Sonderführung im Heimatmuseum Kinderhaus
Ausflug in die Schulgeschichte

Münster-Kinderhaus -

In unregelmäßigen Abständen bietet das Heimatmuseum Kinderhaus Sonderführungen an. Diesmal ging es um die Kinderhauser Schulgeschichte: Sie beginnt im Jahr 1634.

Montag, 05.03.2018, 17:03 Uhr

Christopher Görlich (l.), zweiter Vorsitzender der Bürgervereinigung Kinderhaus, bot eine Sonderführung zur Kinderhauser Schulgeschichte an. Unter seinen Zuhörern befanden sich sogar ehemalige Schüler der Waldschule.
Christopher Görlich (l.), zweiter Vorsitzender der Bürgervereinigung Kinderhaus, bot eine Sonderführung zur Kinderhauser Schulgeschichte an. Unter seinen Zuhörern befanden sich sogar ehemalige Schüler der Waldschule. Foto: Reinhold Kringel

Nicht nur der stellvertretende Vorsitzende der Bürgervereinigung Kinderhaus, Dr. Christopher Görlich, konnte etwas zur Geschichte der Kinderhauser Schule erzählen, sondern auch einige Besucher der Sonderführung im Heimatmuseum.

So war zum Beispiel der Enkel des ehemaligen Lehrers Josef Beckmann, nach dem auch die Straße in Kinderhaus benannt ist, anwesend und eine ehemalige Schülerin, die 1961 aus der Schule entlassen worden war. Sie hatte ihre Schulzeit in dem ältesten durchgängig und immer noch für schulische Zwecke genutzten Schulgebäude Deutschlands verbracht. In dem ehemaligen Klassenraum wird heute noch Werkunterricht gegeben, und der Hausmeister der Waldschule wohnt im anderen Teil des historischen Gebäudes.

Über die Historie konnte Christopher Görlich nach intensivem Quellenstudium folgendes berichten: Die Schulgeschichte begann im Jahr 1634. Werner Brockschmidt, der damalige Rektor von Kinderhaus, verfasste sein Testament. Er stiftete einen Teil seines Vermögens für die Bezahlung eines Vikars. Er stiftete die Stelle als „Vicaria in sanguine“, als sogenannte „Blutsvikarie“: Es sollten nur Verwandte des Stifters und ihre Nachkommen die Stelle besetzen dürfen. Nach dem Tod des Stifters wurde Arnold Brockschmidt 1648 der erste Vikar der Stiftung.

Die Zinsen des Stiftungsvermögens waren allerdings so gering, dass er sich keine Wohnung in Kinderhaus leisten konnte und nur mehrmals die Woche zur Erfüllung seiner geistlichen Pflichten von Münster nach Kinderhaus kam. Den Unterricht überließ er dem Küster von St. Josef für eine geringe Entlohnung.

Erst 1672 kam Bewegung in die Angelegenheit, als Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen Kinderhaus besuchte. Der Rektor Heinrich zum Daell berichtete seinem Landesherrn über die üble Lage und bat um die Genehmigung zum Bau eines Hauses. Der Fürstbischof reagierte positiv, denn er musste das Land nach den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges wieder aufbauen. 1675 erließ er eine erste Schulordnung, in der auch eine Schulpflicht vorgesehen war.

Der letzte Inhaber der Stelle, Schulvikar Mutert, starb 1807. Die napoleonischen Kriege und der Zusammenbruch der Wiener Bank, bei der der größte Teil des Stiftungskapitals angelegt war, führten zu einem Versiegen der Zinsquelle. Die Abwicklung dauerte bis 1832, wobei die Kinderhauser Schule nun einer staatlich-städtischen Verwaltung unterstellt wurde.

Nach den preußischen Schulreformen wurden die Lehrer vom Staat bezahlt. Aber sie waren oft auch Küster in der Kirche, spielten die Orgel und leiteten den Chor. Die Volksschulen hatten acht Klassen, die oftmals in einem großen Raum unterrichtet wurden.

Bis in die 1960er-Jahre wurden bis zu 132 Schüler in dem Kinderhauser Schulraum unterrichtet, berichtete der Kinderhauser Historiker Christopher Görlich.

Dann erzählte die alte Dame von ihrer Schulzeit in der Kinderhauser Schule. Auch die anderen Besucher steuerten ihre Kindheitserinnerungen bei und Görlich hörte zu. Für ihn waren das quasi neue Quellen zur Schulgeschichte.

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Das Heimatmuseum, Kinderhaus 15, ist sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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