So bunt wie das Leben
Mi., 15.02.2012
„Tun und Lassen“ lautet das Thema des neuen ökumenischen Fastenbreviers
Gemeindevertreter und Mitglieder des Ökumenischen Arbeitskreises aus Münster-Südost präsentieren das neue Fastenbrevier, das ab sofort in den Gemeinden erhältlich ist.
Münster-Südost -
„Tun und Lassen“ lautet das Thema des neuen ökumenischen Fastenbreviers
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Da ist die 17-jährige Schülerin, die für ihre Latein-Klausur „unglaublich viel gelernt hat“ und dann eine fünf schreibt. Sie muss nicht nur mit dieser Enttäuschung fertig werden, sondern auch damit, dass die Lehrerin sie „fertigmacht“. Da ist die 52-Jährige, die „von der Diagnose Krebs völlig aus der Bahn geworfen“ wird. Und der 70-jährige Rentner, der sich mit einem schweren Pflegefall zunächst überfordert fühlt, die neue Aufgabe dann aber doch anpackt. Ganz unterschiedliche Menschen berichten im druckfrischen Fastenbrevier der sechs Kirchengemeinden in Münster-Südost über ihre Schicksale. Eines jedoch ist den insgesamt 36 Texten gemeinsam. Alle lassen sich unter das aktuelle Thema der ökumenischen Broschüre stellen: „Tun und Lassen“.
„Wir haben diesmal sehr lange überlegt, wie unser Oberthema lauten soll“, erläutert Pfarrer Hartmut Hawerkamp von der Friedenskirche in Angelmodde. Er gehört zum Herausgeberteam, das sich aus Mitgliedern der sechs Gemeinden St. Agatha, St. Bernhard, St. Ida, St. Nikolaus, der Friedenskirchen- und der Christuskirchengemeinde sowie des ökumenischen Arbeitskreises der Gemeinden zusammensetzt. Schließlich habe man sich auf das Thema „Tun und Lassen“ geeinigt – und zwar in allen Facetten. „Wir haben uns gefragt, wo das „Tun und Lassen“ im Alltag realisiert wird“, so Hawerkamp. Herausgekommen sind von „Anstrengung und Erfolg“ über Familie, Glauben, „Leiden und Sterben“, Widerstehen bis zu „Liebe und Trennung“ sechs Erfahrungsfelder, die in dem DIN-A5-großen Querformat jeweils eine Woche lang in den Mittelpunkt gerückt werden.
Das Fastenbrevier ist das fünfte seiner Art, das die Gemeinden in Münster-Südost gemeinsam auf die Beine stellen und manifestiert die Lebendigkeit der Ökumene vor Ort. Die Broschüre funktioniert wie das klassische katholischen „Brevier“ (nach dem lateinischen „brevis“, kurz): Für jeden Tag der sechswöchigen Fastenzeit gibt es einen kurzen Text, der als Denk- und Gesprächsanstoß dienen soll. „Es gibt Familien, die diskutieren den jeweiligen Tagestext beim Mittagessen“, weiß Mitorganisatorin Martina Paulus.
Die Autoren stammen aus allen sechs Gemeinden: „Wir haben ganz verschiedene Menschen gebeten, uns persönliche Erfahrungen zum Thema zu schildern“, so Martina Paulus. Das Resultat ist so bunt wie das Leben: Sechs mal sechs Geschichten von Jugendlichen, Männern und Frauen zwischen zwölf und 88 Jahren, die von Urlaub und Sport, von Krankheit und Tod, von Trennung und vom Durchhalten handeln.
„Um die Hemmschwelle für die Veröffentlichung zu senken, sind die Autoren nicht mit Namen genannt, sondern nur nach Alter und Geschlecht codiert“, erklärt Paulus. Erwünscht waren auch kritische Texte, auch Erfahrungen von Menschen, die nicht eng mit der Kirche verbunden sind. An den Sonntagen sind passende Stellen aus der Heiligen Schrift eingefügt, die Jan Schwenke aus St. Agatha ausgewählt hat. „Sie leiten den jeweiligen Wochenschwerpunkt ein und bringen die Stimme der Bibel mit ins Gespräch“, so die Organisatoren.
Ein echter Hingucker ist das Deckblatt des Breviers, das wie das gesamte Layout von Peter und Fabian Paulus stammt: Ein Stück eines farbenfrohen Kreuzes leuchtet auf schwarzem Grund. Pfarrer Klaus Wirth: „Die sechs Regenbogenfarben symbolisieren unsere sechs Gemeinden, und das Kreuz ist das, was unsere ökumenische Bewegung eint.“
► Das Fastenbrevier liegt ab sofort in den Kirchen und Pfarrbüros in Münster-Südost aus und kostet 1,50 Euro.