Gefrorene Blitze am Himmel
Fr., 03.02.2012
Rappelvoller Saal: Vortrag über V-2-Rakete stößt in Roxel auf großes Interesse
Etliche Gäste waren der Einladung des Heimatkreises gefolgt, um mehr über die V-2-Rakete, die im Krieg auch aus dem Münsterland abgeschossen wurde, zu erfahren.
Münster-Roxel -
Roxel als Raketenlager? Ein Thema, für das sich viele Bürger genauer interessierten und deshalb der Einladung des Heimat- und Kulturkreises zu einem Vortrag von Dr. Wilhelm Bauhus mit dem Titel „Tod aus dem Münsterland“ in die Gaststätte Kortmann gefolgt waren. Rappelvoll war der Saal.
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Bauhus ist Leiter des Projekts Expedition Münsterland der Universität Münster, die regionale Themen besonders aufbereitet. Der Roxeler und sein Team haben sich den Abschüssen der V-2-Rakete gewidmet, die im zweiten Weltkrieg vielen Menschen den Tod brachte (die WN berichteten). Ältere Bürger erinnerten sich noch gut an die Abschüsse, die nicht zu überhören waren und an die „gefrorenen Blitze“, wie die eindeutig zu erkennenden Kondensstreifen der Rakete genannt wurden. Im Münsterland gab es mehrere Abschussstellen, berichtete Bauhus. In Roxel und unmittelbarer Umgebung sei allerdings keine Rakete gestartet worden, die Wälder dienten lediglich als Nachschublager. In Antwerpen seien viele Menschen durch Raketeneinschläge gestorben, erzählte der Experte. Vor allem, weil die Rakete mit fünfeinhalbfacher Schallgeschwindigkeit völlig lautlos und ohne jegliche Vorwarnung ankam. Noch mehr Tote habe es in der Raketenfabrik im Konzentrationslager Dora-Mittelbau, einem Bergstollen im Südharz, gegeben. Dort hätten mindestens 25 000 Zwangsarbeiter ihr Leben lassen müssen. Bauhus nahm für seine Forschungen Kontakt zu zahlreichen Zeitzeugen sowohl aus dem Münsterland als auch aus Antwerpen auf, die sich aus ihrer Kindheit an die Raketenabschüsse und -einschläge erinnern. Eine Frau aus Darfeld berichtete während des Vortrags davon, dass der Start einer Rakete ohrenbetäubend laut war und sämtliche Fenster eines Hofes dabei zu Bruch gegangen seien. Ein anderer Gast hatte die großen Treibstoffbehälter am Havixbecker Bahnhof stehen sehen. Eine technische Besonderheit der V-2-Rakete waren die Graphitstahlruder, die in den Brennstrahl einwirken konnten. Das Historisch-Technische Museum Peenemünde hatte Bauhus für seinen Vortrag die Überreste eines Ruders zur Verfügung gestellt.
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