Gemeindeversammlung zum Lydia-Zentrum
Vision als Chance für Neuanfang

Münster-Nienberge -

Das Aus für das derzeitige Lydia-Gemeindezentrum sowie das evangelische Pfarrhaus: Das war das Fazit einer über zweieinhalbstündigen Gemeindeversammlung.

Dienstag, 20.03.2018, 18:03 Uhr

Die Verantwortlichen sehen keine andere Möglichkeit, als das Lydia-Gemeindezentrum abzureißen und auf dem betreffenden Grundstück neu zu bauen. Darüber wurde während einer Gemeindeversammlung informiert.
Die Verantwortlichen sehen keine andere Möglichkeit, als das Lydia-Gemeindezentrum abzureißen und auf dem betreffenden Grundstück neu zu bauen. Darüber wurde während einer Gemeindeversammlung informiert. Foto: Kay Böckling

Das Wort „Abriss“ wurde an diesem Abend so gut es ging vermieden. Dennoch war am Ende klar: Die ins Auge gefasste Überplanung des 3615 Quadratmeter großen Pfarrgrundstücks der evangelischen Gemeinde zwischen Kurneystraße, Plettendorfstraße und Sebastian­straße bedeutet wohl das Aus für das derzeitige Lydia-Gemeindezentrum sowie das Pfarrhaus.

Das war das Fazit einer über zweistündigen Gemeindeversammlung samt teilweise hitziger Diskussionen. An deren Ende stand aber auch eine Vision, die vielen Hoffnung machte.

Pfarrer Dr. Oliver Kösters machte in seiner Einleitung deutlich, dass man gemeinsam Entscheidungen treffe: „Mit beiden Gemeindeteilen aber auch für beide Gemeindeteile.“ Die Moderation des Abends lag schließlich bei Pfarrer Thomas Groll, stellvertretender Assessor.

Bevor es konkret wurde, hatten Vertreter des Initiativkreises „Pro Lydia“ die Gelegenheit, einen Vorschlag für eine „behutsame Bebauung“ zu präsentieren, wie es Harald Dierig vom Kirchbauverein formulierte: „Damit dieses Gesicht Nienberges, dieses Kleinod, diese einzige Grünfläche, die wir haben im Ortskern erhalten bleibt.“

Wie diese „behutsame, zusätzliche Bebauung“ aussehen könnte, verdeutlichte Architekt Wolfgang Gaertner anhand einiger Skizzen. Nach Sanierung des Lydia-Zentrums könne dies erhalten bleiben und einen Teil eines Gebäudeensembles bilden. Durch die ergänzende Bebauung könnten ausreichend wirtschaftliche Erträge erzielt werden. Konkrete Zahlen und Berechnungen, die dies belegen, konnte er auf Nachfrage nicht nennen. Pfarrer Oliver Kösters sagte zu, dass der Initiativkreis diesen Vorschlag im Presbyterium einreichen könne und „dass er selbstverständlich sachlich geprüft“ werde.

Dann ging es zur eigentlichen vom Presbyterium festgelegten Tagesordnung über. Es drehte sich um die finanzielle Situation der Gemeinde und die Auswirkungen. Nach Auskunft von Pfarrer Kösters machen die Aufwendungen für die Gebäude der Kirchengemeinde nicht weniger als ein Drittel des Gesamthaushalts aus. Allein das Lydia-Zentrum koste im Jahr 58 621 Euro. Darin enthalten sei beispielsweise die zu berücksichtigende „Sub­stanzerhaltungs-Rücklage“ (21 887 Euro).

Jutta Runden, Leiterin der Finanzabteilung, stellte dann die Einnahmen den Ausgaben gegenüber. Demnach ergäbe sich noch in diesem Jahr ein geplantes Defizit in Höhe von 26 932 Euro. Bis zum Jahr 2021 würde sich – beim derzeitigen Status Quo – die defizitäre Situation auf 50 316 Euro emporschrauben.

