Di., 06.12.2016

Für sein besonderes bürgerschaftliches Engagement erhält Ralf Bisselik die Münster-Nadel Krimis gibt es nur im Urlaub

Ralf Bisselik vor seinem Arbeitsplatz am Nevinghoff.  Der Bankkaufmann ist im Nebenamt als Diakon tätig. Sein ganz besonderes Engagement gilt der Flüchtlingsarbeit. Am Dienstagabend wurde er mit der Münster-Nadel ausgezeichnet.

Ralf Bisselik vor seinem Arbeitsplatz am Nevinghoff.  Der Bankkaufmann ist im Nebenamt als Diakon tätig. Sein ganz besonderes Engagement gilt der Flüchtlingsarbeit. Am Dienstagabend wurde er mit der Münster-Nadel ausgezeichnet. Foto: isa

Münster-Südost - 

Ralf Bisselik ist Bankkaufmann, aber nicht nur das. Im Nebenamt arbeitet der bekennende Christ als Diakon und koordiniert in dieser Funktion – und in seiner Freizeit – unter anderem die Flüchtlingshilfe im Stadtbezirk Münster-Südost. Für seinen vorbildlichen bürgerschaftlichen Einsatz wurde Ralf Bisselik am Dienstagabend die Münster-Nadel verliehen. Unsere Redakteurin Iris Sauer-Waltermann sprach mit dem Preisträger über sein Engagement und darüber, wie er mit seiner Zeit „jongliert“.

Von Iris Sauer-Waltermann

Herr Bisselik, Herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung.

Ralf Bisselik: Vielen Dank. Ich freue mich sehr, nehme die Nadel aber auch stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helfer entgegen.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Koordinator der Flüchtlingshilfe Südost?

Ralf Bisselik: Am Anfang ging es vor allem darum, die Flüchtlingshilfe aufzubauen und erste Angebote und Aktionen ins Leben zu rufen. Außerdem vertrete ich die Initiative in verschiedenen Arbeitskreisen, kümmere mich um die Öffentlichkeitsarbeit und die Verwaltung der Spendengelder. Die Hauptaufgabe bestand und besteht darin, die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen zu koordinieren.

Was heißt das konkret?

Bisselik: Es gab vieles zu klären: Wer kann was anbieten? Zu welchen Zeiten können Deutschkurse stattfinden und Frauengruppen sich treffen? Welche Räume gibt es? Welche Gruppen kann man bilden? Und vieles mehr.

Bezirksbürgermeister Rolf-Dieter Schönlau hat gesagt, die Menschen in Südost hätten angesichts des Zuzugs der Flüchtlinge „die Ärmel hochgekrempelt“. Stimmt das?

Bisselik: Ja, das kann man so sagen. Die Stimmung war von Anfang an überwiegend positiv und viele Helfer haben schnell den Aufbau der Flüchtlingshilfe ermöglicht. Was an Zeit und Kraft von den Ehrenamtlichen mit hohem persönlichen Einsatz geleistet wurde, war außergewöhnlich. Auch viele Neue wurden motiviert und haben so für viel positive Stimmung nach innen aber auch nach außen gesorgt

Wie ist die aktuelle Situation im Bezirk Südost?

Bisselik: Nach einem sehr anstrengendem Jahr 2015 hat sich die Lage in 2016 – wie überall – etwas beruhigt. Es gibt weniger neue Flüchtlinge, aber auch das ehrenamtliche Engagement geht etwas zurück. Aktuell leben etwa 500 geflüchtete Menschen im Bezirk Südost. Das heißt, die Anzahl ist verhältnismäßig hoch. Die Stadt beginnt aktuell mit dem Rückbau der Kapazitäten in den Übergangseinrichtungen.

Wo liegen jetzt die Schwerpunkte der Arbeit?

Da viele Menschen mittlerweile „auszugsberechtigt“ sind, ist die Wohnungssuche – für Münsteraner kein unbekanntes Thema – die aktuelle Herausforderung. Auch hierbei unterstützen wir die Menschen. Zudem sind Ausbildung und Arbeitsplatzsuche bei einigen Familien akut. Nach „erster Hilfe“ in der Anfangszeit geht es nun um tiefere Integration und Partizipation.

Gab es für Sie persönlich in der Flüchtlingsarbeit ein besonderes Erlebnis?

Bisselik: Es sind immer wieder die dankbaren strahlenden Augen der Menschen, denen wir helfen dürfen.

Sie sind „ständiger Diakon im Nebenamt “. Darunter kann sich der Laie schlecht etwas vorstellen.

Bisselik: Das bedeutet zum einen, dass ich einen Hauptberuf habe, mit dem ich mein Geld verdiene. Ich bin gelernter Bankkaufmann und arbeite seit vielen Jahren beim IT-Dienstleister der Deutschen Sparkassenorganisation. Zum anderen bin ich im Nebenamt „Ständiger Diakon“. „Ständig“ daher, da ich als verheirateter Familienvater auf dieser ersten der drei Weihestufen verbleiben werde. Die Ausübung des Diakonats erstreckt sich dann im Wesentlichen auf die Freizeit, wobei ich natürlich auch im Betrieb versuche, „Diakon“ zu sein. Neben der caritativen Arbeit gehört auch die Liturgie mit dazu, ich assistiere in Gottesdiensten, predige, bin bei Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten tätig.

Wie schaffen Sie das alles? Wie jonglieren Sie mit ihrer Zeit, und was sagt Ihre Familie dazu?

Bisselik: Ohne die Unterstützung der Familie geht gar nichts. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass Sie mir den Rücken freihält. Sie ist aber auch mein Regulativ und zeigt die „rote Karte“, wenn die Prioritäten mal wieder in die falsche Richtung gehen. Ohne Sie hätte ich das alles nicht schaffen können.

Was tun Sie in der Freizeit, falls es für Sie so etwas überhaupt gibt?

Bisselik: Ich sehe die Arbeit in der Flüchtlingshilfe ja nicht nur als eine meiner Aufgaben als Diakon, sondern auch als meine „Freizeitaktivität“ an. Aber nach Beruf, Berufung und Familie bleibt wenig Zeit für Krimis und gute Musik. Das hole ich dann im Urlaub gerne nach. 

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