Vorlesestunden im Roxeler Seniorenzentrum
Mit Plattdeutsch groß geworden

Münster-Roxel -

Die kernige westfälische Mundart hat es Rudi Pache und Edmund Kröger angetan: Bei ihren beliebten Vorlesestunden lassen sie andere daran teilhaben.

Mittwoch, 07.03.2018, 20:03 Uhr

Haben ein ausgesprochenes Faible für die plattdeutsche Sprache: Edmund Kröger (l.) und Rudi Pache lassen die Bewohner des Seniorenzentrums „Wohnen in Pastors Garten“ daran teilhaben. In der Winterzeit laden sie dort zu Mundart-Vorlesestunden ein.
Haben ein ausgesprochenes Faible für die plattdeutsche Sprache: Edmund Kröger (l.) und Rudi Pache lassen die Bewohner des Seniorenzentrums „Wohnen in Pastors Garten“ daran teilhaben. In der Winterzeit laden sie dort zu Mundart-Vorlesestunden ein. Foto: ann

Ein „guet und deftig Wicht“ muss was von „Huswiärk“ verstehen, denn vom Singen und Springen wird man nicht satt. Diesen guten Ratschlag hatte der Heimatdichter Augustin Wibbelt für seine Zeitgenossen, die auf Brautschau waren. Außerdem sollte die Zukünftige sparsam sein, aber keine „Kniepzange“. Auf jeden Fall müsse die Wahl gut überlegt sein, denn es sei viel leichter an eine Frau zu kommen, als sie wieder loszuwerden.

Vergnügliches und Heiteres in plattdeutscher Sprache – „Vertellkes und Dönekes“ – damit kennen sich Edmund Kröger und Rudi Pache bestens aus. Beide haben sich mit Leib und Seele der kernigen westfälischen Mundart verschrieben und lassen auch andere daran teilhaben: Während des Winterhalbjahres halten sie im Seniorenzentrum „Wohnen in Pastors Garten“ alle 14 Tage eine plattdeutsche Vorlesestunde ab. Die Bewohner und alle interessierten Gäste sind dazu stets willkommen.

Auch wenn die Zeit der Brautschau für das Publikum bei der jüngsten Vorlesestunde schon lange zur Vergangenheit gehörte und die Zuhörerinnen in deutlicher Überzahl waren, die meisten hatten Spaß an den Texten und kaum Verständnisprobleme.

Zuhörerin Maria Aupers ist mit der plattdeutschen Sprache groß geworden und sagte: „Wenn ich wütend bin, fall ich ins Platt. Da kann man viel mehr sagen, aber es ist nicht wirklich böse gemeint.“ Auch umgekehrt habe die Sprache eine besondere Zartheit, die das Hochdeutsche eben nicht habe, meinen die beiden Vorleser Edmund Kröger und Rudi Pache. Seit vier Jahren sind sie ein Gespann, das sich über die Liebe zum Plattdeutsch kennengelernt hat. Wenn sie im Seniorenzentrum vorlesen, ist das Interesse groß: „Das kommt gut an“, sagen die beiden. Sie wählen Texte von Augustin Wibbelt, Heinrich Isfort, Anton Auke, Bernard Walbaum sowie vom Roxeler Heimatdichter Josef Pröbsting.

Kröger und Pache lesen nicht nur, sie ermuntern ihr Publikum auch, eigene Erinnerungen zu erzählen und machen kleine Exkurse in die Heimatgeschichte. Auch wenn im Elternhaus beider Männer nicht Platt gesprochen wurde, sind sie doch mit dem Platt groß geworden: „Die Eltern haben uns – ihre vier Söhne – gezwungen, Hochdeutsch zu sprechen, weil das angesehener war. Aber sie haben untereinander manchmal plattdeutsch geredet, das war ihre Geheimsprache. Das hat mich angestachelt, es auch zu lernen“, sagt Edmund Kröger. Sogar in seinem Beruf als Industriekaufmann hat es ihm mal geholfen. Als eine aufgebrachte Kundin aus Bayern ihn auf bayrisch beschimpfte, antwortete er auf Platt. „Da war Ruhe“, sagt er und lacht.

Als Bankkaufmann hat Rudi Pache eher Englisch als Platt gebraucht. Aber die Nachbarskinder in Greven-Bockholt, wo er aufwuchs, machten dem Lehrersohn in jungen Jahren klar: „Rudiken, Du moss bi uns Platt küren, denn wi miött bi dinen Vader Hochdütsck liärnen.“ Dort gab es auch Nachbarn, denen Hochdeutsch immer fremd blieb, und die auch sonst ihre ganz eigenen Vorstellungen hatten. So habe Oma Anna die lauten Kampfjets in den 1950er-Jahren mit ernsthafter Sorge gesehen: „De fleigt doch usse leiwe Herrgott ohne antokloppen in de beste Stuov!“

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Am 26. März um 16.30 Uhr lesen Edmund Kröger und Rudi Pache zum letzten Mal in diesem Winter im Seniorenzentrum „Wohnen in Pastors Garten“ vor. Interessierte sind dazu willkommen.

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