Weiberfastnacht im Pfarrzentrum
Kein Schlips bleibt verschont

Münster-Kinderhaus -

Mit Komplimenten an die Sprakeler Prinzessin Michi I. versuchte Pfarrer Ulrich Messing seinen Schlips zu retten. Doch die Frauen hatten kein Erbarmen.

Donnerstag, 08.02.2018, 19:02 Uhr

Keine Gnade: Pastoralreferentin Myriam Höping (l.) und die Sprakeler Prinzessin Michi I. schnitten Pfarrer Ulrich Messing den Schlips ab. Dafür kamen auch gleich zwei Scheren zum Einsatz.
Keine Gnade: Pastoralreferentin Myriam Höping (l.) und die Sprakeler Prinzessin Michi I. schnitten Pfarrer Ulrich Messing den Schlips ab. Dafür kamen auch gleich zwei Scheren zum Einsatz. Foto: sn

„Es ist 11.11 Uhr, und mein Schlips ist noch dran!“, jubelte Pfarrer Ulrich Messing am Donnerstagmorgen. Nanu, sollten etwa alle karnevalistischen Gesetze in Kinderhaus außer Kraft getreten sein? Da hatte der Geistliche die Rechnung ohne die Sprakeler Prinzessin Michi I. gemacht. Die kam nämlich kurzerhand mit einer großen Schere.

„Wir haben uns alle extra schöne Schlipse ausgesucht“, sprach Messing im Namen der Herren der Schöpfung. Die hatten sich durchaus in ansehnlicher Zahl zum Frauenkarneval der Gemeinde St. Marien und St. Josef getraut. Und das an Weiberfastnacht . Sie hätten es wissen müssen, was nun folgen sollte.

Um Pfarrer Messing war es auf jeden Fall schnell geschehen. Dabei hatte er noch versucht, sich bei der Regentin aus Sprakel einzuschmeicheln. „Ne, wat biste schön!“, fing er lauthals an zu singen. Das erinnerte ein wenig an Kölner Karneval , die Reihen im St. Josef-Pfarrzentrum fingen an zu schunkeln. Doch Michi I. ließ sich davon nicht erweichen.

Und sie fand schnell eine Verbündete. Nämlich Pastoralreferentin Myriam Höping, die – rein zufällig – auch eine Schere mit dabei hatte. Da hatte der Geistliche Pech gehabt, denn so ging es dem Schlips von Pfarrer Messing gleich von zwei Seiten an den Kragen. Schnipp, schnapp, da war er ab. Der Pfarrer nahm es gelassen. Es sollten außerdem noch einige andere Herren folgen, so auch von der KIG Sprakel. Die Weiber kannten an diesem Morgen einfach kein Erbarmen.

Im gut gefüllten St.-Josef-Pfarrheim stieg die Laune zusehends. „Ich komme hier jedes Jahr hin“, meinte eine bunt verkleidete Dame, die als Clown zu identifizieren war: „Die denken sich hier immer eine Menge aus.“ Kein Wunder, haben die Frauen in St. Marien und St. Josef doch jede Menge Erfahrung in Sachen Karneval. „Wir feiern hier schon ewig unseren Frauenkarneval“, erklärte etwa Gabi Drube-Winter vom Organisationsteam. Die sich freuen konnte: Alles lief wie am Schnürchen. Sie selbst hatte auch noch eine Bühnenaufgabe zu erledigen. Mit sieben anderen Frauen der kfd St. Josef, die in samtene Nachthemden gekleidet waren, führte sie vor, was „Sparmaßnahmen im Altersheim“ zur Folge haben. Eine Performance mit Pointen und zugleich zum Nachdenken. „Wir haben zweimal vorher geprobt“, sagte Drube-Winter. Da konnte nichts mehr schiefgehen. Der Applaus war garantiert.

Die Männer boten auch einiges. So präsentierte sich Pastoralreferent Martin Grünert als „Bänkelsänger von Kinderhaus“, und Pfarrer Ulrich Messing zeigte, wie Haushälterin Lisbeth sich in einen „sterbenden Schwan“ verwandelte. Auch das kam beim Publikum bestens an. Es scheint, als hätte es sich gelohnt, in dieser Session einmal etwas ganz anderes zu wagen: weg von der Büttenrede, hin zur karnevalistischen Show.

Für flotte Musik zwischendurch sorgte schließlich DJ Ulli. Bilanz des Tages: Kein Schlips blieb heil, was der guten Laune keinen Abbruch tat. Typisch Weiberfastnacht.

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