune auf die andere Straßenseite versetzen.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5092867?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F137%2F