Sa., 05.08.2017

Vor 75 Jahren starb Kaplan Bernhard Poether im KZ Dachau Er ließ sich nicht verbiegen

Das Familiengrab auf dem Alten Friedhof: Zunächst wurde Bernhard Poe­ther (l.) hier bestattet, heute ruht seine Urne in der St.-Clemens-Kirche.

Das Familiengrab auf dem Alten Friedhof: Zunächst wurde Bernhard Poe­ther (l.) hier bestattet, heute ruht seine Urne in der St.-Clemens-Kirche. Foto: mlü

Münster-Hiltrup - 

Kaplan Bernhard Poether starb vor 75 Jahren im KZ Dachau. Am Ende wog er nur noch 44 Kilogramm. Seine Leiche verbrannt und die Urne zu seinem Vater nach Hiltrup geschickt.

Von Markus Lütkemeyer

Im Gefängnis hätte Kaplan Bernhard Poether freikommen können. Man hatte ihn gefragt: „Wenn sie einem von zwei Menschen helfen können, wem würden Sie helfen – dem Polen oder dem Deutschen?“ Es wäre leicht gewesen, den Nationalsozialisten nach dem Mund zu reden. Doch Poether ließ sich nicht verbiegen: „Ich würde demjenigen helfen, der die Hilfe am nötigsten braucht.“

Daraufhin wurde der damals 36-jährige Bernhard Poether ins KZ Dachau in den dortigen „Priesterblock“ verlegt. An den Folgen der Folter, der Unterernährung und der Schikanen starb er am 5. August 1942. Am Ende wog er nur noch 44 Kilogramm. Seine Leiche wurde im Krematorium des KZ verbrannt und die Urne zu seinem Vater nach Hiltrup geschickt. Bernhard Poethers Tod jährt sich an diesem Samstag zum 75. Mal.

Für die Familie Poether, von seinen Eltern lebte 1942 nur noch der Vater, muss die Urne ein Schock gewesen sein. Der emeritierte Pfarrer Ewald Spieker hat sich intensiv mit dem Leben des Kaplans beschäftigt. „Nach außen drangen ja nur die zensierten Postkarten“ – und da stand immer nur: Es ginge ihm gut. Dann kommt auf einmal die Urne mit der Post. Die Trauerfeier in Hiltrup zelebrierte Pfarrer Otto Reddemann. Er sei prompt unter dem Verwand, ständig nach nächtlichem Fliegeralarm Messen zu halten, zur Zahlung von 1000 Reichsmark verurteilt worden. Die Nazis betraften Poether auch nach seinem Tod dafür, dass er sich der Polenseelsorge verschrieben hatte. Der Kaplan hatte sich gegen die willkürliche Verhaftung polnischer Katholiken gewehrt.

„Bernhard Poether ist unter lebensbedrohlichen Umständen den Weg der inneren Überzeugung gegangen“, sagt Spieker. Er setzt sich dafür ein, dass Poether selig gesprochen wird – „seine Antwort damals im Gefängnis war eine starke, eine christliche Antwort“, sagt Spieker. Im April hatte der Arbeitskreis Bernhard Poether einen Termin bei Bischof Felix Genn. Übergeben wurden 1300 Unterschriften für eine Seligsprechung Poe­thers.

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