Mi., 09.08.2017

Arbeiten in der Markuskirche „Orgeln sind lebendig“

Freuen sich über die Arbeit (v.l.): Dagmar Petersen, Presbyter Ulrich Möller und Orgelbauer Uwe Oltmann.

Freuen sich über die Arbeit (v.l.): Dagmar Petersen, Presbyter Ulrich Möller und Orgelbauer Uwe Oltmann. Foto: f

Münster-Kinderhaus - 

25 Jahre sind für eine Orgel noch längst kein Alter. Das Instrument in der Markuskirche wird jetzt aber trotzdem von einem dänischen Orgelbauer auseinandergebaut – und gründlich gereinigt.

Von Anna Spliethoff

Die Markuskirche im Zentrum von Kinderhaus gleicht im Innern derzeit einer Baustelle. Ein kleines Gerüst steht neben der Orgel, auf dem Boden liegen nummeriert und sortiert die Pfeifen des Instruments. Seit 25 Jahren steht die Orgel nun in der Kirche am Idenbrockplatz – jetzt war eine Reinigung mehr als überfällig.

„Die Orgel ist aus dem Jahr 1992“, erklärt Ulrich Möller. Heute ist er Presbyter, als Gemeindemitglied hat er den Aufbau jedoch schon erlebt: „Da war die Kirche noch sehr jung.“ Gebaut wurde das Instrument von der dänischen Firma Marcussen. 313 000 Mark habe sie damals in etwa gekostet, erinnert sich Möller.

Mittlerweile hat sich der Staub von 25 Jahren auf den Orgelpfeifen und den Registern – also den Holzzügen, die Tasten und Pfeifen verbinden – niedergelegt. Damit die Orgel zum Reformationsjubiläum im Oktober wieder richtig gut klingt, wird jetzt fleißig gewerkelt.

Dafür ist Uwe Oltmann extra aus Dänemark angereist. Der Orgelbauer übt seinen Beruf schon seit 31 Jahren aus – und ist noch immer begeistert. „Es ist vor allem das Handwerk, was mich daran fasziniert“, sagt er. „Bei uns ist das noch keine Industrie.“

Jede der über 900 Orgelpfeifen baut Oltmann aus dem Instrument aus. Da gilt es vor allem, den Überblick zu behalten. „Ich nummeriere die Pfeifen und sortiere sie auch“, sagt Oltmann. „Ansonsten ist es fast unmöglich, die Orgel wieder richtig zusammenzubauen.“

Fotostrecke: Ungewohnte Einblicke: Die Orgel der Markuskirche wird gereinigt

Jede Pfeife – bestehend aus Zinn – wird einzeln und in Handarbeit gereinigt. „Damit vergehen viele Stunden“, sagt der Orgelbauer. Von morgens um sieben bis abends um sieben Uhr sei er in der Markuskirche am Werk. Doch die Arbeit sei wichtig, sagt er. Vor allem das Holz benötige Pflege, so Oltmann: „Orgeln sind lebendige Instrumente. Sie verändern sich stetig.“

Für die Reinigung braucht Uwe Oltmann nicht viele Hilfsmittel: „Einen Staubsauger und einen Pinsel.“ Mit dem Pinsel wird der Staub aus dem Innern der Pfeife geholt, der Sauger zieht die feinen Teilchen direkt ein. Am Ende nimmt Uwe Oltmann noch ein Tuch zur Hand. Auch der Korpus der Orgel wird ausgesaugt. Wichtig ist, bei der gesamten Arbeit Handschuhe zu tragen, sagt der Spezialist: „Fingerabdrücke auf Orgelpfeifen, das ist nicht gut.“

Knapp drei Wochen wird Uwe Oltmann mit der Arbeit beschäftigt sein, gestartet ist er am Montag. Am Ende werden die Register neu justiert, die Orgel wird gestimmt. „Wir freuen uns schon auf unser nächstes Konzert“ sagt Dagmar Petersen. Als Vorsitzende des Vereins „Markus, Konzert und Kultur“ ist sie für musikalische Veranstaltungen zuständig. Gerade da spiele die Orgel natürlich oft eine wichtige Rolle, so Petersen.

Für Ulrich Möller hat die Marcussen-Orgel in der Markusgemeinde – die Ähnlichkeit im Namen sei völliger Zufall, sagt er – eine besondere Bedeutung: „Die Gemeinde hat sich in 25 Jahren sehr mit der Orgel identifiziert.“ Das Instrument habe bei vielen Gemeindemitgliedern einen hohen Stellenwert, auch wenn sie „eine eher kleine Orgel“ sei. Ein Grund dafür sei, dass sich viele Spender finanziell an der Anschaffung beteiligt hatten, so Möller. Dem Presbyter ist vor allem ein Gedanke wichtig: „Das ist nicht irgendeine Orgel. Denn jede ist ein Unikat.“

Die Kosten für die Reinigung betragen knapp 13 000 Euro. Finanziert wird das durch eine Fundraising-Aktion, die schon im vergangenen Jahr stattgefunden hat. „Den Rest beziehen wir aus Rücklagen“, so Möller.

Alle Gemeindemitglieder haben am Montag (14. August) um 15 Uhr die Gelegenheit, sich die Arbeiten von Uwe Oltmann in der Kirche anzusehen.

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