Permanent unter Druck
Borderline-Selbsthilfegruppe in Kinderhaus: Austausch über positive Strategien

Münster-Kinderhaus -

„Jeden Tag gestresst aufwachen, den ganzen Tag das Gefühl haben, die Arbeit nicht zu schaffen, leicht reizbar zu sein, irgendwie ständig unter Druck zu stehen und diesen kaum mehr auszuhalten.“ Anika Sievers beschreibt die Gefühle, die sie schon seit ihrer Kindheit begleiten. Sie ist am Borderline-Syndrom erkrankt. ­Anika Sievers geht damit offen um: „Ändern kann ich es nicht, aber vielleicht anderen helfen“.

Dienstag, 24.04.2012, 09:04 Uhr

Permanent unter Druck : Borderline-Selbsthilfegruppe in Kinderhaus: Austausch über positive Strategien
Anika Sievers hat eine Borderline-Selbsthilfegruppe gegründet, um sich und anderen zu helfen, mit der Krankheit leben zu können. Foto: mfe

Zum einen will sie über die Krankheit aufklären und andererseits Betroffene unterstützen, damit leben zu können. Deshalb hat sie eine Borderline-Selbsthilfegruppe gegründet. „Die meisten Menschen verbinden Borderline mit Selbst-Verletzung oder Hautritzen. Das gehört bei einigen zu den Symptomen, weil Schmerz manchmal leichter auszuhalten ist als der seelische Druck“, erklärt Anika Sievers . Es sei aber längst nicht bei jedem Erkrankten der Fall, dass er sich ritze. Ein Vorurteil sei, dass vorwiegend Frauen von der Krankheit betroffen seien. „Auch das ist schlicht falsch“, sagt sie, „Männer können genauso daran leiden.“ Sich mit Sport auszupowern oder nur noch Medikamente zu nehmen, sei keine alleinige Lösung, gegen die Krankheit vorzugehen. Es gebe immer wieder Phasen, in denen das auch nicht mehr helfe. Jeder müsse für sich Strategien entwickeln, mit Borderline leben zu können. Und das sei möglich, sagt Anika Sievers, die sich als „Expertin durch Erfahrung“ beschreibt. Wenn sie selbst den Druck nicht mehr aushält, hilft ihr beispielsweise ein ausgiebiger Spaziergang mit dem Hund oder einfach nur einmal ganz bewusst Kaffee zu kochen. Dabei werde jeder Schritt regelrecht inszeniert und intensiv wahrgenommen. „Andere haben andere Strategien entwickelt, über die wir uns in der Selbsthilfegruppe austauchen wollen.“ Nur wer betroffen sei, wisse wie damit umgegangen werden kann. Anika Sievers ist es wichtig, zu betonen, dass die Selbsthilfegruppe keine „Leidensgemeinschaft“ ist, sondern alle dem Leben trotz der Krankheit positiv gegenüberstehen und Wege finden wollen, aus der Isolation – in die die Krankheit fast jeden dränge – herauszukommen. Als „Einzelkämpfer“ sei das deutlich schwerer, ist sich Anika Sievers sicher. Ein weiteres Vorurteil sei übrigens, dass Borderliner nicht beziehungsfähig seien. „Auch das stimmt nicht“, betont sie. „Ich lebe seit vielen Jahren glücklich mit meinem Mann zusammen.“ Die Borderline-Selbsthilfegruppe trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat von 18 bis 20 Uhr in den Räumen der Beratungsstelle „Lebensart“ am Rektoratsweg 40 / Eingang Ecke Kerstingskamp. Die Teilnahme ist kostenlos, Voraussetzung ist allerdings, dass die Borderline-Erkrankung ärztlich diagnostiziert wurde.   | www.bor­derline-muenster.de

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