Übergriffe

Di., 12.04.2011

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Hilfe für die Helfer - Malteser üben sich in Kampfkunst

Wing Tsun-Lehrer Stephan Deske (M.) zeigte den Mitgliedern des Malteser-Hilfsdienstes, wie man eine schwierige Situation deeskaliert, ohne sich selbst zu gefährden.<beschreibung>Foto: </beschreibung> (cro)
Von Claus Röttig

Münster - Die Gewalt gegen Rettungskräfte, also die Besatzung von Rettungs- oder Krankenwagen, hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Renitente Patienten, verständnislose Passanten und Betrunkene machen den Helfern das Leben schwer und sorgen nicht selten für handfeste Rangeleien.

Das bestätigt auch eine Studie, die die Malteser NRW in Auftrag gegeben haben. Darin heißt es unter anderem: Behinderungen und Beleidigungen werden von 90 Prozent der Rettungskräfte als Alltagserfahrungen beschrieben. Dennoch, so relativiert die Studie: Meist finden solche Übergriffe in Großstädten statt. Münster, da sind sich alle Hilfsorganisationen einig, sei da eher ruhig.

Doch die Malteser Münster wollen es gar nicht erst so weit kommen lassen: Sie luden Stephan Deske, Wing-Tsun-Lehrer aus der EWTO-Schule Münster, zu einem Dienstabend ein. Wing-Tsun ist ein chinesischer Kampfkunststil, hier besser bekannt unter dem Namen Kung Fu.

„Die Übergriffe werden nicht unbedingt aus dem Ehrenamt bestätigt, aber es gibt immer mal Fälle“, so Hendrik Feldhues, stellvertretender Leiter Einsatzdienst und Leiter der Sanitätsdienste. Kritische Situationen bestünden häufig bei Straßenfesten oder Musikveranstaltungen: „Die Menschen haben dann getrunken, sind oft enthemmter als sonst.“

Normalerweise bitten die Sanitäter, wenn etwas schief läuft, die Polizei um Hilfe. „Wir halten uns normalerweise raus“, so Feldhues. Dennoch sollten die ehrenamtlichen Sanitäter wissen, wie man sich mit einfachen Mitteln schützen kann. „Eine solche sportliche Aktivität stärkt nicht nur dem Gemeinschaftssinn, sondern macht auch Spaß.“

Deske, der seine Kollegin Steffi Bohle mitgebracht hatte, stellte zu Beginn der Stunde klar: „Es wird zunächst einen Einblick in die Kampfkunst geben: Ich will niemanden zum Kämpfer ausbilden, und Rückzug ist noch immer die beste Lösung.“ Doch es gebe Situationen, aus denen man nicht einfach herauskomme. „Es geht in erster Linie um Deeskalation: Das muss auch in der Körpersprache, der Handhaltung und dem Auftreten zum Ausdruck kommen.“

Die Sanitäter durchleben an diesem Abend ein Wechselbad der Gefühle: Sie wollen helfen, müssen aber, wenn sie selber in Gefahr sind, einen Menschen anschreien, um sich selbst zu schützen. Und wenn alles nichts wirkt? „Dann muss man wissen, wie man sich wehrt und wie man beispielsweise einen Schlag abwehren kann“, so der Trainer.

Am Ende des ungewöhnlichen Dienstabends waren sich die Sanitäter einig: „Es sind Erfahrungen, die man sicherlich noch vertiefen sollte.“ Denn von Schlägen oder Tritten sprach der Trainer nicht, sondern von fast schon sanften, fließenden Bewegungen zur Abwehr. „Das passt auch zu den Sanitätern, denn wir wollen uns nicht schlagen, sondern helfen.“


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