Di., 11.10.2016

Sonderkorrespondent Thomas Aders berichtet aus Nahost „Das darf Deutschland nicht zulassen“

Aus seinen Erlebnissen als Sonderkorrespondent in der arabischen Welt erzählte Thomas Aders. Fotos aus dem Jemen, die er aus dem Jemen nach einem Bombardement vor wenigen Tagen erhalten hatte, zeigt er nur auf Nachfrage – weil sie so blutig sind.

Aus seinen Erlebnissen als Sonderkorrespondent in der arabischen Welt erzählte Thomas Aders. Fotos aus dem Jemen, die er aus dem Jemen nach einem Bombardement vor wenigen Tagen erhalten hatte, zeigt er nur auf Nachfrage – weil sie so blutig sind. Foto: anh

Münster-Hiltrup - 

Man kennt Thomas Aders aus dem Fernsehen, als Sonderkorrespondent der ARD für die arabische Welt. Am Montagabend konnte man ihn im Kulturbahnhof Hiltrup länger sehen – und befragen.

Von Andreas Hasenkamp

Magdalene Faber hatte ihn nach der Lesung zu seinem Buch „Allah ist groß, die Hoffnung klein: Begegnungen im Nahen Osten“ im Frühjahr 2015 noch einmal nach Hiltrup eingeladen. Diese Chance nutzten die Gäste. Aders berichtet von den Arbeitsbedingungen des Studios in Kairo, das die arabische Halbinsel abdeckt; er erzählt von den Kollegen, dem schrittweisen Annähern an gefährlichere Gebiete und Situationen, vom Erlernen des Arabischen, den Sicherheitsvorkehrungen, die Zickzack-Wege in Syrien unumgänglich machen, dem Netz an langjährigen Kontakten und der Team-Arbeit.

Faber lässt Interessierte auf Aders Smartphone die Fotos sehen, die er aus dem Jemen nach einem Bombardement vor wenigen Tagen erhalten hatte. Einige der 50 Gäste nutzen die Gelegenheit, auch ein junges Paar, das sich einige Fotos anschaut: „Das reicht, danke“. Es sind Fotos von teils oder ganz zerfetzten Menschen. Nichts, was im Fernsehen zeigbar wäre.

Mit Präsident Assad hat der Journalist nach langen, vielen Anläufen sprechen können. Assad sei ihm vorgekommen wie eine bestens von PR-Trainern vorbereitete Puppe; hinter dem Sohn von Hafiz al-Assad stünden andere.

Aders sieht viel Versagen und Schuld bei den ausländischen Mächten, aus je unterschiedlichen Gründen. Das Nichtstun Europas in den letzten Jahren, die unheilvolle Koalition der USA mit den Saudis seit dem Zweiten Weltkrieg führt er an. Moskau sei es gelungen, die USA „an der Nase herumzuführen“. Und es habe die „absolute Lufthoheit“ über Aleppo, es könnte die Bombardements sofort beenden. Dort seien die Vorräte aufgebraucht, der letzte Versorgungsweg nun blockiert – in den nächsten zwei Wochen sei mit einer Hungersnot zu rechnen.

Respekt zollt Aders der Lebenseinstellung von Irakern und Syrern, ihrer Fähigkeit zum Durchhalten. Und er kenne keinen Syrer, die nicht bald zurück wolle. Ein christlicher Syrer sei zurückgekehrt – nachdem er sich in drei Flüchtlingsheimen mit Propagandisten des IS konfrontiert sah. Das dürfe Deutschland nicht zulassen.

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