Karneval und Kirche
Des Pfarrers neue Kleider

Münster-Kinderhaus -

Der Begriff „Karneval“ leitet sich vom italienischen „carnevale“ ab und ist in Deutschland erstmals 1699 belegt. Es lässt sich auf das lateinische „carnelevale“ („Fleischwegnahme“) zurückführen. Hier wird bereits der Bezug zur Kirche deutlich, da auf den Verzicht von Fleisch während der Fastenzeit verwiesen wird. Ohne die Fastenzeit gibt es also auch keinen Karneval. Und somit gehören Karneval und Kirche zusammen. Nicht nur in Köln, sondern auch in Kinderhaus und Sprakel.

Mittwoch, 07.02.2018, 04:02 Uhr

Nach dem Dschungelcamp ist vor dem Dschungelcamp: Täuschend echt sind die Karnevalskostüme von Pfarrer Ulrich Messing.
Nach dem Dschungelcamp ist vor dem Dschungelcamp: Täuschend echt sind die Karnevalskostüme von Pfarrer Ulrich Messing. Foto: Peter Sauer

Wenn man in diesen Tagen das Pfarrhaus an der Kristiansandstraße betritt, kommt auch ohne Schunkelmusik sofort Stimmung auf, denn Fenster, Türen und Wände sind kunterbunt geschmückt – ganz passend zur fünften Jahreszeit.

Das ist kein Wunder, denn Pfarrer Ulrich Messing hat einfach das Karnevalsgen im Blut. Der 52-Jährige hat in seinem Büro sogar einen eigenen Kostümfundus, um immer wieder in neue Rollen zu schlüpfen.

Ob als Bewohner des TV-Dschungelcamps, sterbender Schwan (extra im Fachhandel erworben), Swinging-Sixties-Mitglied, als Schlafwandler, Arzt oder ganz klassisch als Clown: für jede Büttenrede wirft sich der Pfarrer von St. Marien und St. Josef im Laufe der Jahre ein anderes Kostüm über, auch für seine Tanzeinlagen: „Ich finde es wichtig, anderen Menschen eine Freude zu bereiten und zusammen fröhlich zu feiern – auch um Alltagssorgen für einen Augenblick zu vergessen.“

Das kommt bei vielen Mitgliedern de Gemeinde gut an. Es gibt aber auch Kritiker, die es nicht in Ordnung fanden, als Messing zum Beispiel im Schwanen-Kostüm auftrat. „Die fragten kritisch, ob dies eines Pfarrers würdig sei, oder auch als ich als Haushälterin Lisbeth auftrat, ein katholischer Pfarrer, verkleidet als Frau – geht das, darf das?“

Aber solche Kritik bringt den jecken Pfarrer nicht aus der Spur. „Bevor die Fastenzeit beginnt, kann man sich zu Karneval noch einmal so richtig des Lebens erfreuen, bevor wir uns auf Ostern vorbereiten und die Freuden des Lebens sind bekanntlich sehr bunt.“

Zumal Karneval schon seit Kindertagen zu Ulrich Messings Leben gehört. Sein Vater war Schneider. Schon als Zweijähriger trug Ulrich Messing stolz ein Clownskostüm. „Meine Eltern gehen auch heute noch, hoch betagt, in meiner Geburtsstadt Bocholt regelmäßig zum Rosenmontagszug.“

Bei aller Vielzahl an Verkleidungen – der Pfarrer besitzt zudem vier Perücken und jede Menge Stofftiere – liebt es Ulrich Messing in die Rolle der (fiktiven) Haushälterin Lisbeth zu schlüpfen: „Mein Lisbeth-Kostüm besteht aus Sachen aus der Kleiderkammer. Ich will auch damit zeigen, wie qualitativ gut der Fundus der Kleiderkammer ist.“

Kultcharakter hat inzwischen seine Karnevalsmesse voll im Kostüm in der voll besetzten Elisabethkirche in Rheine. Da nennt man Messing aufgrund seines großen Talents für Stimmung zu sorgen einfach nur „Raketen-Uli“: „Ich predige in Versform.“

Verkleidet als Nikolaus war er auch beim Bischof Felix Genn – als dieser für seinen Friedenseinsatz gewürdigt wurde.

Auch beim Straßenkarneval mischt Ulrich Messing munter mit. So fuhr der 52-Jährige beim Sprakeler Umzug auf dem Wagen von KIG-Prinzessin Michi I. mit, die zum Kita-Team gehört. Rosenmontag wird er als Mitglied der KG Freudenthal wie immer auf dem Sentenzbogen des Stadtweinhauses stehen und dem Lindwurm der Freude zuwinken.

In beiden Fällen verzichtet der Kinderhauser dann aber auf bunte Verkleidung – aus gutem Grund: „Ich friere schnell. Und die Kostüme sind ja eher sehr dünn.“ Stattdessen greift er in seine beachtliche Hutsammlung. „Ich setze dann extra einen besonderen Hut auf, an dem Platz für alle Wimpel, Anstecker und Orden ist.“

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