Fr., 04.01.2008

Roxel „Bäume haben keine Lobby“

Von Jürgen Bonsiepen

Münster-Roxel. Wenn Wolfgang Schürmann einen alten Baum entdeckt, ist das für ihn „wie Weihnachten mit Geschenke auspacken“. So gesehen ist bei dem 55-jährigen Roxeler oft Weihnachten. Denn seit drei Jahren geht Schürmann ganz gezielt auf Baumpirsch – von Roxel bis Neuseeland .

Und jedes Mal, wenn er fündig wird, zückt er seine Digitalkamera und lichtet den knorrigen Veteranen aus verschiedenen Blickwinkeln ab. Meistens konzentriert er sich dabei auf Details wie den dicken Stamm mit seiner durchfurchten Rinde. „Bäume komplett zu fotografieren, bringt oft nichts, denn dann sehen sie irgendwie alle gleich aus“, sagt Schürmann, der am liebsten zur Kamera greift, wenn die Bäume keine Blätter tragen: „So wird die Struktur der Krone deutlicher.“

Doch Schürmann ist weit mehr als ein naturbegeisterter Hobbyfotograf. Mit seinen Aufnahmen möchte er die Menschen für diese urigen Schönheiten sensibilisieren, weil „Bäume keine Lobby haben“, wie er im Gespräch mit den WN betont. Es ärgert ihn, wenn alte Bäume auf Privatgrundstücken gefällt werden, nur weil das Laub in der Dachrinne stört.

Vor vielen Jahren setzte sich der Roxeler für einen alten Baum in der Nachbarschaft ein, der einer neuen Nebenstraße weichen sollte. „Der Schuss ging nach hinten los, und die Säge war schneller“, erinnert sich Schürmann an den verlorenen Kampf.

Heute bevorzugt Schürmann, der Mitglied im Naturschutzbund ( Nabu ) ist, eine andere Art der Mobilmachung, um auf alte Bäume, Alleen und naturnahe Wälder hinzuweisen. Er entwickelte das Konzept „Na-Tour-Denkmal“ – geführte Radtouren durch die nähere und weitere Umgebung Münsters. Mit Schürmann auf Entdeckungsfahrt ging bereits der Roxeler Heimat- und Kulturkreis.

Aber auch weit entlegene Bäume bringt Schürmann den Menschen näher. Eine Vielzahl seiner Fotografien stellt er regelmäßig im münsterischen Mühlenhof aus.

Doch wie findet man im Münsterland eine 350 Jahre alte Kopfulme, in den Vereinigten Staaten einen über 100 Meter hohen Bergmammutbaum oder auf Neuseeland einen Totara, eine seltene Stieleichenart? Der 55-Jährige nimmt als Orientierungshilfe Bücher und Reiseführer, die manchmal schon antiquarischen Wert haben. Schürmann fährt zudem selten direkt in den Urlaub, sondern plant stets Abstecher entlang seiner Reiseroute ein, um Bäume zu porträtieren. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Denn was zu Hause im Bildband noch imposant aussah, „kann mittlerweile ein Trümmer sein“, so die Erfahrung des Roxelers. Der Orkan Kyrill lässt grüßen.

Der Chaossturm habe aber auch deutlich gezeigt, wie man Bäume nicht pflanzen sollte. Junge Bäume im Schatten alter zu setzen, funktioniere nicht, sagt Schürmann. Denn den Nachwuchs haue es am schnellsten um, wenn er sich nicht richtig entfalten könne. Deshalb sei der radikale Kahlschlag auf dem Hindenburgplatz „genau richtig gewesen, auch wenn der Anblick schmerzt“.

Wer Wolfgang Schürmanns Baumporträts kennenlernen möchte, hat dazu vom 13. Januar bis zum 7. März auf dem münsterischen Gut Havichhorst, Havichhorster Mühle 100, Gelegenheit. Zur Vernissage am Sonntag (13. Januar) um 15 Uhr wird nicht nur Musik am Klavier geboten, sondern die Märchenerzählerin Christel Niesert stimmt auch literarisch auf das Ausstellungsthema „Winterträume – Winterbäume“ ein.

Wenn die Temperaturen steigen, können Interessierte zudem an den von Schürmann geführten Radtouren teilnehmen. Angeboten und rechtzeitig angekündigt werden sie vom Nabu.

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