Sonderführung im Heimatmuseum
Winde mit eisernen Klammern

Münster-Kinderhaus -

Das alte Winderad des Pfründnerhauses war Thema der Sonderführung der Bürgervereinigung. Walter Schröer stellte es interessierten Besuchern vor.

Montag, 14.05.2018, 10:05 Uhr

Das manuelle Winderad im alten Pfründnerhaus funktioniert auch nach Jahrhunderten noch. Der Blick aus dem Ausbau fällt auf die Waldschule. Unterm Dach des Speichers befindet sich das alte Schwungrad (kl. Bild).
Das manuelle Winderad im alten Pfründnerhaus funktioniert auch nach Jahrhunderten noch. Der Blick aus dem Ausbau fällt auf die Waldschule. Unterm Dach des Speichers befindet sich das alte Schwungrad (kl. Bild). Foto: Claus Röttig

Besucher können den kleinen Eimer, der vor der Dachgaube am Heimathaus baumelt, schnell übersehen. Dabei kommt dem Winderad, das bis heute seinen Dienst verrichtet und an dem der Eimer baumelt, eine besondere Bedeutung zu: Laut Walter Schröer, Vorsitzender der Bürgervereinigung Kinderhaus, ist es wohl das einzige noch funktionsfähige, manuelle Winderad Münsters.

Dass man aber noch mehr Technik braucht, um Lasten auf den Speicher zu transportieren, erklärte Schröer bei einer Sonderführung unter das Dach des Hauses.

„Normalerweise ist der Speicher für Besucher nicht zugänglich”, erklärte Schröer. Denn wegen der Höhe sei schon manchem schwindelig geworden. Doch wer die Treppen bis in den Speicher hochstieg, konnte eine ungewöhnliche Konstruktion bestaunen. Denn die Achse unter der Gaube mit dem Rad ist nur ein kleiner Teil der Konstruktion. Im Gebälk des Pfründnerhauses ist ein großes Schwungrad eingebaut, mit dessen Hilfe wirklich schwere Lasten relativ leicht angehoben werden können. Ein Seil wickelt sich langsam bei jeder Drehung von der Achse. Eiserne Klammern, an denen der Zahn der Zeit schon genagt hat, halten das Antriebsseil in der Spur. Walter Schröer vermutet, dass das Winderad aus der Ursprungszeit des Hauses stammt, das 1671 fertig geworden war.

„Früher waren solche Konstruktionen sehr gängig, man fand sie sogar auf dem Prinzipalmarkt”, erzählte Schröer. So habe man sich den umständlichen Weg durch das enge Treppenhaus gespart. „Dieses Haus wurde vor 300 Jahren als Armenhaus genutzt: Jeder der Bewohner hatte einen kleinen Verschlag auf dem Speicher für die Habseligkeiten.”

Auch Jahrhunderte später wurde noch Schwerlastgut unter dem Dach gelagert: „Das Brennmaterial wurde auf den Speicher geschafft.” Im vorigen Jahrhunderts sei dort oben beispielsweise Kohle gelagert worden. Das sei zwar sehr praktisch gewesen, doch auch gefährlich. „Im Jahr 1923 kam ein Junge sogar zu Tode”, sei ihm berichtet worden, sagte Schröer. Der Junge habe sich zu weit aus der Tür des Ausbaus gelehnt und sei abgestürzt.

Ohne Pflege funktioniert die Konstruktion nicht: „Wir haben das kleine Rad draußen wieder gangbar gemacht und mussten auch das Seil austauschen, denn es war morsch”, so Schröer. Erich Welling hatte seinerzeit ein neues Seil gespendet.

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