Mo., 29.02.2016

Flüchtlinge in Roxel Verständigung mit Hand und Fuß

Sachkundige Referentin: Friederike Brosche (stehend) berichtete interessierten Roxelern im Pfarrheim St. Pantaleon von der aktuellen Situation im Flüchtlingsheim Zum Schultenhof.

Sachkundige Referentin: Friederike Brosche (stehend) berichtete interessierten Roxelern im Pfarrheim St. Pantaleon von der aktuellen Situation im Flüchtlingsheim Zum Schultenhof. Foto: ann

Münster-Roxel - 

In der Flüchtlingsunterkunft Zum Schultenhof in Roxel sind derzeit 51 Bewohner aus sieben Nationen untergebracht: Sozialarbeiterin Friederike Brosche gab Einblick in ihre dortige Arbeit.

Von Annegret Lingemann

Eine verständnisvolle, tröstende Mutter, eine geachtete, souveräne Hausherrin und eine einfühlsame, redliche Mittlerin – all diese Rollen muss sie beherrschen: Friederike Brosche. Die erfahrene Sozialarbeiterin leitet das Roxeler Flüchtlingsheim Zum Schultenhof, und sie überzeugte auch als kompetente Berichterstatterin bei der neuen Vortragsreihe des Eine-Welt-Kreises im Pfarrheims.

Der aktuelle Bericht aus der Flüchtlingsunterkunft war für interessierte Gemeindemitglieder ein wenig Elementarinformation über Abläufe in der Flüchtlingsbetreuung. Jeder bei der Ausländerbehörde oder einer Polizeistelle registrierte Flüchtling kommt von der Erstaufnahmestation eines Bundeslandes, in der die rechtliche Situation abgeklärt wird, in die Ersteinrichtung einer Stadt, in Münster also in die Oxford-Kaserne.

Versorgt mit einer minimalen Grundausstattung – deutlich unter dem Sozialhilfesatz – wird den Erwachsenen dann bei der Erstellung des Asylantrages geholfen. Kinder bereitet man mit Deutschkursen auf den Schulbesuch vor. Nach zwei bis vier Wochen, je nach Vakanz, ziehen sie in eine Flüchtlingsunterkunft um, zum Beispiel in die am Schultenhof. Derzeit wohnen dort 51 Menschen, die von Friederike Brosche, einem freiwilligen Helfer im sozialen Jahr (Bufdi) und einem Hausmeister stundenweise betreut werden.

Da müssen die Kinder in Schule oder Kita angemeldet, Arzttermine vereinbart und Verbindungen zu Ämtern und Vereinen geschaffen werden. „Wir sprechen englisch, aber am meisten Body Language“, sagt die junge Sozialarbeiterin lachend und meint damit die „Hand- und Fuß-Sprache“. Sie lässt keinen Zweifel aufkommen, dass das mit immerhin sieben verschiedenen Nationen im Haus tatsächlich funktioniert.

„Die Arbeit ist toll“, sagt sie. „Wir haben großes Glück, dass wir in Roxel kleine Unterbringungseinheiten haben, das ist familiär. Ich kenne alle, ihre Geschichte und ihre Probleme und kann darauf eingehen. Aber die Flüchtlinge helfen sich auch untereinander.“ Ein großes Problem sei die schleppende Bearbeitung der Asylanträge, die oft Monate dauere. „Deutschland kommt nicht hinterher“, sagt sie, „das merken wir auch in Roxel.“

Wenn mit Friederike Brosches Hilfe ein anerkannter Flüchtling eine Arbeit oder eine Familie eine Wohnung findet, ist sie glücklich. Wie schnell das im Einzelfall geht, hänge sehr vom persönlichen Profil des Einzelnen ab. „Je schneller jemand Deutsch lernt und sich auf neue Situationen einstellen kann, umso leichter ist er zu integrieren.“ Frauen lägen dabei übrigens keinesfalls zurück, sie seien in den Sprachkursen sogar in der Überzahl.

Eine enorme Hilfe sei das große ehrenamtliche Engagement in Roxel. Derzeit befinde sich ein Verein zur Flüchtlingshilfe in der Gründungsphase. Miteinander zu sprechen und Mut zu machen, sei die wichtigste Aufgabe, unterstreicht Brosche. So wollen die zehnjährige Sophia und die siebenjährige Linda aus Roxel demnächst ins Flüchtlingsheim gehen, um mit den dort unterbrachten Kindern zu spielen.

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