In diesem Zusammenhang wurde die Frage laut, wo die Nienberger Rücklagen aus früheren Jahren – vor der Zusammenlegung mit Havixbeck – geblieben seien. „Das Kapital, das hier in der Gemeinde angespart und nicht gebraucht wurde, ist wertstabil übertragen worden“, klärte Superintendent Ulf Schlien auf. Diese Vermögensbestandteile seien nun „Teil der Rücklage, die diese Kirchengemeinde hat, unter anderem für den Bereich Substanzerhaltung beziehungsweise Ausgleich“.

„Ausgleich in Havixbeck“, kam es direkt vom Publikum. Schlien: „Nein! Nicht in Havixbeck, sondern in der gemeinsamen Gemeinde. Sie sind eine gemeinsame Kirchengemeinde. Es ist ihr gemeinsames Vermögen.“ Anders wäre es bei „zweckgebundenen Spenden“. Die „Spenden für Lydia“ bezifferte Jutta Runden auf 4233 Euro.

Nach all diesen Zahlen ging es um die Zukunftsvision für Nienberge. Um sich dafür gut aufzustellen, gab es laut Oliver Kösters bislang Gespräche mit Investoren zwecks einer Überlassung des Grundstücks auf Erbpachtbasis. In dem neu zu konzipierenden Komplex mit Schwerpunkt Wohnbebauung könnte auch die evangelische Gemeinde Raum für ihre Angebote bekommen. „Auf Mietbasis“, wie der Geistliche betonte. Vorteil: Abgaben entfielen. Und: Durch die Kooperation mit der katholischen Gemeinde könnte man auch Räume in St. Sebastian nutzen.

Konkrete Zahlen legte Finanzkirchmeister Dr. Wolfgang Huchatz vor: Die wegfallenden Kosten bezifferte er auf 55 121 Euro. Die Verringerung der Ausgaben betragen 41 121 Euro.

Kösters: „Die neue Lydia-Kirche wäre unseren finanziellen Möglichkeiten, aber auch unseren Bedürfnissen angemessen. Die evangelische Gemeinde hätte weiter eine Heimat.“ Diesen Weg, den man einschlagen wolle, befürworte auch die Landeskirche. 

Kommentar zum Thema

Natürlich geht die Überplanung des Pfarrgrundstücks  mit dem Abriss der beiden Immobilien – Lydia-Zentrum samt Pfarrhaus – einher, und das ist sehr schade. Die Gemeinde verliert ein Stück Identität. Das ist klar. Klar ist aber auch, dass es eine Zukunft getreu dem Motto „Weiter so“ schlicht nicht gibt. Und der nun präsentierte Weg bedeutet: Die Gemeinde behält eine Heimat, wenn auch in veränderter Form.

Will die Gemeinde selbstbestimmt arbeiten, muss gehandelt werden, ansonsten droht die Haushaltssicherung. Und damit verliert die Gemeinde ihre komplette Handlungsfreiheit – sie wird fernbestimmt vom Kirchenkreis. Wer will das? Gemeinsam muss man nach Lösungen suchen. Und der Begriff „gemeinsam“ ist in diesem Zusammenhang wörtlich zu nehmen.

Die kritischen Nachfragen der Abris-Gegner nach den verbliebenen Rücklagen, die Nienberge mit in die Zusammenlegung der Gemeinden brachte, waren berechtigt. Sie sind aber auch zur Genüge beantwortet. Diese Gelder flossen in den Gemeindehaushalt – den gemeinsamen Gemeindehaushalt. Und der macht keinen geografischen Unterschied zwischen Nienberge und Havixbeck. Und das sagen die Verantwortlichen nicht erst seit vorgestern. Hier mit dem Begriff der mangelnden Transparenz inflationär um sich zu werfen, wird den Verantwortlichen nicht gerecht.

Was bleibt letztlich als Fazit über diese Versammlung zu sagen? Es gibt eine Aussicht auf Zukunft, eine Aussicht, Heimat zu behalten. Der langanhaltende Applaus nach der Präsentation der Arbeitsergebnisse lässt darauf schließen, dass die meisten der Gemeindeglieder diese Visionen mittragen. - Kay Böckling

...
Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5606437?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F141%2F
Mordanschlag auf der Eper Straße
Nach den Anschlag im Mai 2017 untersuchen Ermittler den Tatort.
Nachrichten-Ticker