Fr., 27.01.2017

“Treffpunkte nicht stigmatisieren“ Streetworker beurteilen Lage am Hiltruper Schulzentrum

Dominik Kleine-Finke ist der Neue im Team der aufsuchenden Jugendarbeit. Seit dem 1. Januar unterstützt er das Team des VSE in Hiltrup. „Wir geben den Jugendlichen eine Stimme“, wirbt er für mehr Verständnis für die Belange der Cliquen.

Dominik Kleine-Finke ist der Neue im Team der aufsuchenden Jugendarbeit. Seit dem 1. Januar unterstützt er das Team des VSE in Hiltrup. „Wir geben den Jugendlichen eine Stimme“, wirbt er für mehr Verständnis für die Belange der Cliquen. Foto: mlü

Münster-Hiltrup - 

„Von 50 Jugendlichen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, sind vielleicht zwei dabei, die in bestimmten Situationen ausflippen“, sagen die Streetworker vor Ort. Von Überwachungskameras, wie sie in der Diskussion um die vermehrten Einbrüche am Schulzentrum ins Spiel gebracht wurden, halten die Sozialarbeiter Susanne Löde und Dominik Kleine-Finke wenig.

Von Markus Lütkemeyer

Im Prozess um die Brandanschläge auf das Flüchtlingsheim am Sportplatz Süd vor dem Landgericht Münster zeichneten die Verteidiger der beiden Angeklagten ein düsteres Bild von den Verhältnissen nachts am Schulzentrum . Durch die bundesweite Presse geisterten anschließend Geschichten von Mutproben und Exzessen, harten Drogen und Prügeleien in Hiltrup . Der Richter ließ sich davon nicht beeindrucken – auf den Alkohol könnten sie ihre Taten nicht schieben, er verurteile die 23 und 25 Jahre alten Männer zu mehrjährigen Haftstrafen. Doch wie sieht die Realität am Schulzentrum tatsächlich aus? Ist die Lage wirklich desolat?

Hiltrups Streetworker zeichnen ein differenzierteres Bild. Grundsätzliche Probleme gebe es nicht, das Schulzentrum sei schon seit mehr als 30 Jahren Treffpunkt . „Und die meisten Gruppen räumen hinter sich auf“, sagt die Sozialarbeiterin Susanne Löde vom VSE Hiltrup. Sie betont, dass es nichts bringe, Jugendliche oder ihre Treffpunkte zu stigmatisieren. „Von 50 Jugendlichen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, sind vielleicht zwei dabei, die in bestimmten Situationen ausflippen – weil die Freundin Schluss gemacht hat oder es Stress in der Familie gibt.“ Von Überwachungskameras, wie sie in der Diskussion um die vermehrten Einbrüche am Schulzentrum von der Realschule ins Spiel gebracht wurden (WN 14.1.), hält sie wenig. „Wenn es das Ziel ist, nach innen zu schauen, ob etwas gestohlen wird, dann finde ich das gut. Aber nicht nach außen zur Überwachung der Jugendlichen.“

Rat und Hilfe

Jeden Montag gibt es beim VSE am Klosterwald 1 von 15 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde für Jugendliche.

Dominik Kleine-Finke ist der Neue im Team der aufsuchenden Jugendarbeit in Hiltrup. Er war vorher in Borken in der offenen Jugendarbeit tätig. Auch ihm ist wichtig zu betonen: „Gruppen im öffentlichen Raum sind nicht per se ein Problem.“ Jugendliche bräuchten die Chance, sich unter Gleichaltrigen auszuprobieren – und sie hätten nun mal noch keine eigenen Häuser oder Wohnzimmer, wo sie sich treffen könnten. „Wir arbeiten mit den Cliquen und geben den Jugendlichen eine Stimme.“

Wie sieht das konkret aus? Viele Kontakte entstehen durch die Workshops in den Schulen, in denen die Streetworker zum Beispiel über Mobbing und Suchtgefahren aufklären. Wenn es irgendwo Konflikte zwischen Jugendgruppen und Nachbarn gibt, „dann schauen wir uns das an“, sagt Kleine-Finke. Als bekannte Größe im Stadtteil werden sie häufig von den Jugendlichen angerufen – wenn sie Probleme mit den Eltern oder Freunden haben. „Wir helfen bei der Bewerbung oder begleiten jugendliche Wohnungslose“, berichtet Löde.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4586840?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F138%2F