JVA in Wolbeck
Bürgerinitiative will alternativen JVA-Standort

Münster-Wolbeck -

In Wolbeck hat sich eine Bürgerinitiative gegen den geplanten JVA-Standort in Wolbeck formiert – bis zum Mittwochnachmittag hatten über 120 Personen aus Everswinkel, Telgte, Münster und Wolbeck die Petition im Internet unterschrieben.

Mittwoch, 21.02.2018, 17:40 Uhr

Unterstützer der Bürgerinitiative  vor einer Baumallee, die für die neue JVA in Wolbeck gefällt werden müsste.
Unterstützer der Bürgerinitiative  vor einer Baumallee, die für die neue JVA in Wolbeck gefällt werden müsste.

„Wir haben als Anwohner von dem Standort an der Telgter Straße erst aus der Zeitung erfahren“, berichtet Christine Thume – und dann ging alles ganz schnell. Flugs wurden Kontakte nach Handorf geknüpft. Dort hatte eine Bürgerinitiative jahrelang gegen eine JVA auf dem Handorfer Truppenübungsplatz gekämpft. Mittlerweile zählen sich nicht nur die umliegenden sechs Höfe zu den Mitunterzeichnern der Initiative – bis zum Mittwochnachmittag hatten über 120 Personen aus Everswinkel, Telgte, Münster und Wolbeck die Petition im Internet unterschrieben.

Ziel der Initiative

Ziel der neuen Initiative ist es, einen alternativen Standort für die JVA zu finden. „Wir wollen nicht jammern, dass es ausgerechnet uns in Wolbeck trifft – sondern auf ein allgemeines Problem hinweisen“, erläutert Christiane Thume. Es handele sich bei dem Standort an der Telgter Straße um eine wertvolle, nicht versiegelte Natur- und Ackerfläche, „die direkt an ein schönes, altes Waldstück grenzt“. Der so genannte Flächenfraß sei allerdings in der gesamten Region um Münster ein Problem. „Wir wollen bewirken, dass der Landfraß eingeschränkt wird.“ Das beinhalte auch den Appell an die Verantwortlichen, schon vorhandene, bereits versiegelte Flächen sinnvoll und verantwortungsvoll zu nutzen. Das Ziel bestehe darin, ein Bewusstsein bei den Menschen zu schaffen und sich für den Erhalt von wertvollen Natur- und Ackerflächen für Mensch und Tier einzusetzen. „Wir hoffen, dass der Standort in Everswinkel durch unsere Aktion wieder ins Gespräch kommt“, so Thume.

Ehemaliges Tanklager in der Bauerschaft Mehringen

Die Gemeinde hatte das ehemalige Tanklager in der Bauerschaft Mehringen vor rund einem Jahr als Standort für die neue JVA Münster angeboten. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW hatte diese Fläche jedoch nach kurzer Prüfung verworfen: Die Entfernung zum Land- und Amtsgericht Münster sei zu weit. Bis zur Everswinkeler Fläche sind es 24 Kilometer.

Die Fraktionen im Rat der Stadt Münster hatten zwar die „lange Hängepartie“ bei der Standort-Suche scharf kritisiert. Die Reaktionen auf den Standort an der Telgter Straße waren jedoch überwiegend positiv. Der landwirtschaftliche Ortsverein Südost befürchtet jedoch, dass durch die notwendigen Ausgleichsflächen weitere Ackerflächen wegfallen.

Chronologie: JVA Münster: Von der Räumung bis zum neuen Standort

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    Im Juli 2016 muss das Gefängnis an der Gartenstraße wegen seines baufällige Gebäudes innerhalb eines Tages geräumt werden. Eineinhalb Jahre später wird bestätigt, dass die neue Justizvollzugsanstalt in Münster im Südosten der Stadt neu gebaut wird.

    Foto: Matthias Ahlke
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    1853 wird das Gefängnis an der Gartenstraße in Betrieb genommen: das älteste in NRW und zweitälteste in Deutschland. Im September 2013 feiert die JVA 160-jähriges Bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
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    Seit 2010 wird über einen Neubau diskutiert. Dass die JVA ein Sanierungsfall ist, ist allerdings schon länger bekannt.

