Hiltruper Vorleseclub
Sie fingen noch mal von vorne an

Münster-Hiltrup -

Familiengeschichten sind vorzüglicher Unhaltungsstoff und erwiesen sich als keine schlechte Wahl für einen flotten Start des Hiltruper Vorleseclubs ins neue Jahr.

Donnerstag, 22.02.2018, 11:02 Uhr

Der Vorleseclub startet zu seiner Jahresreise durch die Literatur. Acht Veranstaltungen stehen im Programmheft, das ab sofort im Infopunkt und anderen Stellen ausliegt.
Der Vorleseclub startet zu seiner Jahresreise durch die Literatur. Acht Veranstaltungen stehen im Programmheft, das ab sofort im Infopunkt und anderen Stellen ausliegt. Foto: gro

„Ich stehe hier unter der Dusche und du erzählst mir, dass du mit Opa Schluss machst.“ So spielt das Leben. Mit 79 Jahren will Oma ihre erste Wohnung beziehen. Raus aus der Zechenwohnung, weg von Opa, den sie vor 60 Jahren zufällig an einer Bushaltestelle traf. Sie hätten sich nie gesehen, wenn er nicht von einem anderem Mädchen versetzt worden wäre. Oft hat sie gedacht: „Hätte ich mal den Bus verpasst.“ Jetzt aber will sie Schluss machen. Und Opa, was macht der? Der fährt mal wieder Bus.

„Sehnsucht ist ein Notfall“, meint Sabine Hanich , deren Geschichte Anne Sandfort zur Lesung des Hiltruper Vorleseclubs beisteuerte. Alles drehte sich um Familiengeschichten, weil „sie einfach unerschöpflich sind“, wie Gerda Hegel eingangs anmerkte. Und weil sie einen Blick hinter die Kulissen erlauben. Und weil jeder mitreden und vielleicht auch sagen kann: „Genau wie bei uns.“ Und doch ist bei jedem anders, wie er im Meer des Lebens navigiert.

Auf jeden Fall eignen sich Familiengeschichten als vorzüglicher Unhaltungsstoff und erwiesen sich als keine schlechte Wahl für einen flotten Start ins neue Jahr. Acht Veranstaltungen plant der Vorleseclub in diesem Jahr. Die druckfrischen Heftchen liegen an den üblichen Stellen aus.

„Bei der Mama klingelt der Wecker, beim Papa nicht.“ Peter Härtling erzählt den quirligen Tagesablauf einer fünfköpfigen Familie. Wenn Günter Rohkämper-Hegel liest, wirkt der Text gleich doppelt so amüsant. Hennig Klare hat sich Peter Kurczeks Buch „Vorabend“ geschnappt Im Friseursalon tätschelt der Protagonist den Friseurmädchen gerne den Hintern, weil er ein Anrecht darauf hat, wie er sagt. Er habe schließlich 1,80 Trinkgeld gegeben.

Karin Honermann liest aus „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagigura. Es geht um einen 27-jährigen Mann, der weiterhin zu Hause wohnt und sich von den Eltern sogar die Urlaubsreisen bezahlen lässt. Aber das darf natürlich keiner wissen.

„Es ist nicht mehr das gleiche Feuer in der Stadt“, stellt Gunda Klare fest, als sie Anton Tschechows „Lebende Chronologie“ liest. Gerda Hegel wartet mit einem Text über ein unartiges, wütendes Mädchen auf. Es sind die Memoiren der großen Simone de Beauvoir.

Bei Jurek Becker hat Lucia Wünsch den Text „Beim Wasserholen“ gefunden. Eine junge Polin und ein junger Pole kommen sich in der Nachkriegszeit näher, doch etwas steht zwischen ihnen. Das Mädchen leidet fürchterlichen Hunger. Der junge Mann besorgt ihr rasch ein Brot. „Und dann fingen sie noch einmal von vorne an, sich zu küssen.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5541654?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F138%2F
Kleine Pflaster gegen die Wohnungsnot
 Keine Wohnungen: Studenten beziehen Zelte vor dem SchlossSo ein Aufenthalt im Zelt macht Spaß – solange man nicht dauerhaft darin wohnen muss.
Nachrichten-Ticker