Di., 04.04.2017

Interview Jeder Fall ist wie ein Puzzle

Prof. Dr. Bernd Brinkmann ist ein Rechtsmediziner, der sich mit bekannten Fällen auf der ganzenWelt beschäftigt hat.

Prof. Dr. Bernd Brinkmann ist ein Rechtsmediziner, der sich mit bekannten Fällen auf der ganzenWelt beschäftigt hat. Foto: Anna Spliethoff

Münster-Roxel - 

Gibt es den perfekten Mord? Das wird die Frage, mit der sich die Kneipenvorlesung am Donnerstag beschäftigt. Zuvor verriet Referent Prof. Dr. Bernd Brinkmann, welche Eigenschaften ein Rechtsmediziner haben muss.

Gibt es den perfekten Mord? Mit dieser Frage wird sich die Kneipenvorlesung des Heimat- und Kulturkreises am Donnerstag beschäftigen. Es referiert der Rechtsmediziner Prof. Dr. Bernd Brinkmann. Mit unserer Volontärin Anna Spliethoff sprach er zuvor über den Tatort aus Münster und die Eigenschaften eines Rechtsmediziners.

Wie gefällt Ihnen der Münster-Tatort?

Bernd Brinkmann: Ich finde den ganz gut. Vor allem die schauspielerische Fähigkeit des Rechtsmediziners – die ist fantastisch. Rechtsmediziner haben sonst immer einen kleinen Heiligenschein, wenn sie in Krimis auftreten. Und hier ist das jemand, der ein bisschen arrogant ist und der auch Fehler macht.

Sie sprechen Prof. Boerne ja selbst an. Sie gelten als sein reales Vorbild. Ist das ein schönes Gefühl?

Brinkmann: Ich glaube nicht, dass ich sein Vorbild bin.

Das liest man so.

Brinkmann: Ich bin nicht arrogant gewesen, hoffe ich (lacht). Aber die Drehbuchschreiber wollten sich hier vor Ort inspirieren lassen, und da haben sie sich auch viel Mühe gegeben. Ich würde mir den Schuh mit der Arroganz aber gar nicht anziehen wollen. Es gibt Ähnlichkeiten, auch mit Fehlern. Das finde ich wichtig, gerade als Gerichtsmediziner, dass man nicht meint, fehlerlos zu sein.

Was bedeutet es in Ihrem Beruf, Fehler zu machen?

Brinkmann: Das ist schrecklich. Wenn es ein Fehler in einem Mordprozess ist, kann es für den Angeklagten bedeuten, dass er lebenslänglich eingesperrt wird. Ich habe zum Glück relativ früh aus meinen Fehlern gelernt und zwar dadurch, dass ich den Fehler erkannt und eingeräumt habe. Ich würde nicht ausschließen, Fehler gemacht zu haben. Im Gegenteil.

Mal Hand aufs Herz: Ist die Arbeit von Prof. Boerne mit ihrem Beruf vergleichbar?

Brinkmann: Nein.

Und warum nicht?

Brinkmann: Das hat mit der realen Rechtsmedizin häufig wenig zu tun. Wir können lange nicht alles, was dort gezeigt wird. Und manchmal können wir auch ein bisschen mehr.

Von welchen Fällen werden Sie bei der Kneipenvorlesung berichten?

Brinkmann: Das Thema lautet ja: „Gibt es den perfekten Mord?“ Den gibt es aus unserer Sicht nicht. Ich werde über Fälle berichten, bei denen die Tat entweder so geplant war, dass sie nie als Mord erkannt werden sollte und über Fälle, die nicht so geplant waren, die aber in der Praxis dann so verliefen wie ein perfekter Mord.

Erzählen Sie mir ein Beispiel?

Brinkmann: Die Oma eines Säuglings hütet ein und kriegt ein Paket mit Babynahrung zugeschickt. Offensichtlich sind ein paar von den Gläsern nicht ordnungsgemäß verschlossen. Deswegen hat sie das gegessen und war am selben Abend tot. Der Arzt hat einen natürlichen Tod festgestellt.

Und dann?

Brinkmann: Der Täter hat noch einmal vergiftete Babynahrung geschickt und jetzt war die Tante dran. Sie hat es probiert und ist mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gekommen. Sie hat es überlebt. Dann kam man so langsam aber sicher hinter den Fall. Wäre der Täter nicht so hartnäckig gewesen, wäre das nie herausgekommen.

Was ist für Sie an dem Beruf das Spannendste?

Brinkmann: Ich habe den Beruf deswegen ergriffen, weil es bei gerichtsmedizinischen Fällen eine so große Variation gibt. Das hat mich gereizt. Der unbekannte Fall ist wie ein Puzzle. Das versucht man zu lösen.

Was braucht man für Eigenschaften, um Rechtsmediziner zu werden?

Brinkmann: (lacht) Schwierige Frage. Man muss ein Arzt mit viel Engagement sein. Man baucht viel Fantasie – und auch schlechte Fantasie. Das heißt zu den Abgründen menschlicher Grausamkeit. Das Wichtigste ist: Man muss unvoreingenommen sein.

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