Di., 13.01.2009

Roxel „Adeliges Grün“ im Mühlenhof

Von Thomas Schubert

Münster-Roxel - „Bei Raureif kann man die Baumstrukturen wunderschön erkennen“, schwärmt Wolfgang Schürmann . Da verwundert es nicht, dass der Roxeler Amateuerfotograf und Hobby-Dendrologe in der jüngsten winterlich kalten Woche mit seiner Spiegelreflex-Digitalkamera ausgiebig auf Achse war, um zahlreiche Bäume im weiß strahlenden Raureifgewand auf die Speicherkarte zu bannen. Einige der Aufnahmen werden demnächst im Mühlenhof zu sehen sein, denn der Baumkundler (Dendrologe) arbeitet an einem neuen Projekt, einer weiteren Ausstellung mit Fotos sehenswerter Bäume. Sie soll ab April im Freilichtmuseum zu sehen sein und unter der Überschrift „Adeliges Grün“ stehen.

Bäume haben es dem Roxeler angetan. Immer wieder hat er in den vergangenen Jahren Ausstellungen mit seinen Fotografien durchgeführt. Mit dem neuen Projekt wird er im Mühlenhof bereits zum vierten Mal zu Gast sein. Im vergangenen Jahr präsentierte Schürmann dort fotografische „Baumgemälde“ unter dem Thema „Ach, du dicke Eiche“.

Besonders für knorrige und alte Bäume hat der 56-Jährige ein Faible. „In denen kann man wie in einem Geschichtsbuch blättern“, sagt er. Blättern will Schürmann diesmal in Bäumen, die er in den vergangenen fünf Jahren in Gärten und Parks von Adeligen in ganz Deutschland sowie in Italien ablichtete. Neben betagten heimischen Gehölzen wie Eichen und Buchen kamen dem Roxeler dabei zwangsläufig viele „Exoten“ - sprich Bäume, die ursprünglich eigentlich gar nicht in hiesigen Gefilden heimisch waren - vor die Linse.

In Freiburg besuchte Wolfgang Schürmann Graf Nikolaus von Gayling-Westphal, in dessen Park er eine Schwarznuss - „ein begehrter Parkbaum, der aus Nordamerika stammt“ - im schmucken gelben Herbstblätterkleid fotografierte. Rund 170 Jahre alt und das größte Exemplar Europas soll die Schwarznuss aus dem Breisgrau sein.

Deutschlands älteste Libanonzeder geriet dem Dendrologen im Schlosspark von Bad Homburg vor die Kamera. „Ein besonders schöner Baum, gleichmäßig gewachsen und ausgesprochen stark“, schwärmt Schürmann von diesem „Exoten“. 15 Libanonzedern seien im Jahre 1818 als Geschenke des englischen Königshauses eingetopft nach Bad Homburg gekommen. Zwei davon hätten überlebt. Die größte davon weist laut Schürmann einen imposanten Kronendurchmesser von 35 Metern auf. Solch außergewöhnliche Bäume, mit denen Adelige in früheren Zeiten ihre Anwesen geschmückt hätten, kämen in Parks - mitunter Seite an Seite von Skulpturen und Kunstwerken - ganz besonders gut zur Geltung, meint der Roxeler.

Dies gilt unter anderem auch für den mit etwa 120 Jahren noch sehr jungen Mammutbaum, den das Mitglied des münsterischen Naturschutzbunds auf dem Von- Twickelschen Terrain in Havixbeck vorfand. Solche Bäumen seien zur früheren Zeiten aus den USA nach England gelangt, dort gezüchtet worden und als Stecklinge unter anderem auch in hiesige Breiten gekommen. In Nordamerika gebe es Exemplare, die weit über 2000 Jahre auf dem Buckel hätten.

Ganz besonders am Herzen liegt Wolfgang Schürmann ein hiesiger Baum: die rund 140 Jahre alte Boniburgbuche im Osten Münsters an der Werse. Auch dabei soll es sich um eine adeliges Gewächs handeln, das Graf Bonifatius von Hatzfeld-Trachenberg zu Lebzeiten pflanen ließ. Die knorrige Buche ist von schweren Pilzerkrankungen gezeichnet und hat, wie der Roxeler in Erfahrung brachte, nur noch wenige Jahren zu leben. Deshalb soll sie einen zentralen Platz in der neuen Ausstellung erhalten. » Wolfgang Schürmanns Fotopräsentation „Adeliges Grün“ wird passend zum „Tag des Baumes“ am 25. April im Freilichtmuseum Mühlenhof eröffnet und wird dort voraussichtlich bis Mitte Oktober zu sehen sein.

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