Gesellschaft für Leprakunde
Einblick in die aktuelle Forschung

Münster-KinderHaus -

Bei der mittlerweile neunten Tagung der Gesellschaft für Leprakunde gab es wieder interessante Vorträge zu der chronischen Infektionskrankheit Lepra. Fachleute gaben Einblick in ihre aktuellen Erkenntnisse.

Montag, 16.07.2018, 18:32 Uhr

Ralf Klötzer zeigt auf ein neues Ausstellungsstück des Kinderhauser Lepra-Museums: die Reproduktion eines Gemäldes aus dem Landesmuseum mit der Darstellung der Heiligen Elisabeth und der Heiligen Gertrud.
Ralf Klötzer zeigt auf ein neues Ausstellungsstück des Kinderhauser Lepra-Museums: die Reproduktion eines Gemäldes aus dem Landesmuseum mit der Darstellung der Heiligen Elisabeth und der Heiligen Gertrud. Foto: rkr

Bei der mittlerweile neunten „Kinderhauser Tagung“ der Gesellschaft für Leprakunde konnte der Vorsitzende Dr. Ralf Klötzer etliche Referenten und Tagungsteilnehmer begrüßen: Petra Bernicke aus Essen referierte über den ambivalenten Status von Leprakranken im Mittelalter unter dem Titel: „Privilegierte arme Kinder Gottes oder Ketzer?“. Und Sissie-Carlotta Hilgen­stein aus Berlin berichtete von ihren Forschungen in den Archiven des Vatikans zu „Lepra in spätmittelalterlichen Gesuchen an den Papst“.

In den stark dezimierten Aufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert fand Hilgen­stein sechs Leprafälle von Betroffenen aus Deutschland. In lateinischer Sprache und mit Abkürzungen wurden hier die Entscheidungen des Papstes festgehalten. In den von ihr gefundenen Fällen ging es meistens um die Gültigkeit eines Eheversprechens oder einer Ehe zwischen einem Leprakranken und einem Gesunden, was seinerzeit weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen hatte.

Vor der Mittagspause führte Petra Jahnke die Tagungsteilnehmer in die St.-Josefs-Kirche, über das Gelände und ins Lepra-Museum. Sie informierte in anschaulichen Worten über das Leben und Leiden der mittelalterlichen Leprakranken, die erstmal nach Köln reisen mussten, um eine Diagnose ihrer Krankheit zu bekommen. Ein Holzschnitt aus dem Jahre 1517 zeigt diese Prozedur. Danach konnten sie ins Leprosenhaus in Kinderhaus einziehen und wurden dort versorgt, wenn sie Bürger der Stadt Münster waren.

Andrea Jessen aus Tamm referierte nach dem Mittagessen über den „Aussatz in deutschsprachigen medizinischen Schriften der Frühen Neuzeit“. Anschließend berichteten Mathias Schmidt und Saskia Wilhelmy aus Aachen über Jack Londons Buch „Reise mit der Snark“ und die Leprakolonie auf Molokai (Hawaii). Das Buch beruht auf Tatsachen: Der Schriftsteller Jack London startete 1907 mit dem eigens gebauten Schiff „Snark“ von den USA aus zu einer Reise in die Südsee. Dabei besuchte er auch die Leprakolonie auf Hawaii.

Zum Abschluss berichtete Ralf Klötzer über die DAHW-Aktionsgemeinschaft von den Anfängen 1957 in Würzburg bis in die Gegenwart. 1967 war die Aktionszentrale Nord-West in Soest gegründet worden, die die Gruppen in Norddeutschland betreute. 1988 wurde sie nach Münster verlegt. Sie organisierte die ehrenamtlichen Helfer in den Kirchengemeinden und leitete die Spenden, die vor allem auf den Weihnachtsbasaren gesammelt worden waren, zur Zentrale nach Würzburg weiter. Dieter Stockhausen war seit 1973 für diese Aufgabe verantwortlich und hat die Verantwortung 2018 an seinen Nachfolger Ralf Klötzer übertragen.

„Ich bin der Sprecher der Aktionsgemeinschaft Münster und stelle Kontakte her“, sagte Klötzer. „Zum Beispiel zu Oberbürgermeister Markus Lewe, der unser Schirmherr ist.“ Auch bei Problemen bei der Vergabe von Standplätzen, Räumlichkeiten und Genehmigungen sei Münsters Oberbürgermeister ein wichtiger Ansprechpartner, der oftmals weiterhelfen könne.

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