Kochzeit
„Zurbian“ mit Hähnchenkeulen

Münster-Kinderhaus -

In der Serie Kochzeit serviert Nada Ali aus dem Jemen „Zurbian“ mit Hähnchenkeulen.

Montag, 01.01.2018, 17:01 Uhr

„Zurbian“ bereitet Nada Ali aus dem Jemen zu. Serviert wird das Gericht mit einem Schälchen scharfer „Bisbas“-Paste. Glimmende Holzkohle verleiht der Speise ein besonderes Aroma.
„Zurbian“ bereitet Nada Ali aus dem Jemen zu. Serviert wird das Gericht mit einem Schälchen scharfer „Bisbas“-Paste. Glimmende Holzkohle verleiht der Speise ein besonderes Aroma. Foto: jans

In der Küche kommt man leicht ins Gespräch. Man redet über Rezepte, aber auch über vieles andere. In unserer Serie schauen wir Menschen über die Schulter, die Leckeres zubereiten, stellen ihre Geschichte und Geschichten vor – und liefern natürlich ein Rezept.

Es geht blitzschnell: Nada Ali nimmt den schwarz-rot glimmenden Würfel von der heißen Herdplatte, setzt ihn in ein feuerfestes Gläschen, das sie in die oberste Reisschicht drückt und hebt dann den durchsichtigen Deckel zurück auf den Kochtopf. Über dessen Inhalt verteilt sich aromatischer Rauch.

Die junge Frau aus dem Jemen hat zur Verfeinerung eines heimatlichen Gerichts benutzt, was deutsche Griller eher unter dem Rost kennen: Holzkohle. Bevor Nada Ali den Gästen des Frauencafés im Begegnungszentrum Freiraum „Zurbian“ auftischt, holt sie das Gläschen mit der glimmenden Kohle fix aus dem Topf. Dann freuen sich zehn Frauen über ein mit vielen Gewürzen abgeschmecktes Gericht aus Reis, Kartoffeln, Zwiebeln und Hähnchenkeulen.

Damit das Essen schneller auf den Tisch kommt, hatte die Köchin zu Hause schon die Kartoffeln gekocht und dann im Stück in Öl angebraten. Ebenfalls vorher angebraten wurden Zwiebelringe und die mit Joghurt und Ingwer marinierten Hähnchenkeulen. In der Café-Küche rührt sie dann zunächst in zwei großen Töpfen. In einem kocht der Reis. Kardamom, Zimt, Nelken und Salz im Kochwasser geben ihm sein spezielles Aroma. Abgeschmeckt mit der aus Pfeffer, Paprika, Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom, Muskatnuss und Zimt bestehenden Gewürzmischung „Baharat“ brutzeln in einem zweiten Topf in Speiseöl zunächst die Kartoffeln, Knoblauchstücke und Zwiebeln. Später gibt Nada Ali die Hähnchenkeulen dazu.

„Ich möchte studieren“, sagt sie und rührt weiter, „im Jemen, nicht hier“. Psychologie ist ihr Wunschfach. Aber dieser Traum wird sich für die Frau kaum erfüllen. Der Jemen ist ein vom Bürgerkrieg zerrissenes Land. Die Lehrerin an einer Privatschule hatte 2000 gerade die Zulassung zur Universität erhalten, als mit ihrem damaligen Mann und ihren Kindern fliehen musste.

Im Winter kam die Familie nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Es war kalt, aber Nada Ali findet noch heute: „Das ist besser als warm.“

Zunächst wohnte die Familie in Warendorf. „Richtig nett“ sei es dann aber nach einem Umzug auch in Freckenhorst gewesen.

Seit 2011 lebt Nada Ali mit ihren vier Kindern in Kinderhaus. Dort gefällt es ihr, allerdings hätten die Kinder mehr Kontakte in die alte Heimat Freckenhorst. „Es gibt mehr Freiheit in Deutschland“, findet die Jemenitin. Und: „Die Frauen haben viele Rechte.“ Nada Ali ist heute Hausfrau, sucht Arbeit und unterrichtet im Auftrag des Fördervereins Arabische Sprache Kinder. Den Kontakt zu Verwandten im Jemen halte sie per Handy, so die Jemenitin sorgenvoll.

Und schon ist wieder volle Konzentration am Herd gefragt. Der Reis wird zu Fleisch und Kartoffeln geschüttet, der „Holzkohle-Trick“ präsentiert und anschließend wird serviert. Nun duftet „Zurbian“ auf den Tellern. Dazu reicht Nada Ali „Bisbas“, eine salzig-scharfe Würzpaste.

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