Mi., 21.07.2010

Hiltrup In Homburg brodelt es

Von Michael Grottendieck

Münster-Hiltrup/ Homburg - Was wird dem Provinzial der Hiltruper Missionare, Pater Werner Gahlen, vor gut einer Woche durch den Kopf gegangen sein, als er der heiteren und würdevollen Verabschiedungsfeier für den Leiter des Hiltruper Kardinal-von-Galen-Gymnasiums beiwohnte? Dachte er an seine eigene Zeit als Schulleiter am Gymnasium Johanneum in Homburg? Oder eher an die massiven Probleme des Ordens mit dem Gymnasium im Bistum Speyer, das durch die aufgedeckten Missbrauchsfälle vor mehr als 20 Jahren tiefer denn je in einer Krise steckt?

Immer wieder ist im Saarland zu hören: Münster schweigt. Auf den Abschlussbericht des Ordens zu den Missbrauchfällen, die im Februar aufgedeckt wurden, wartet die Schule in Homburg weiter vergeblich. Eltern und Öffentlichkeit fühlen sich unzureichend informiert, Opfer an den Rand gedrängt. Eltern haben einen offenen Brief an den Orden und den Stiftungsrat geschrieben.

Zwischendurch ist um die Schulleitung ein Machtkampf entbrannt. Mittlerweile hat sich der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann , in die Debatte eingeschaltet und seine Sorge um den Fortbestand der Schule geäußert. Sein Appell: Alle sollten an einem Strang ziehen, um das Johanneum aus der Krise zu führen. Das Bistum werde die Schule weiterhin unterstützen, wolle und könne sie aber nicht übernehmen.

Genau dieser Punkt hat bereits für hitzige Debatten gesorgt. So zitiert die Saarbrücker Zeitung den Geschäftsführer der Hiltruper Missionare, Pater Dr. Hans Linnenbrink, mit den Worten, falls die Schule nicht wie bisher weiterlaufe, suche der Orden notfalls ein neues Konzept für die Schulträgerschaft. Im schlimmsten Fall werde man das Johanneum in „drei bis vier Jahren abwickeln“, soll er gegenüber Eltern gesagt worden. Der Orden ist nach wie vor über eine Stiftung in der Funktion des Schulträgers, der Stiftung zur Seite steht eine Schul GmbH.

Mittlerweile wird der Bischof in Internetforen dazu aufgefordert, den Bericht des Ombudsmannes zu veröffentlichen, um nicht in den „Strudel des Vertuschens“ zu geraten. An geharnischter Kritik an der Ordensleitung wird dabei nicht gespart.

Im Februar hatten zwei Patres der Hiltruper Missionare, darunter Pater Georg W., der 23 Jahre in St. Clemens tätig gewesen war, Missbrauch an Kindern im Homburger Internat eingestanden. Der damalige Internatsleiter war ebenfalls von seinen Funktionen entbunden worden.

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