Di., 14.11.2017

Röntgenapparat für den Unterricht am Gymnasium Wolbeck Physik mit Durchblick

Das Herz der Maschine ist die Röntgenröhre – Dr. Fabian Schnier hat sie aus der Maschine (im Hintergrund) herausgeholt. Im Betrieb werden die Strahlen durch dickes Bleiglas abgeschirmt.

Das Herz der Maschine ist die Röntgenröhre – Dr. Fabian Schnier hat sie aus der Maschine (im Hintergrund) herausgeholt. Im Betrieb werden die Strahlen durch dickes Bleiglas abgeschirmt. Foto: mlü

Münster-Wolbeck - 

Das Gymnasium Wolbeck hat einen Röntgenapparat für den Unterricht gekauft. Damit können Schüler beispielsweise können sie Schneckenhäuser oder technische Geräte durchleuchten. Ein anderes Beispiel ist die Röntgenkristallographie, mit der unter anderem die Struktur von Proteinen erforscht werden kann.

Von Markus Lütkemeyer

Physiklehrer André Liemann öffnet die Bleiglas-Schiebetüren, sperrt einen Taschenrechner in den Apparat und startet die Maschine. Auf der einen Seite des Taschenrechners feuert die Röntgenröhre. Auf der anderen Seite fängt ein Bildschirm die unsichtbaren Strahlen wieder auf – ein Röntgenbild entsteht. So sieht also ein Taschenrechner von Innen aus.

Das Gymnasium Wolbeck ist die erste Schule in Münster mit einem Röntgenapparat für den Unterricht. „In Münster gibt es eine Maschine dieser Bauart sonst nur noch an der Universität, im Fachbereich Didaktik der Physik“, sagt Dr. Fabian Schnier. Er muss es wissen, seine Firma verkauft die Apparate, die besonders auf die Bedürfnisse der Pädagogen zugeschnitten sind.

Rund 13 000 Euro kostet so eine Maschine mit allem drum und dran – „ein richtig wertvolles Stück Technik also“, sagt Schulleiterin Edith Verweyen-Hackmann. Ohne Sponsoren wäre die Anschaffung nicht möglich gewesen: Die Familie Horstmann hat aus alter Verbundenheit mit dem Gymnasium Wolbeck etwas dazugegeben und der Förderverein der Schule hat dafür lange gespart. Außerdem half die Sparkasse. Die Firma Phywe ist der Schule beim Kaufpreis entgegengekommen.

Warum braucht eine Schule ein Röntgengerät? Für die Schulleiterin war der entscheidende Punkt: „Damit könnt ihr Schüler Experimente durch­führen, die ihr sonst nur im Film sehen würdet.“ Auch echte Forschung ist mit dem Gerät möglich – zum Beispiel für den Wettbewerb „Jugend forscht“. Einer Mint-EC-Schule stehe diese Anschaffung gut zu Gesicht.

Es bleibt nicht bei der Durchleuchtung von Gegenständen – die Maschine kann mehr. Mit der Röntgenkristallographie können Oberstufenschüler dem Wesen der Röntgenstrahlen selbst nachspüren. Oder richtiggehend Materialforschung betreiben. Ist eine Schmuckstück wirklich aus Gold oder nur Nippes? Mit ein paar Umbauten kann das gerät sogar als Computertomograph eingesetzt werden.

Körperteile lassen sich allerdings nicht röntgen – aus Sicherheitsgründen schaltet sich die Röntgenröhre nämlich nur ein, wenn der kleine Bleiglaskasten fest verriegelt ist. Alle Lehrer, die mit dem Gerät arbeiten wollen, müssen außerdem ein Strahlenschutzseminar besuchen.

Den eindrücklichsten Beweis für die Sicherheit lieferte die Physiklehrerin Claudia Lichtenberg. Sie ist derzeit in Elternzeit und kam für die Präsentation der Maschine extra mit Baby in die Schule. Als die Maschine anspringt, geht sie mit Kind vor dem Bauch ganz nah heran, um die Röntgenröhre anzuschauen. „Na, sie haben ja Vertrauen“, raunt jemand im Hintergrund. Und sie: „Vertrauen muss ich nicht haben. Das ist Wissenschaft.“

Leserkommentare

Google-Anzeigen

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5288770?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F