Do., 28.08.2014

Arbeitskreis „Flüchtlinge“ informiert sich über Rechtsfragen / Drei Familien droht die Abschiebung Von Paragrafen und Menschen

Über die rechtlichen Voraussetzzungen bei der Flüchtlingsarbeit informierte auf Einladung des Arbeitskreises „Flüchtlinge in Wolbeck“ Thomas Borgs von der Caritas (hinten r.).

Über die rechtlichen Voraussetzzungen bei der Flüchtlingsarbeit informierte auf Einladung des Arbeitskreises „Flüchtlinge in Wolbeck“ Thomas Borgs von der Caritas (hinten r.). Foto: anh

Münster-Wolbeck - 

„In welchem rechtlichen Rahmen leben die Flüchtlinge in Wolbeck? Und können wir das zulassen?“ So umschrieb Thomas Borgs von der Caritas in Münster die Leitfrage des Informations-Abends, zu dem der Arbeitskreis „Flüchtlinge in Wolbeck“ eingeladen hatte. Insgesamt kamen 26 Interessierte, unter ihnen Diakon Diakon Ralf Bisselik Pfarrer Klaus Wirth vom Kirchort St. Bernhard und Pastorin Christina Ehring für die evangelische Gemeinde. Aus Münster war Hüseyim Demir als Sprecher von sieben muslimischen Gemeinden aus dem Christlich-Islamischen Arbeitskreis gekommen.

Von Andreas Hasenkamp

Von Paragrafen und Verfahren oder „Dublin III“ erzählte Thomas Borgs . Nicht alles lasse sich direkt auf die Situation der Flüchtlinge in Wolbeck beziehen. Die Zahlen rückte Borgs in Perspektive: Die meisten Flüchtlinge bleiben ohnehin in der Nähe ihrer Länder. Pakistan nimmt 1,6 Millionen Menschen auf. In Europa nimmt Schweden – pro Kopf gerechnet – im Vergleich zu Deutschland weit mehr an Flüchtlingen auf.

Praktisches kam dennoch auch zur Sprache. Ein junger Nigerianer erzählte von seinem mühsamen Ringen mit diversen Bürokratien in Deutschland und Lagos. In diesen Tagen hänge sein Einstieg in die Altenpflege an einer Akte, die nun über drei Wochen brauche, um von Hamburg nach Münster zu gelangen. Es gab auch Fälle, wo Akten drei Monate in Bearbeitung waren oder nur Teile wieder auftauchten.

Jan Schwenke wies auf Schwierigkeiten hin, die Betrieben in Deutschland entstehen können. „Der Chef, der liebte ihn“ – doch nach dem aufwändigen und erfolgreichen Einarbeiten an einer Maschine, von deren Arbeit die anderen 50 Mitarbeiter abhängen, wurde der Pass nicht verlängert.

Auf dem Hof Buddenbäumer sind laut Nadia Bryan-Aertken vom Sozialdienst für Flüchtlinge der Stadt Münster etliche Familien von einer Abschiebung bedroht, drei in der kommenden Woche. Einige Albaner gehen freiwillig, eine serbische Familie beauftragte einen Rechtsanwalt. „Niemand“, so Borgs, „kann sich sicher sein – das macht Integration auch so schwer.“

Schwierigkeiten gibt es auch beim Wohnen. Die Wohn- und Stadtbau habe mit vielen Projekten zu tun, und so geht SPD-Bezirksvertreter Kurt Pölling davon aus, dass das Heim am Borggarten „in den nächsten zwei Jahren wohl nicht fertig wird“.

Bis zum Baubeginn könne es noch ein bis anderthalb Jahre dauern, berichtete er aus der Sitzung der Bezirksvertretung Südost. Die Flüchtlinge könnten bis dahin auf dem Hof bleiben, das sichere ein Ratsbeschluss. Ein Grund mehr, so Brian-Aertker, die Verhältnisse auf dem Hof „viel netter zu gestalten“.Leichter machen es praktische Schritte vor Ort. Jan Schwenke wünscht sich noch mehr Mutterboden – für den Garten dort. Er lege Wert darauf, die Bewohner möglichst viel selbst machen zu lassen. So wurde bei einer anderen Aktion schon mit zehn Erwachsenen und zwölf Kindern „richtig gearbeitet“, so Brian-Aertken.

Wie es auf dem Hof Buddenbäumer zugeht, kann jeder beim Sommerfest am 13. September ab 14 Uhr erleben. „Kuchenspenden sind sehr willkommen“, so Brian-Aertker, „auch da könnten wir ihre Hilfe gebrauchen“. Zum Programm gehören neben Schminken, Ballons knoten und Hüpfburg auch eine Trommelreise mit Max Hoffmeister – da würden viele Menschen einbezogen.

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