Weltreisende legen Zwischenstopp zu Hause ein
"Sonst hätten wir das ewig bereut"

Im April waren Magda Mayerhoffer und Manu Winkler aus Münster mit dem Fahrrad zur großen, mehrjährigen Weltreise aufgebrochen. Mitte August allerdings steigen sie in Georgien in den Flieger zurück nach Deutschland...

Samstag, 21.07.2018, 15:58 Uhr

Weltreisende legen Zwischenstopp zu Hause ein: "Sonst hätten wir das ewig bereut"
Ein magischer Moment: Dutzende Heißluftballone steigen in Kappadokien (Zentraltürkei) in den Himmel, um die außergewöhnlichen Gebirgsformationen, die auch „Feenkamine“ genannt werden, von oben zu betrachten. Foto: manuandmagda.com

Kopfüber und mit vollem Herzen haben sich Magda Mayerhoffer und ihr Freund Manu Winkler ins Abenteuer gestürzt. Mitte April haben sich die beiden 27-Jährigen in Münster auf den Weg gemacht, um die Welt zu erkunden - ausgerüstet nur mit Fahrrädern, leichtem Gepäck und einem Mini-Budget von 15 Euro am Tag. Inzwischen haben sie schon mehrere tausend Kilometer in den Beinen und zehn Ländergrenzen überquert.

Nächstes Ziel ist Georgien. Dort allerdings wird das Paar unplanmäßig in den Flieger steigen. Unser Redakteur Carsten Voß hatte Gelegenheit, mit den Weltenbummlern am Telefon zu sprechen: über putzige Fische, Schüsse in der Nacht - und den Grund für den Rückflug nach Deutschland.

Münsteraner radeln um die Welt

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  • Wer sein Rad liebt, der schiebt – auch solche Momente gehören auf einer Weltreise mit dem Fahrrad dazu.

    Foto: manuandmagda.com
  • Zehn Grenzen haben Magda Mayerhoffer und Manu Winkler schon überquert – hier die nach Serbien.

    Foto: manuandmagda.com
  • Unterwegs suchen die Weltreisenden immer wieder Kontakt zu Schulen, um von ihrem Abenteuer zu berichten und den Kindern die Welt näherzubringen.

    Foto: manuandmagda.com
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  • Spannende neue Begegnungen.

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Bis Georgien werdet Ihr 5800 Kilometer in vier Monaten geradelt sein. Das ist eine stolze Leistung, aber eigentlich noch keine Weltumrundung.

Magda (lacht): Stimmt. Aber wir sind mit der Reise ja auch noch nicht fertig, wir unterbrechen sie nur. Anders als ursprünglich geplant, haben wir uns entschlossen, zur Hochzeit von Manus Bruder zu fliegen. Wir haben in den vergangenen Wochen einfach gemerkt, wie schade es wäre, das zu verpassen.

Manu: In fünf oder in zehn Jahren wird es niemanden mehr interessieren, ob wir unsere Weltreise unterbrochen haben, aber wir hätten vielleicht ewig bereut, bei der Hochzeit nicht dabei gewesen zu sein.

Wie lange werdet Ihr in Deutschland sein - und wie geht es danach weiter?

Magda: Wir bleiben zwölf Tage und steigen in Georgien dann wieder exakt an der Stelle ein, an der wir die Reise unterbrechen werden. Die Räder und das Gepäck lassen wir an Ort und Stelle.

Manu: Die Flüge sind gebucht, aber bis zum Flughafen Kutaisi in Georgien sind von hier aus auch noch mehr als 1000 Kilometer zu radeln. Nach unserem Zwischenstopp geht’s dann runter in den Iran, weiter über Dubai in den Oman. 

Wo seid Ihr aktuell?

Magda: In der türkischen Region Kangal. Hier gibt es Putzerfische in heißen Quellen, die sich regelrecht  auf einen stürzen. Viele Menschen mit Hautkrankheiten kommen hierher, um sich von diesen Fischen beknabbern zu lassen. Das soll sehr heilsam sein.

Manu: Weiter geht’s dann durch die Berge, nicht an der Küste entlang, Richtung Georgien. Wir versuchen, fast nur kleine Straßen zu nutzen, um Verkehr zu vermeiden. Allerdings kommen da auch viele anstrengende Steigungen auf uns zu. 

Sind das die Momente, in denen Ihr das Radfahren hasst?

Magda (lacht): Ich hasse manchmal das Wiederaufsteigen, den ersten Kontakt mit dem Sattel am Morgen. Aber auf keinen Fall das Radfahren. Gestern hatte ich nach einer viertägigen Zwangspause wegen eines Magen-Darm-Infektes wieder richtig Lust darauf.

Stellt sich nach jetzt mehr als 100 Tagen so etwas wie Alltag ein?

Magda: Es stellen sich Routinen ein, aber kein Alltag. Dafür passiert jeden Tag so viel Überraschendes und Unerwartetes.

Manu: Wir radeln hier nicht nur unsere Kilometer herunter, sondern lassen uns immer wieder auf Neues ein und ändern dann auch spontan unsere Pläne.