    Foto: Friso Gentsch dpa/lnw
  • 3

    Am 30. August 2012 gibt das NRW-Justizministerium bekannt, dass Münster ein neues Gefängnis bekommt. Das Gebäude an der Gartenstraße soll aufgegeben werden. (Hier im Bild die damalige JVA-Chefin Maria Look.)

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    34 Grundstücke werden als Standort für den geplanten Neubau des Gefängnisses überprüft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 5

    Im Mai 2013 werden die Pläne für eine JVA auf dem Gelände des Standortübungsplatzes in Handorf vorgestellt. Aber das Vorhaben scheitert. Im Jahr darauf erklärt der damalige NRW-Finanzminister Dr. Norbert Walter-Borjans, dass der Umzug in einen Neubau nicht vor 2020 erfolgen kann.

    Foto: Martin Kalitschke
  • 6

    Was aus dem sternförmigen Gebäude an der Gartenstraße wird, bleibt dennoch unklar. Das Gebäude steht zwar unter Denkmalschutz, gilt aber als baufällig. Ein Erhalt dürfte daher schwierig sein, heißt es bereits 2012.

    Foto: Luftbildkontor Fischer
  • 7

    Während es im Mai 2016 zunächst noch heißt, dass die 163 Jahre alte Justizvollzugsanstalt Münster stark marode sei, aber aus Sicht des Justizministeriums keine akute Einsturzgefahr bestehe, wird ein Notfallplan beschlossen, falls sich der Zustand des Gebäudes weiter verschlechtere.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 8

    Dann geht es Schlag auf Schlag. Am 6. Juli 2016 verfügt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, dass das Gebäude wegen Einsturzgefahr innerhalb von 48 Stunden zu räumen sei. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein solcher Vorgang dürfte in der jüngeren Justizgeschichte wohl einmalig sein: Am 07. Juli 2016 muss das Gefängnis in Münster - mit zu dem Zeitpunkt 513 Häftlingen - an einem Tag geräumt werden. Gegen 10.30 Uhr hat ein erster Bus mit Insassen das Gelände verlassen. Bis Freitagmittag soll die Räumung abgeschlossen sein. 

    Unser Liveticker von der Räumung zum Nachlesen.

  • 10

    Die rund 270 Beschäftigten der JVA Münster sind zum Zeitpunkt der Räumung fast alle noch vor Ort. Wo sie anschließend tätig sein werden, ist da noch ungewiss.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Es folgen Diskussionen über die Zukunft des Gebäudes. Im August 2016 rückt das Land dann von seiner Absicht, das Gefängnis komplett abzureißen, offenbar ab. Denkbar sei ein Teilabriss, Außenmauer und Eingangspforte könnten hingegen stehen bleiben.

  • 12

    Dem Vernehmen nach befindet sich das Areal im südöstlichen Bereich Münsters unweit der Stadtgrenze.

    Ende September 2017 ist die fast fünfjährige Suche nach einem Standort für einen Gefängnisneubau in Münster auf der Zielgeraden: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes hat den Kauf eines Grundstücks auf dem Stadtgebiet auf den Weg gebracht, um dort den Bau einer Justizvollzugsanstalt (JVA) zu verwirklichen. Gerüchten zufolge befindet sich das Areal in Wolbeck unweit der Stadtgrenze.

    Dort reagieren viele Menschen verunsichert, weil sie einen Gefängnis-Bau vor ihrer Haustür befürchten.

    Foto: Markus Lütkemeyer
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    Die neue Justizvollzugsanstalt (JVA) in Münster wird nach Einschätzung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) des Landes frühestens „in fünf bis sechs Jahren“ fertiggestellt sein: also 2022. Deshalb wird die Einrichtung an der Gartenstraße noch gebraucht.

    Foto: Martin Kalitschke
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    Am 23. Januar 2018 ist es dann offiziell: Nach jahrelanger Suche wird der Standort für das neue Gefängnis in Münster präsentiert. Läuft alles nach Plan, soll das Gefängnis 2024 bezugsfertig sein - falls Anwohner den Bau nicht mit Klagen verzögern: im Stadtteil Wolbeck soll bis 2024 das neue Gebäude für 640 männliche Häftlinge entstehen. Das 18 Hektar große Areal in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Münster-Telgte sei dafür am besten geeignet, sagt Markus Vieth, Niederlassungsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW in Münster, bei der Standort-Präsentation.

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