Versorgung vor Ort ist wichtig
Altengerechte Quartiersentwicklung in Münster

Münster -

Der Testballon für eine altengerechte Quartiersentwicklung startete in Hiltrup-Ost. Die Koordinatorin stellt fest, dass es älteren Menschen vor allem auf eine Versorgung vor Ort und auf Mobilität ankommen würde.

Donnerstag, 18.01.2018, 09:01 Uhr

Gespräche vor Ort führt die Koordinatorin der Quartiersentwicklung, Yvonne von Kegler (l.), regelmäßig mit interessierten Bürgern in Hiltrup-Ost, wo vor drei Jahren das erste Projekt gestartet wurde.
Gespräche vor Ort führt die Koordinatorin der Quartiersentwicklung, Yvonne von Kegler (l.), regelmäßig mit interessierten Bürgern in Hiltrup-Ost, wo vor drei Jahren das erste Projekt gestartet wurde. Foto: Yvonne von Kegler

Im Idealfall bleiben ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem bekannten Wohnumfeld wohnen – auch bei Pflegebedürftigkeit und bei Hilfebedarf im Alltag. Das ist eines der Ziele der altengerechten Quartiersentwicklung, sagt Yvonne von Kegler vom städtischen Sozialamt. Münster war landesweit Vorreiter für dieses Projekt, freut sich die Expertin. Inzwischen existierten in NRW schon über 60 solcher Projekte. Die 41-Jährige ist im Sozialamt zuständig für die altengerechte und inklusive Quartiersentwicklung und gleichzeitig auch konkrete Ansprechpartnerin für Hiltrup-Ost.

Versuchsballon für die Quartiersentwicklung

In diesem münsterischen Stadtteil wurde vor knapp drei Jahren der Versuchsballon für die Quartiersentwicklung gestartet. Man wollte testen, ob ältere Menschen überhaupt Interesse an einem solchen Angebot haben. Das Projekt in Hiltrup-Ost nahm langsam Fahrt auf, doch die Förderung des Landes für diesen Bereich läuft in diesem Jahr aus.

Zu Beginn traf sich ein Arbeitskreis, daraus entwickelten sich Gruppen, die sich mit Themen wie Wohnen, Begegnung und Freizeit beschäftigten. Die Folge: Computerkurse und ein Mittagstisch wurden bereits initiiert. Ein Haus der Begegnung ist geplant, Yvonne von Kegler bietet vor Ort in einer Apotheke Sprechstunden an.

Weitere Projekte gestartet

„Aus den Treffen haben sich schon Freundschaften entwickelt“, so die Koordinatorin. Menschen unterstützten sich gegenseitig und Nachbarn seien sensibilisiert für ältere Mitbewohner. Die Quartiersentwicklerin stellt aber bei allen Aktivitäten fest, dass es einen Kümmerer geben muss. Viele der älteren Menschen – auch unter den Ehrenamtlichen – würden diese Verbindlichkeit nicht gerne eingehen. Ihnen sei eine gewisse Unabhängigkeit lieber, sagt von Kegler.

Nach Hiltrup-Ost sind stadtweit weitere Projekte gestartet. Diesen Maßnahmen ging ein Beschluss des Rates voraus, der sich im Jahr 2013 auf Antrag der Grünen dazu entschlossen hatte, einen Masterplan für altengerechte, inklusive Quartiersentwicklung auf den Weg zu bringen. Für die Stadt war der Weg ein neues Feld.

Im Sozialamt erfolgte eine erste Bestandsaufnahme. Viele Erkenntnisse wurden daraus gewonnen, dabei ging es unter anderem um Versorgungsmöglichkeiten. Aus dem Masterplan ging auch hervor, dass 21 Prozent aller Münsteraner das 60. Lebensjahr überschritten haben. In Hiltrup-Ost lag die Zahl schon bei 35 Prozent, darum der Start in diesem Viertel.

Neues Projekt in den Erphobögen

Das Land fördert die Quartiersentwicklung, deren Erkenntnisse in Handlungsfelder wie Wohnungsbau und Einzelhandel einfließen. Schnell sei ihnen klar geworden, so von Kegler, dass nicht nur die Stadt das Projekt leisten könne. Wohlfahrtsverbände wie die Caritas und unter anderem die Diakonie sind mit dabei. Demnächst wird nach Angaben der Koordinatorin vom DRK in den Erphobögen ein neues Projekt gestartet.

Bei allen Gesprächen habe sie feststellen können, sagt die 41-Jährige, dass die Senioren in den Vierteln unterschiedlich aufgestellt seien. Es bestehe aber ein großer Bedarf an Begegnung und Austausch. Die Versorgung vor Ort und die Mobilität spielten eine große Rolle.

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