Schrecken des Krieges in Syrien
Bilder des Grauens

Münster-Wolbeck -

Die syrischen Flüchtlinge aus Afrin sind in großer Sorge um ihre Angehörigen, die zurückgebliebenen sind.

Freitag, 02.02.2018, 22:02 Uhr

Sind sind in großer Sorge um ihre Angehörigen, die in Afrin zurückgeblieben sind (v.l.): Kamiran Hannan, Sinap Hannan, Zeynab Hannan und Hanifeh Mohammed mit ihrem Sohn.
Sind sind in großer Sorge um ihre Angehörigen, die in Afrin zurückgeblieben sind (v.l.): Kamiran Hannan, Sinap Hannan, Zeynab Hannan und Hanifeh Mohammed mit ihrem Sohn. Foto: na

Hanifeh Mohammed sind ihre Sorgen anzusehen, traurig sind ihre Augen. Die 30-jährige Syrerin ist seit dreieinhalb Jahren in Deutschland, geflohen mit ihrem Sohn aus Afrin. Zurückgeblieben ist ihre Familie, ihre Eltern, ihr Bruder und seine Frau, dessen Kinder.

Und die Sorge um deren Schicksal bestimmt seit gut drei Wochen ihr Denken, seitdem die Türkei eine große kriegerische Offensive gegen die von Kurden bewohnte Stadt gestartet hat, seitdem sie durch die Medien mit den grausamen Bildern aus ihrer Heimatstadt konfrontiert wurde. In den zerstörten Häusern liegen immer wieder Tote oder Schwerverletzte.

Hanifeh Mohammed sitzt am Donnerstagnachmittag zusammen mit noch anderen syrischen Flüchtlingen aus Afrin am großen Besprechungstisch im Flüchtlingsheim am Tönskamp. Sie ist zum Flüchtlingstreff gekommen, einer Einrichtung, die von Barbara Hoebink-Johann ins Leben gerufen worden ist, die sich sehr in der Flüchtlingshilfe Münster-Südost engagiert.

„Gibt es etwas Neues aus Afrin?“, lautete denn auch die erste Frage von Barbara Hoebink-Johann in die Runde. Natürlich, sagt sie, sei die Situation in Afrin derzeit das beherrschende Thema unter den Flüchtlingen. Aber auch über die politischen Hintergründe wird gesprochen. Groß ist die Wut auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan , der einen grausamen Krieg gegen die kurdische YPG-Miliz führt und dessen Armee Medienberichten zufolge mit Kampfjets, Hubschraubern und Artillerie vor wenigen Tagen Ziele im Westen und Süden Afrins beschoss.

Kamiran Hannan, der mit seiner zwölfjährigen Tochter Sinap und seiner Frau Zeynab zum Flüchtlingstreff gekommen ist, lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Eine schlimme Flucht, sagt er, liege hinter ihnen. In Afrin geblieben sind seine Eltern. „Oma und Opa“, wie die perfekt deutsch sprechende Sinap traurig sagt.

„Für mich stellt sich die ganz wichtige Frage, wie es geschafft werden kann, diesen grausamen Krieg zu beenden“, greift Barbara Hoebink-Johann den politischen Faden wieder auf. Sie selbst war auf der Demonstration gegen Erdogan in Köln. „Es muss bei diesem unermesslichen Leid einfach etwas geschehen“, betont sie besonders mit Blick auf die politisch Verantwortlichen.

Eine besondere Dramatik hat das Schicksal von Nessrin Osso und Bahri Abdo. Sie sind, nachdem in ihrem Heimatort die Häuser bombardiert worden waren, zunächst nach Afrin geflohen, wo ihre Eltern zurückgeblieben sind und dort nun einem bedrohlichen Schicksal gegenüberstehen.

Kontakte nach Afrin sind derzeit praktisch ausgeschlossen. Die Netze funktionieren kaum. Nur grausame Bilder gilt es zu verarbeiten, Fotos, die Schmerz auslösen und schlimme Konsequenzen haben können. „Eine erneute Traumatisierung bei denjenigen, die bereits auf ihrer Flucht grausame Erfahrungen machen mussten, möchte ich nicht ausschließen“, meint Barbara Hoebink-Johann.

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