Mi., 26.01.2011

Kinderhaus Lepramuseum am historischen Ort

Petra Jahnke und Dr. Diederich Winterhoff vor dem Modell des Pfründnerhauses und ehemaligen Leprosoriums der Stadt Münster. Vor 25 Jahren wurde dort das einzige Lepramuseum Deutschlands eröffnet.<beschreibung>Foto: </beschreibung> (mfe)
Von Marion Fenner

Münster-Kinderhaus - Häuser, in denen Leprakranke lebten, gab es im Mittelalter in fast jeder größeren Stadt. Erhalten sind nur wenige. Auch die Geschichte der an Lepra erkrankten Menschen, wie sie lebten und versorgt wurden, ist vielerorts in Vergessenheit geraten. Nicht so in Münster.

Dort gründete sich 1984 die Gesellschaft für Leprakunde (GfL) - auf Initiative des Kinderhauser Arztes und Infektionsspezialisten Dr. Diederich Winterhoff und von Wolfgang Nitsch, dem 1986 verstorbenen Leiter der Aktionszentrale Nordwest des Deutschen Aussätzigen-Hilfswerkes (DAHW), das heute Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe heißt.

„Ich habe einfach ein paar renommierte Ärzte und den Leiter des Uni-Instituts für Geschichte und Medizin, Prof. Richard Toellner, gefragt, ob sie mitmachen“, berichtet Winterhoff. „Und alle haben spontan Ja gesagt.“

Die Intention sei damals gewesen, Ausgrenzung und Diskriminierung, wie sie im Mittelalter durch Lepra oder Pest üblich waren und auch in heutigen Zeiten durch Aids oder soziale Faktoren aktuell seien, in den Mittelpunkt zu stellen.

Schnell sei die Idee entstanden, auch ein Museum einzurichten. Dass das dann im ehemaligen Leprosenhaus klappte, sei mehr als eine glückliche Fügung gewesen. „Wir haben bei der Stadt, die für die Pfründner-Stiftung zuständig war, der das Gebäude damals gehörte, unser Anliegen vorgetragen und durften dann die Räume nutzen und umgestalten.“

Alle Mitglieder und viele Unterstützer hätten tatkräftig mitgeholfen, aus einer Rumpelkammer in einem der ältesten Gebäude Münsters das einzige Lepramuseum Deutschlands zu machen, erinnert sich Winterhoff. „Ich habe meine Mitarbeiter dafür fast versklavt“, sagt er schmunzelnd. Doch keiner habe sich beschwert, alle seien der Gesellschaft bis heute eng verbunden.

Vor 25 Jahren wurde das Museum am Weltlepratag 1986 eröffnet. Erste Exponate gab es aus dem Stadtmuseum, darunter ein Modell des Kinderhauser Leprosoriums aus dem 19. Jahrhundert. Alte Fotos vom Gebäude und der Kirche fand Winterhoff im Nachlass seines Vaters. „Die fielen mir kurz vor der Eröffnung in die Hände.“ Jeder, der irgendetwas hatte, das zum Thema beitragen konnte, gab es der Gesellschaft. Puppen, die wie Leprakranke gekleidet waren, Dokumente und Fotos kamen dazu.

Die Arbeit des Lepramuseums ist immer wissenschaftlich begleitet worden. In der Dokumentationsstelle sind viele Informationen rund um die Krankheit in allen Facetten vom Mittelalter bis heute zu finden.

Diederich Winterhoff übergab den Vorsitz in der Gesellschaft für Leprakunde 1988 an Dr. Ivo Just. Seit fünf Jahren ist Dr. Ralf Klötzer Vorsitzender.

Etwa 2000 Besucher aus aller Welt führt Kustodin Petra Jahnke jährlich durch die historischen Räume. Darunter Experten wie Ärzte aus Indien oder auch Schulkassen aus der Umgebung.

» Zum Weltlepratag wird im Museum im alten Pfründnerhaus, Kinderhaus 15, wie gewohnt eine Sonderausstellung eröffnet. Am Sonntag (30. Januar) ab 12 Uhr geht es dieses Mal um „Lepra in der Literatur“.

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