Do., 20.07.2017

Flüchtlingsunterkünfte schließen Großer Abschied für Flüchtlinge

Ein großes Wiedersehen von Flüchtlingen und Ehrenamtlern in der Notunterkunft des Hofes Buddenbäumer: Diesmal ist es ein Abschied

Ein großes Wiedersehen von Flüchtlingen und Ehrenamtlern in der Notunterkunft des Hofes Buddenbäumer: Diesmal ist es ein Abschied Foto: anh

Münster-Wolbeck - 

Der alte Hof Buddenbäumer war 2013 die erste Notunterkunft in Südost. Jetzt ziehen die Flüchtlinge aus.

Von Andreas Hasenkamp

„Diese Einrichtung schließt am 20.7. …“ steht auf Zetteln an den Türen der Container auf dem Hof Buddenbäumer, am Haupthaus auch. 2013 war der Hof die erste Notunterkunft für Flüchtlinge in Südost geworden; ursprünglich sollte die Anlage nur ein Jahr diesem Zweck dienen.

Das Gros der Flüchtlinge lebte in den Containern, die miteinander über einen einzigen langen Flur verbunden sind. Eine Brandschutz-Tür trennt ein wenig, man kann sich die Geräuschkulisse vorstellen. Koch-Gelegenheiten und Toiletten sind über den Gang zu erreichen. In der Küche stehen noch drei Elektro-Herde, nicht einer pro Familie, vor Wänden mit vielen Spuren von Fettspritzern, einige Tische unterschiedlicher Bauart dienen als Arbeitsflächen, eine Spüle. Einen Spind mit vielen kleinen Fächern haben die Kräfte der Caritas organisiert – so mussten die Bewohner nicht immer Mehl und andere Dinge aus ihren Wohnräumen in die Küchen transportieren. In Spitzenzeiten lebten auf der Hofanlage 75 Menschen, sagt Christina Quaing. Es herrschte ein Kommen und Gehen, viel kurzfristiges Problemlösen. „Die Flüchtlinge waren auch hart im Nehmen und haben sich gut arrangiert, die meisten jedenfalls.“

„Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Bettina Ullmann von der Caritas.

Die Container seien nun „verwohnt“, so Quaing; die Stadt Münster habe sie schon gebraucht angeschafft.

Ein Vater mit drei Söhnen ist an diesem Tag dort ausgezogen. Am Tönskamp gibt es für sie nun eine Unterkunft mit einem Internet-Zugang. Gern fände er eine Wohnung, gern in Wolbeck, wo eines der Kinder die Nikolai-Schule besucht. Ohne Vermittler wird das Finden einer Wohnung nicht gehen, so der Eindruck, zu schwierig ist noch die deutsche Sprache.

Um die Ecke auf der Veranda tummeln sich Mitarbeiter der Caritas. Sie hatte die Aufgabe der Betreuung vor anderthalb Jahren von der Stadt übernommen. Ehrenamtliche Helfer sind schon da, etwa Jochen Brück vom Maltreff, dann kommen Ehepaare und Familie von Geflüchteten. Gerhard Canstein, der mit seiner Frau schon früh anfing, Deutschunterricht zu geben,sagt, sie hätten ganz viele Freunde gewonnen.

„Unser Leben ist reicher geworden“. Sarah Bange von der Caritas hofft, dass viele Beziehungen auch nach der Zeit hier weiter bestehen blieben.

„Hier habe ich zuerst gewohnt“, sagt Ehad aus Lybien, Vater dreier Töchter, der gerade auf die Ergebnisse seiner Deutsch-Prüfung für Fortgeschrittene wartet. Die Fähigkeiten klaffen weit auseinander.

Auch andere kommen zum Abschiedstreffen aus Wolbeck und anderen Stadtteilen zu ihrer ersten Unterkunft, viele haben sich lange nicht mehr gesehen. Viel Stoff zum Erzählen, auch vom letzten Besuch beim Sozialamt.

Nicht nur Syrien ist vertreten beim Kaffeeklatsch mit vielen verschiedenen Kuchen und einem Teller Johannisbeeren, auch Afrika und Asien.

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