Magda: Wir hatten aber auch unsere Tiefpunkte, definitiv - allen tollen Landschaften und Begegnungen mit Menschen zum Trotz…

Manu: …und wenn man 100 Tage nonstop aufeinanderhängt, ist es auch kein Wunder, dass man sich hin und wieder gegenseitig auf den Keks geht (lacht) 

Magda Mayerhoffer und Manu Winkler aus Münster planen Weltreise mit dem Fahrrad

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  • Einmal um die ganze Welt: Allein mit dem Rad wollen Magda und Manu (27) rund 40 000 Kilometer zurücklegen, weitere 10 000 bis 15 000 mit Segelschiffen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ein Jahr hat Manu auf Fuerteventura als Surflehrer gearbeitet, Magda ist gerade dabei, ihren Surflehrer-Schein zu machen. Wo nötig und möglich, planen die beiden auf der Weltreise zu arbeiten. Vielleicht stoßen sie dabei auch auf ihr ganz persönliches Suf-Paradies.

    Foto: privat
  • Besondere Reise-Erfahrungen haben die beiden Münsteraner schon in der Vergangenheit gemacht. Einmal fuhren sie mit den Rädern über die Alpen von Münster nach Venedig.

    Foto: privat
  • Das Fahrrad war auch in der Vergangenheit fast immer dabei – hier auf der Kanaren-Insel Fuerteventura.

    Foto: privat
  • Manu mit Surfbrett und Fahrrad auf Fuerteventura, wo er ein Jahr lang als Surflehrer gearbeitet hat.

    Foto: privat
  • Eine Szene aus einem Sardinien-Urlaub. Auch auf der Weltreise wollen Magda Mayerhoffer und Manu Winkler die großen Städte meiden, lieber die Schönheiten der Natur genießen.

    Foto: privat
  • Abenteuerlustig waren sie schon immer – jetzt allerdings brechen Magda Mayerhoffer und Manu Winkler zum größten Abenteuer ihres Lebens auf.

    Foto: privat

Was waren bislang die schönsten Momente auf der Reise?

Magda: Abends, wenn wir im Zelt liegen und über all das nachdenken, was uns der Tag an besonderen und skurrilen Situationen beschert hat, müssen wir immer sehr lachen. Das ist einfach schön.

Manu: Wenn man Orte oder Länder erreicht, auf die man hingefiebert hat, sind das immer wieder tolle Momente…

Magda (euphorisch): …in Kappadokien zum Beispiel (Anmerkung d. Red.: Region in der Zentraltürkei, u.a. für Gesteinsformationen bekannt, die „Feenkamine“ genannten werden), wo morgens unzählige Heißluftballons in den Himmel stiegen, war es noch viel schöner, als wir uns da vorgestellt hatten. Und oft sind die coolsten Menschen, denen wir auf unserer Reise begegnet sind, immer dann aufgetaucht, wenn wir ein kleines Tief hatten. Als hätte der Himmel sie geschickt.

Reisebericht

Wenn sie schon mal in Münster sind, wollen Magda Mayerhoffer und Manu Winkler auch ihre (bisherigen) Reiseerlebnisse mit möglichst vielen Menschen teilen. Am 20. August (Montag) berichten sie ab 19 Uhr bei Fahrrad Hürter an der Hammer Straße von den ersten fast 6000 Kilometern ihrer Fahrrad-Weltreise. Der Eintritt ist frei.

...

Und die weniger schönen Momente?

Manu: Wir zelten ja wild, und oft denken wir, wie schön idyllisch das alles ist. Aber dann bellen Hunde nachts direkt neben dir, oder es streiten sich Menschen, die gefühlt aus dem Nirgendwo kamen, plötzlich so laut, dass man das Gefühl hat, die stehen gleich mitten im Zelt. Und wir hören nachts Schüsse. Warum auch immer ballern manche Leute hier nachts durch die Gegend. Dann schläft man schlecht, und muss am nächsten Tag trotzdem Fahrrad fahren.

Magda: Es gab eine Krise, als wir merkten, dass wir zu spät dran sein werden,  um noch bei ausreichend warmen Temperaturen den Pamir-Highway (Anmerkung d. Red.: zweithöchste  befestigte Fernstraße der Welt - bis zu 4600 Meter hoch) durch Tadschikistan zu befahren. In solchen Momenten ist es wichtig, neue Pläne zu schmieden - und sich dann darauf zu freuen.

Manu: Und man wird nachdenklich, wenn man hört, dass andere Radreisende aus Deutschland unterwegs ums Leben gekommen sind. Einer wurde hier in der Türkei von einem Blitz getroffen, und das in einem Ort, in dem wir auch waren - und an dem wir auch in ein Gewitter geraten waren. Ein anderer wurde in Mexiko erschossen.

Magda: Da kriegt man schon Respekt. Vielleicht ist doch nicht alles so ungefährlich, wie wir immer denken.

manuandmagda.com

#manuandmagda

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