Fr., 29.07.2016

Ehrenamt: Wolbeckerin arbeitet als Übersetzerin und begleitet Flüchtlinge zum Arztbesuch Mama Maria im Dauereinsatz

Maria und ihr Ehemann Josef Elia wohnen seit 26 Jahren direkt im Herzen von Wolbeck. „Deutschland hat viel für unsere Familie gegeben – wir wollen etwas zurückgeben“, sagt „Mama Maria“, wie sie mittlerweile von Flüchtlingen genannt wird.

Maria und ihr Ehemann Josef Elia wohnen seit 26 Jahren direkt im Herzen von Wolbeck. „Deutschland hat viel für unsere Familie gegeben – wir wollen etwas zurückgeben“, sagt „Mama Maria“, wie sie mittlerweile von Flüchtlingen genannt wird. Foto: mlü

Münster-Wolbeck - 

Vor fast drei Jahrzehnten flohen Maria und Josef Elia aus Syrien nach Deutschland. Heute hilft „Mama Maria“, wie sie mittlerweile in Wolbeck genannt wird, den Flüchtlingen von heute beim Start in ihr neues Leben.

Von Markus Lütkemeyer

Den gewaltigen syrischen Bürgerkrieg, der mittlerweile ganze Städte in aschfahle Ruinen verwandelt hat, gab es damals, als die Familie Elia nach Wolbeck kam, noch nicht. Doch als aramäische Christen lebten sie in ständiger Unsicherheit. In den 1970er Jahren hatte es zahlreiche Übergriffe in der benachbarten Türkei gegeben. Noch heute geraten Aramäer immer wieder ins Kreuzfeuer des Kurdenkonflikts. Die Flucht nach Deutschland gab der Familie Sicherheit.

„Deutschland hat viel für unsere Familie gegeben – wir wollen etwas zurückgeben“, sagt Maria Elia heute. Seit 26 Jahren lebt das Ehepaar in Wolbeck in einer Wohnung über der Münsterstraße. „Wolbeck ist ein Dorf und das war für uns nicht immer einfach, aber die Menschen sind sehr lieb, wir hatten Glück.“ Ihre drei Kinder haben studiert, ein Sohn ist Arzt in Dortmund – „alles Akademiker“, sagt „Mama Maria“ stolz und berichtet von ihren fünf Enkelkindern. Dann klingelt das Telefon: Maria hebt ab, nickt, redet auf arabisch mit dem Anrufer und sagt dann: „Ein Arztbesuch , ich muss leider los.“

So geht das fast jeden Tag. Manchmal ist sie bis zu vier Stunden für die Flüchtlinge in der Unterkunft am Tönskamp unterwegs. Sie spricht fließend arabisch, aramäisch, kurdisch – als ehrenamtliche Übersetzerin ist sie gefragt wie nie. Die Ärzte in Wolbeck kennen sie schon und bei den Flüchtlingen genießt sie hohes Ansehen.

Einige Familien dürfen schon bald aus der Notunterkunft ausziehen, wollen aber anschließend am Liebsten eine Wohnung in Wolbeck finden – wegen Maria. „Sie muss immer helfen. Das war in Syrien schon so“, erinnert sich ihr Ehemann Josef Elia . „Immer hat sie den Straßenkindern unsere Süßigkeiten geschenkt.“

Die Integration der vielen neuen Flüchtlinge: Wie schaffen wir das? „Ich sage den Familien am Tönskamp immer: Lasst die Religion auch mal alleine, lernt erst einmal deutsch, sucht euch einen Beruf, das ist jetzt wichtiger.“

Bevor „Mama Maria“ sich wieder auf den Weg macht, zum Tönskamp, sagt sie noch auf der Türschwelle: „Unsere ganze Familie bedankt sich bei den Wolbeckern – schreiben Sie das bitte unbedingt! Und die anderen Flüchtlinge sind auch Menschen. Sie freuen sich alle, dass so viele helfen, aus beiden Gemeinden. So viele liebe Menschen.“

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