Handorf verliert auch den Wersehof
Schließung für Ende September angekündigt

Münster-Handorf -

Erst Haus Münsterland, dann der Deutsche Vater, dann der Sudmühlenhof – geht das etwa so weiter? Offenbar. Die schlechten Nachrichten aus Handorf reißen nicht ab: Der Wersehof wird auch geschlossen.

Montag, 29.01.2018, 21:01 Uhr

Der Wersehof befindet sich an der Ecke Sudmühlenstraße / Dorbaumstraße: Der Gebäudekomplex dahinter wurde in den 80er- und 90er-Jahren errichtet: Er beherbergt den Veranstaltungssaal und den Edeka-Markt Rotthowe.
Der Wersehof befindet sich an der Ecke Sudmühlenstraße / Dorbaumstraße: Der Gebäudekomplex dahinter wurde in den 80er- und 90er-Jahren errichtet: Er beherbergt den Veranstaltungssaal und den Edeka-Markt Rotthowe. Foto: Oliver Werner

Es ist genau die schlechte Nachricht, die von der Handorfer Öffentlichkeit seit etwa einem Jahr mit Bangen erwartet wird: Der Wersehof schließt. Damit verliert der Ort in kürzester Zeit eine weitere wichtige Traditionsgaststätte. Der Saal des Wersehofs war nach der Insolvenz von Haus Münsterland und der Schließung des „Deutschen Vaters“ im vergangenen Sommer die wichtigste Adresse für Vereinsversammlungen, Familienfeiern und zuletzt sogar für die Sitzungen der Bezirksvertretung Münster-Ost. Was aus dem öffentlichen Leben in Handorf ohne den Wersehof werden soll, ist völlig unklar. Schlusstag ist der 30. September.

„Es ist auf Dauer nicht mehr rentabel“

Die Wirtsleute Erika (61) und Hermann Theves (63) haben mit der Entscheidung sichtlich schwer gerungen. Sie führen die Gaststätte, sein elterliches Erbe, seit 1985. Die Übergabe an die nächste Generation sei im Prinzip schon in trockenen Tüchern gewesen, berichten sie. Tochter und Schwiegersohn hätten schon seit Jahren im Betrieb mitgewirkt.
Doch dabei sei auch ihnen immer deutlicher geworden, auf wie wackligen Füßen eine solche Gastronomie stehe: Die Kunden würden immer anspruchsvoller, behördliche Auflagen immer strenger, vor allem aber sei qualifiziertes Personal kaum noch zu finden. Schließlich hätten auch die Steuerberater bestätigt, was man im Grunde längst gewusst habe: „Es ist auf Dauer nicht mehr rentabel.“ Die traditionelle Dorfkneipe mit Tresen, Saal und Stammtisch sei ein Auslaufmodell. Man habe alle möglichen Varianten erwogen – und schließlich im Familienrat beschlossen, den Betrieb aufzugeben.

Handorf ohne Wersehof: Ein Kommentar zum Thema

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Planungen nach dem Abriss:

Zum Gebäudekomplex an der Dorbaumstraße gehört ein Edeka-Markt, dessen Mietvertrag im kommenden Jahr ausläuft. Für eine Verkaufsfläche von nur 800 Quadratmetern würde sich heutzutage jedoch kein Lebensmittelhändler mehr erwärmen können. Die Stadt habe allen Einfluss geltend gemacht, einen Lebensmittelmarkt im Ortskern zu halten. Es laufe nun alles darauf hinaus, dass nach dem Abriss der alten Gebäude ein neuer Komplex mit einem größeren Lebensmittelmarkt und einigen Wohnungen entstehe. Die Details würden derzeit verhandelt.
Den Neubau wollen Erika und Hermann Theves nicht stemmen. Sie konzentrieren sich vielmehr auf ihr zwei Kilometer entferntes Hotel „Wersetürm’ken“, denn das Hotelgeschäft sei wesentlich stabiler als die Gastronomie. Bis Ende September werde der Wersehof weiterbetrieben, dann soll ein Ausstand gegeben werden. Das Personal – drei Köche, zwei Servicekräfte, einige Aushilfen – werde problemlos neue Jobs finden, betonen die Wirtsleute.

Gaststättensterben im „Dorf der großen Kaffeekannen“

Wegen der bevorzugten Lage an der Werse wurde Handorf im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel. Zahlreiche Gaststätten prägten das Image vom „Dorf der großen Kaffeekannen“. Bereits um die Jahrtausendwende war das Ende dieser Gas­tronomiedichte absehbar: Legendäre Traditionsadressen wie „Hugerlandshof“, „Wildpark Haus Pröbsting“, „Haus Vennemann“ und „Handorfer Hof“ sind ebenso verschwunden wie „Zapfhahn“ oder „Dorbaumschänke“. Allein in den vergangenen sechs Monaten wurden „Haus Münsterland“, „Deutscher Vater“ und „Sudmühlenhof“ geschlossen – ein Verlust vor allem für das öffentliche Leben, das sich mehr und mehr in den Wersehof zurückziehen musste. Dabei wächst  Handorf: In den kommenden Jahren wird im Ortskern ein neues Baugebiet erschlossen.

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