Versuchsprojekt auf Hochspannungsleitung
Strommast-Storch ist eine Attrappe

Münster-Mecklenbeck -

Ein vermeintlich aufgespießter Vogel bereitete Mecklenbeckern große Sorgen . . .

Mittwoch, 07.02.2018, 19:02 Uhr

Nur eine Attrappe: Beim Storch, der in luftiger Höhe auf dem Mecklenbecker Starkstrommast thront, handelt es sich um einen Kunststoffvogel. Nachbarn hatten sich bereits Sorgen um das vermeintlich schwer verletzte Tier gemacht.
Nur eine Attrappe: Beim Storch, der in luftiger Höhe auf dem Mecklenbecker Starkstrommast thront, handelt es sich um einen Kunststoffvogel. Nachbarn hatten sich bereits Sorgen um das vermeintlich schwer verletzte Tier gemacht. Foto: sch

„Das ist absolut grausam!“ Spürbar erschüttert und betroffen zeigte sich eine direkte Nachbarin, als sie von dem vermeintlich Todesqualen erleidenden Storch auf dem Hochspannungsmast Nahe dem Kreisverkehr an der Mecklenbecker Straße erfuhr. Vogelfreunde hatten dort einen Storch ausgemacht, der „von einem Metallspieß durchbohrt“ in luftiger Höhe auf dem Mast sitze, nicht mehr fliegen könne und schwer verletzt verhungern müsse. Glücklicherweise entpuppte sich das Horrorszenario als unbegründet.

Dem Mecklenbecker Dr. Hagen Keller war der Storch auf dem Hochspannungsmast „Nr. 1559-M“ bereits vor mehreren Tagen aufgefallen. Als er dort wiederholt vorbeikam, wunderte Keller sich darüber, dass der Vogel stets an gleicher Stelle auf dem Stahlgerüst thronte. Er dachte bereits daran, den Storch mit Futter vom Mast herunter zu locken.

Zu seinem Entsetzen erblickte der Vogelfreund am vergangenen Samstag bei näherem Hinsehen im Sonnenschein, dass das Tier augenscheinlich einen metallisch glänzenden Spieß im Körper hat. Keller machte sich große Sorgen, vermutete, dass der Storch nicht mehr fliegen könne und auf seinem Sitz hoch droben mangels Nahrung verhungern müsse. In der Hoffnung, ihn vielleicht irgendwie noch retten zu können, rief der Mecklenbecker Vogel- und Naturschutzexperten, ein städtisches Amt, den Zoo, die Biologische Station Rieselfelder sowie den betreffenden Stromanbieter an. All das brachte ihn kurzfristig nicht weiter und den Storch nicht auf die Erde.

Keller war mit der Beobachtung des Tieres übrigens nicht allein. Auch anderen Mecklenbeckern wie der eingangs erwähnten Nachbarin war der tagaus, tagein an gleicher Stelle auf dem Strommast verharrende Vogel schon aufgefallen. Weiterhin Sorgen machen müssen sie sich allerdings nicht.

Auf Anfrage unserer Zeitung sorgte Ingrid Meering, Pressesprecherin des Westnetz-Regionalzentrums Münster, für Aufklärung: Nach Angaben der Westnetz-Mitarbeiterin ist der Storch auf dem Mecklenbecker Mast eine Kunststoff-Attrappe, die Artgenossen verscheuchen soll. Es handelt sich um ein neues Projekt, das dem Schutz von Großvögeln und dem Schutz der 110 000-Volt-Überlandleitungen des Stromversorgers dient. Laut Meering kann der Kot größerer Vögel auf Starkstromleitungen folgenschwere Kurzschlüsse verursachen: „Es kann zu Versorgungsengpässen kommen.“

Die Storchenattrappe auf dem Mast an der Mecklenbecker Straße sei bereits vor etwa zwei Monaten von Mitarbeitern des Stromversorgers installiert worden. Es handele sich um einen Versuch im Rahmen des Großvögel-Projekts. „Wir erhoffen uns damit, die Vögel von den Leitungen fernhalten zu können“, so die Westnetz-Sprecherin.

Am gestrigen Mittwoch erhielt dann auch Hagen Keller einen Anruf. Ein Mitarbeiter des Stromversorgers klärte ihn über den Sachverhalt auf. Darüber hinaus erhielt der Mecklenbecker die Information, dass es in den Niederlanden ebenfalls ein derartiges Versuchsprojekt gebe, und dass es lebensgefährlich sei, wenn jemand den Versuch unternehme, Hochspannungsleitungen hinaufzuklettern. Vor Letzterem warnt auch Ingrid Meering. Schon allein in der Nähe zu einem Leitungskabel könne es zum tödlichen Stromschlag kommen.

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