Sa., 15.06.2013

Die Türen für den Neubau der Antonius-Kapelle Die Pforte der Altvorderen

Die Eichentüren sind rund 320 Jahre alt, schätzt Richard Hessler. Wenn er sie restauriert hat, sollen sie noch einmal ein paar hundert Jahre halten: „Diese Relikte sind eine Verbindung zu unseren Altvorderen – es ist nicht unwichtig so etwas zu erhalten.“

Die Eichentüren sind rund 320 Jahre alt, schätzt Richard Hessler. Wenn er sie restauriert hat, sollen sie noch einmal ein paar hundert Jahre halten: „Diese Relikte sind eine Verbindung zu unseren Altvorderen – es ist nicht unwichtig so etwas zu erhalten.“ Foto: mlü

Münster-Wolbeck - 

Die Antonius-Kapelle wird neu aufgebaut – doch die Pforten werden noch Originale sein. Richard Hessler restauriert sie gerade. Die schwerste Arbeit ist die Vorrecherche: Woher bekommt man eigentlich 320 Jahre altes Ersatz-Holz?

Von Markus Lütkemeyer

Der Restaurator Richard Hessler lässt seine rauen Handwerkerhände über die staubige Barockpforte fahren. Die beiden Eichentüren der alten Antonius-Kapelle sind jetzt über 320 Jahre alt. Die Beschläge sind krumm, an der linken Tür fehlt der Knauf. Feuchtigkeit hat unten an dem Holz geknabbert. Doch Hessler will in den nächsten Wochen dafür sorgen, dass sie noch einmal 320 Jahre halten werden. Die Türen sollen in den Neubau der Kapelle eingesetzt werden.

Denn das Holz atmet Geschichte. Als die alte, barocke Antonius-Kapelle vor vielen Jahrzehnten abgerissen wurde, denn sie wich einer Straße, „da haben die Bauern alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war.“ Viele Jahre lang lag die alte Eingangstür der Kapelle auf einem Dachboden. Sie gerieten in Vergessenheit. Bis der Landwirt aufräumte und die Pforte fand – er erinnerte sich: Sollte die Antonius-Kapelle nicht an der Münsterstraße neu aufgebaut werden? Er wandte sich an den Kapellbauverein.

So kamen die Eichentüren zu Hessler. Er hat sich auf die Möbelrestaurierung spezialisiert, seine Frau Andrea Aulock handelt, in direkter Nachbarschaft zu seiner Werkstatt, mit Antiquitäten. „Mich fasziniert am Restaurieren, dass es nachher wieder ­etwas gibt, das es früher einmal gab“, sagt Hessler und schaut sich in der Werkstatt um. Normalerweise hat er es mit Stühlen aus den 1920er Jahren zu tun. Oder Barockmöbeln. Kapellentüren sind neu. Doch im Grunde ist das jeder Fall: „Das eigentliche anstreichen ist ja an einem Tag erledigt“, erklärt der Restaurator sein Handwerk. Schwierig und langwierig sind dagegen oft die Vorrecherchen. Wenn zum Beispiel ein Holzstück fehlt, wo bekommt er Ersatz? Tatsächlich gibt es einen richtiggehenden Markt für altes Holz. „Das Material stammt vom Abriss alter Häuser oder von alten Kirchenbänken, die rausgeschmissen wurden.“ Für die richtige Maserung investieren richtige Könner manchmal Jahre an Recherche.

Derzeit plagt Hessler die Frage nach dem richtigen Lack. Früher setzte man auf eine Öl-Basis. „Die waren dann relativ wetterfest. Bei den heutigen Lacken weiß man noch gar nicht, wie sie in hundert Jahren aussehen.“ Wie lösen andere Restauratoren das Problem? Hessler forscht nach.

Warum er sich der Pforten annimmt? „Der Kapellenbau ist nur mit viel Eigenleistung möglich“, meint Hessler. Ob Maurer, Schreiner oder eben Restaurator: „Alle helfen mit.“ Und schließlich seien er und die Kapelle ja später einmal Nachbarn.

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