Programm ist nichts für zarte Gemüter
Ein „Rebell unter Spießern“

Münster-Hiltrup -

„Ich verspreche, dass der erste Teil meines Programms politisch korrekt sein wird, im zweiten werde ich die Gefühle von Minderheiten verletzen“, so kündigte Kabarettist Ludger Kusenberg sein Programm an, mit dem er sein 500-köpfiges Publikum in der Stadthalle begeisterte.

Montag, 29.01.2018, 08:01 Uhr

Brillant kam Kabarettist Ludger Kusenberg bei seinen zahlreichen Fans an, die nicht nur aus Hiltrup, sondern aus der ganzen Stadt und Umgebung zur Premiere seines Programms „Was Gestern über Heute wusste“ in die Stadthalle gekommen waren.
Brillant kam Kabarettist Ludger Kusenberg bei seinen zahlreichen Fans an, die nicht nur aus Hiltrup, sondern aus der ganzen Stadt und Umgebung zur Premiere seines Programms „Was Gestern über Heute wusste“ in die Stadthalle gekommen waren. Foto: Gross

Das maßgeschneiderte T-Shirt, das Ludger Kusenberg vor einigen Tagen in Hiltrup geschenkt bekam, hatte es nicht gemeinsam mit dem Kabarettisten am Samstagabend auf die Bühne geschafft. Als „Rebell unter Spießern“ wurde der vielen Münsteranern und Hiltrupern bekannter Entertainer, der bis vor kurzem das Varieté-Programm im GOP-Theater moderierte, aus dem Off vor Beginn der Show angekündigt.

Dieser erwies sich als alles andere, aber nicht als gut erzogener salonfähiger Spießer. „Ich verspreche, dass der erste Teil meines Programms politisch korrekt sein wird, im zweiten werde ich die Gefühle von Minderheiten verletzen“, so Kusenberg.

Doch diese Aussage bröckelte bereits nach einigen Sekunden. Frei von der Brust erteilte der Alleinunterhalter Tipps, wie man Jugendliche mit osmanischem Aussehen in der Deutschen Bahn abwimmelt und sinnierte öffentlich darüber nach, ob ein Osteopath wohl ein Psychopath mit ausgeprägter Angst vor osteuropäischen Bürgern sei.

Kusenberg lieferte seinen Zuschauern als schonungsloser Beobachter des Geschlechterkampfes eine allumfassende Satire auf jeden erdenklichen Alltagsstoff. Natürlich geben Prominente und Politiker immer eine dankbare Vorlage für Kabarettisten ab.

Da wollte auch Kusenberg keine Ausnahme sein. „Fühlen Sie sich überhaupt noch sicher?“, fragte er von der Bühne runter, „Nachdem wir ‚Flinten-Uschi‘ als Verteidigungsministerin bekommen haben?“. Das fast 500-köpfige Publikum, das scheinbar aus eingefleischten und neu am Abend dazugewonnen Fans bestand, amüsierte sich köstlich und ging auf jedes Stichwort ein. Sogar eine von Kusenberg selbst ausgesuchte „Stalkerin“ fand sich, um ihm zu Klängen von „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ eine Rose samt Kuss zu geben.

Respekt zeigte Kusenberg am Samstagabend nicht. Nichts war ihm heilig, weder das Älterwerden mit dem dazugehörigen „Google Street View Classic“ aus Netzwerken von Omas, noch die eigenen Eltern, die sich im Ruhestand nur noch in der dritten Person ansprechen. Auch er selbst gab zu, neulich eine Apothekenumschau erhalten zu haben und sich demnächst von der liebsten Jeans verabschieden zu wollen.

Hiltrup – der „Hochburg des Frohsinns“, in der man über jede Pointe lachte, egal wie inkorrekt diese nun war, versprach er rosige Aussichten. Neben einem eigenen Logo und Postleitzahl sei sogar ein eigener Flughafen denkbar, nur das Kürzel „HIL“ sei bereits leider in Äthiopien vergeben worden, doch Verwechslungsgefahr bestehe nach seinem Eindruck eher nicht.

Kusenbergs Programm ist also nichts für zarte Gemüter oder vorurteilsfreie Mitmenschen, dafür voller erstaunlicher Parallelen zwischen dem Gestern und Heute, die unsere Welt charmant und sehr publikumswirksam erklären.

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