Wahre Kriminalfälle
Der seltsame Tod des Paul B.

Münster-Amelsbüren -

Die besten Kriminalfälle schreibt doch das wahre Leben. Das erlebten die Besucher des „Forensik-Forum“ im Kunsthaus Kannen. Wilsberg-Autor Jürgen Kehrer beschäftigte sich mit einem besonderen Fall. Diesmal mal ganz ohne den bekannten Schnüffler.

Samstag, 02.09.2017, 16:09 Uhr

Das Reale ist zu bizarr, da sind der Facharzt und der münsterische Krimi-Autor einig: Dieter Seifert (l.) und Jürgen Kehrer im Kunsthaus Kannen.
Das Reale ist zu bizarr, da sind der Facharzt und der münsterische Krimi-Autor einig: Dieter Seifert (l.) und Jürgen Kehrer im Kunsthaus Kannen. Foto: anh

Die Geschichten aus dem echten Leben sind zu bizarr – als Geschichten für Buch oder Film würden sie unglaubwürdig wirken. Das sagt Krimi-Autor Jürgen Kehrer , das sagt auch der ärztliche Direktor der Christophorus-Klinik für Forensische Psychiatrie der Alexianer , Professor Dr. Dieter Seifert . Kehrer war am Donnerstag Referent beim „Forensik-Forum“ im Kunsthaus Kannen . Die Mission des Wilsberg-Erfinders: „Verbrechen aus der Sicht eines Krimiautors“.

Kehrer griff schlicht ins pralle Leben, in den Fall des gewaltsamen Todes von Paul Blomert. Seltsame Umstände begleiteten 1961 das Ableben des Juristen und Kanzlei-Partners des Bürgermeisters von Münster: Ein oder zwei Schüsse, ein später Ruf nach einem Krankenwagen, ein verfrühtes Waschen des Leichnams, das offensichtliche Bemühen der Staatsanwaltschafts-Spitze, den Fall zu den Akten zu legen.

Und dann der Kern des Abends, der psychiatrische: Ein Gutachten jagt das andere, widerspricht, bescheinigt volle oder verminderte Unzurechnungsfähigkeit des selbsternannten „Sozialanwalts“ Günter Weigand, der öffentlichkeitswirksam auf die äußerst professionswidrigen „Ermittlungen“ hinwies. So wurde der Fall zur Justiz-Affäre, gelangte zu bundesweiter Berühmtheit, und mit ihm Münster.

Kehrer musste nur nüchtern schildern aus seinen Recherchen, schon das sorgte für Amüsement unter den 60 Gästen.

Es waren nicht nur Mitglieder des Beirats der Einrichtung. „Da sind Nachbarn, das ist schön!“ sagte Seifert, als kurz vor dem Beginn ein Schwung Leute in den Saal kam und die letzten Plätze füllte.

In den 16 Jahren des Forums gehöre diese Veranstaltung zu den drei am besten besuchten. Mit dem Forum bemühe man sich, nicht hinter Mauern versteckt zu arbeiten, sondern transparent zu sein.

Thema des nächsten Forensik-Forums ist im November die Frage der Nachversorgung bedingt entlassener Patienten.

Zum Thema

Weiterlesen: Jürgen Kehrer, Schande von Münster

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