Mit der „Papazeit“ schließt Hiltrup eine Lücke
Väter unter sich

Münster-Hiltrup -

Laut einer aktuellen Statistik nehmen in Münster rund 35 Prozent aller jungen Väter durchschnittlich dreieinhalb Monate Elternzeit. Es gibt aber so gut wie keine regelmäßigen Treffen, die sich ausschließlich an Väter mit ihren Kindern richten. Die „Papazeit“ schließt diese Lücke.

Samstag, 29.07.2017, 10:07 Uhr

Hiltruper Papas und ihre Kids: In der „Papazeit“ treffen sie in einer lockeren Atmosphäre auf gleichgesinnte Männer, können gemeinsam mit ihren Kindern Spaß haben und sich über Väterthemen austauschen.
Hiltruper Papas und ihre Kids: In der „Papazeit“ treffen sie in einer lockeren Atmosphäre auf gleichgesinnte Männer, können gemeinsam mit ihren Kindern Spaß haben und sich über Väterthemen austauschen. Foto: mlü

Seine Freundin sei immer mit dem Baby zu diesem einen Pekip-Kurs gegangen. Als er dann mit der Elternzeit dran war, wollte der junge Vater da natürlich weitermachen. Aber: „Alles nur Mütter. Und es wurde ständig gesungen“, stöhnt er. Jetzt geht er zur „Papazeit“ nach Hiltrup – dabei kommt er gar nicht aus dem Stadtteil. „Aber woanders gibt es so etwas nicht.“

Laut einer aktuellen Statistik nehmen in Münster rund 35 Prozent aller jungen Väter durchschnittlich dreieinhalb Monate Elternzeit. Es gibt aber so gut wie keine regelmäßigen Treffen, die sich ausschließlich an Väter mit ihren Kindern richten. Seit rund einem Jahr wird diese Lücke in Hiltrup mit dem neuen Väterangebot in der Caritasberatungsstelle Hiltrup geschlossen.

Jeden Mittwoch treffen sich Väter mit ihren Kindern von null bis drei Jahren, um mit anderen Vätern und deren Kindern zu spielen, sich auszutauschen oder auch Antworten auf Fragen in der Erziehung zu bekommen.

Info

Die „Papazeit“ findet mittwochs ab 9.30 bis 11 Uhr in der kleinen Turnhalle der Caritas-Beratungsstelle an der Stadthalle Hiltrup statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

...

„Die meiste Zeit reden wir über Fußball und geeignete Familienautos“, schmunzelt Jonas Röttgering. Er ist einer der drei Pädagogen, die das Angebot begleiten. „Das Männerbild hat sich gewandelt“, erklärt er. Im 19. Jahrhundert war der Mann ein Patriarch. Väter vertraten die Familie vor allem nach außen. In der Nachkriegszeit war der Vater vor allem eines – abwesend. Er sorgte unter großen Opfern für das Auskommen der Familie. Mit der Gleichberechtigung bekommt der Mann jetzt eine neue Rolle – aber wie genau sieht die eigentlich aus?

Auf einer Turnmatte liegt Vater Matthias Philipps bäuchlings mit seinem Sohn Moritz. Sie klimpern gemeinsam auf einem Spielzeugklavier herum. Philips hat sich wie viele Väter bei der „Papazeit“ dafür entschieden, sieben Monate Elternzeit zu nehmen. „Ich will sehen, wie Moritz aufwächst. Zum Glück hat er jetzt vor der Kita noch das Laufen gelernt. Sonst heißt es nachher nur noch: Übrigens, ihr Sohn kann jetzt laufen.“

Das Projekt ist eine Kooperation der Diakonie und der Caritas . Die Idee kam den drei Pädagogen fast von selbst – alle drei sind selber Väter kleiner Kinder. Einer davon ist Christian Heuck, er weiß: „Die Eltern wollen weg von einer ungleichen Aufteilung.“ Viele Väter würden gerne mehr Zeit mit ihrem Baby verbringen. In großen Unternehmen sei eine lange Elternzeit heute häufig kein Problem mehr. „Handwerker haben größere Schwierigkeiten, besonders wenn sie selbstständig sind“, so Röttgering.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5041330?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F138%2F
Freiheitsstrafe für Ex-Stadt-Mitarbeiterin
Urteil im Untreue-Prozess: Freiheitsstrafe für Ex-Stadt-Mitarbeiterin
Nachrichten-Ticker